Wir könnt ihr euren Frauen helfen?

Hier einige konkrete Tipps, was euer Job bei der Geburt sein kann.

Kreuzbein während der 1 minütigen Wehe massieren. Entweder als kräftiger, statischer Druck mit der flachen Hand oder aber kräftige kreisende Bewegungen. Viele Frauen wollen nur während der Wehe massiert werden, nicht aber in der Pause.

• Bietet Eurer Frau immer mal wieder etwas zu trinken oder zu essen an. Die verstärkte Atmung macht durstig. Frauen dürfen während der Geburt essen und trinken. Jedenfalls so lange, wie man von einer normalen Geburt ausgeht. Falls die Geburt irgendwann durch einen Kaiserschnitt beendet wird, muss die Frau ab dem Moment der Entscheidung nüchtern bleiben.

• Da viele Frauen während der Wehen Übelkeit oder Erbrechen haben, soll Eure Frau keine schweren, fettigen Speisen, sondern leichte Kleinigkeiten essen, auf die sie Appetit hat. Salzstangen, Zwieback, Yoghurt oder Obst sind gut. Am besten nehmt ihr einige Snacks mit. Bei uns im Spital bekommen Männer übrigens drei Mahlzeiten und Getränke gratis.

• Solange Ihr noch mögt, könnt ihr gemeinsam noch ausserhalb des Gebärzimmers spazieren gehen.

• Motiviert Eure Frau ca. 1 Mal pro Stunde auf das WC zu gehen. Eine volle Harnblase ist schmerzhaft und ausserdem nimmt es dem Baby den dringend benötigten Platz weg.

• Motiviert Eure Frau, gelegentlich eine andere Position einzunehmen. Aufrechte Positionen, stehen, laufen, aber auch auf dem Gymnastikball sitzend, im Vierfüsslerstand im Bett oder auf einer Gymnastikmatte, fördern den Geburtsverlauf.

Lasst euch das Gebärbett erklären. Die Betten haben viele Funktionen und sind leicht und gut verstellbar. Es ist wichtig, dass Eure Frau es bequem hat. Bittet um noch mehr Kissen oder Decken, falls benötigt.

• Wenn Eure Frau nur noch im Bett liegen mag, motiviert sie, sich alle halbe Stunde von der rechten zur linken Seite zu drehen. So wirken die Wehen immer anders auf das Baby. Auch das hilft dem Baby, besser durch das Becken zu kommen.

• Wenn Eure Frau mag , soll sie in jeder Position immer mal mit dem Becken kreisende oder kippende Bewegungen machen. Ein runder Rücken ist dabei die bessere Bewegung als ein Hohlkreuz.

• Erinnert Eure Frau an die Atmung. Sie soll durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Der Rhythmus soll ruhig und gleichmässig sein. Sie soll die ganze Luft ausatmen ehe sie erneut einatmet. Das hilft, eine Hyperventilation zu vermeiden. Da das während der Wehen nicht so einfach ist, hilft es vielen Frauen, wenn sie z.B. auf „schsch“ , „ffff“ ausatmen oder auch kräftige Laute wie „aaaa“ oder „ooooo“ während der Ausatmung tönen. Eure Hebamme wird Euch da helfen. Aber vielleicht braucht Eure Frau jemanden, der mit ihr atmet, damit sie den Rhythmus nicht verliert. Einige Paare erfinden auch eigene Atemhilfen. Manchmal sagen die Männer die Zeit an, um den Beginn, den Verlauf oder das baldige Ende der Wehen anzukündigen.

• Kümmert Euch um Musik. Nehmt eine Auswahl an Musik mit. Musik hilft, dass Ihr beide Euch wohler fühlt.

• Neben Musik ist auch angenehmes Licht, ein guter Duft im Zimmer und eine warme Atmosphäre wichtig, dass Eure Frau sich geborgen fühlt und sich gut aufs Gebären einlassen kann. Falls Eure Hebamme das nicht automatisch so einrichtet, bittet darum oder macht das selber.

• Vielleicht hilft eurer Frau eine warme Wärmflasche im Kreuzbein. Wenn eure Frau sich viel bewegt, kann man die Wärmflasche mit den CTG Gurten am Rücken fixieren.

• Fragt Eure Frau, ob sie zur Entspannung ein warmes Bad nehmen oder duschen will. Manchmal würde es Frauen so gut tun, aber vor Müdigkeit kommt ihnen alles zu anstrengend vor. Dann hilft es manchmal, sie „zu ihrem Glück zu zwingen“.

• Während Wärme am Rücken angenehm ist, ist Kälte am Oberkörper hilfreich. Ein Eisbeutel für den Kopf, Stirn oder die Brust ist angenehm und in jedem Gebärsaal vorhanden.

• Ein kalter, nasser Waschlappen ist im Nacken oder auf der Stirn gut.

• Einen frischen Luftzug mögen Frauen auch häufig. Frauen wünschen sich dann, dass Männer ihnen Luft zufächeln. Nachdem ich mal ein Paar mit einem Fächer bei der Geburt erlebt habe, gebe ich den Tip gerne weiter, falls vorhanden einen Fächer mit zur Geburt zu nehmen.

• Versucht, trotz Eurer Nervosität, Ruhe und eine positive Ausstrahlung zu bewahren. Freut euch! Es ist eine Geburt! Es passiert niemandem etwas Schlimmes. Im Gegenteil!

Lobt Eure Frau. Auch wenn man das als Frau durchschaut, hilft Lob und tut ungemein gut.

Lobt Eure Frau noch mehr, wenn sie ihre grosse Krise hat. Die haben die meisten Frauen, wenn der Muttermund fast ganz auf ist. Dann braucht sie sehr viel Lob und Unterstützung. Egal, ob sie sich dann für eine PDA oder eine andere Möglichkeit entscheidet. Mehr dazu hier.

• Frauen haben ein grosses Bedürfnis, sich während des Wehenschmerzes festzuhalten. Und Ihr seid der beste Halt für Eure Frau. Haltet Eurer Frau die Hand. Umgekehrt werden wenige Frauen während der Geburt gerne festgehalten. Sie wird euch zeigen, ob sie gerne umarmt wird oder nicht.

• Wenn Eure Frau die Wehen stehend oder laufend verarbeitet, dann hilft es ihr ebenfalls, wenn sie sich während der Wehe festhalten und abstützenkann. Wenn sie Halt findet. Sie kann sich bei Euch abstützen. Eine gute Möglichkeit ist auch, das Gebärbett mittels Fernbedienung in eine hohe Position zu bringen, so dass sich die Frau nicht tief bücken muss. Leicht nach vorn geneigte Positionen sind gut und fördern das Tiefertreten des Babys durch das Becken.

• Beachtet das CTG Gerät so wenig wie möglich. Der Wehenschmerz ist nicht mit dem Gerät messbar. Das sieht auf dem Gerät zwar so aus, ist aber nicht so. Eine Wehe, die auf der Skala nur mit 30 angezeigt wird, kann viel schmerzhafter sein, als eine Wehe, die bis 100 reicht! Der Wehenschreiber ist im Unterschied zur Aufzeichnung der kindlichen Herztöne sehr ungenau und abhängig von der Position der Frau, der Position des Sensors auf dem Bauch, der Festigkeit der Gurte etc…

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