Was ist eine äußere Wendung?

Bei der äusseren Wendung wird das Baby durch die Bauchdecke am Po und am Köpfchen gefasst und mit kräftig-sanftem Druck gewendet.

 

Eine äußere Wendung macht man am besten um 37+0 SSW. Dann ist das Baby keine Frühgeburt mehr, für den Fall, dass es bedingt durch die Wendung zur Geburt kommt. Und es ist dennoch so klein wie möglich, was die Chancen zum Gelingen der Wendung erhöht.

 

Vorraussetzungen für eine äußere Wendung:

Idealerweise ist die Plazenta, der Mutterkuchen, an der Hinterwand, so dass die Plazenta nicht im Weg ist.

• Die Fruchtwassermenge sollte in der Menge ausreichend sein, damit das Baby gut bewegt werden kann. Zuviel Fruchtwasser erhöht allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby sich wieder zurück in Beckenendlage dreht.

• Das Baby sollte nicht schon zu gross sein.

• Die Gebärmutter sollte nicht in der Vergangenheit schon operiert sein, durch z.B. einen Kaiserschnitt, um die Narbe nicht zu belasten. Allerdings habe ich da auch schon Ausnahmen erlebt. Es lohnt immer, es von erfahrenen Ärzten untersuchen zu lassen. Merkwürdigerweise lehnen einige Gynäkologen in Praxen die Wendung ab. Das verstehe ich nicht und denke, dass viele von ihnen in ihrem Klinikalltag diese Methode nicht kennengelernt haben.

 

Risiken und Kontraindikationen:

Es besteht theoretisch das Risiko, dass das Kind gestresst reagiert. Das heisst, das die Herztonkurve, das [CTG], Zeichen von Stress zeigt, so dass man die Schwangerschaft durch einen Kaiserschnitt oder eine Einleitung beenden muss.

Deshalb wird vor und nach einer Wendung ein ausführliches CTG von 30-60 Minuten geschrieben. Während der Wendung werden die Herztöne durch den Ultraschall beobachtet. Viele Kinder reagieren kurz mit den Herztönen. Aber in all den Jahren habe ich noch nie erlebt, dass wir eine kritische Situation gehabt hätten. Noch nie ist nach einer Wendung ein Kaiserschnitt gemacht worden. Aber theoretisch besteht die Möglichkeit. Deshalb werden Paare bei uns im Spital vor der Wendung darüber aufgeklärt und die Wendung wird in Bereitschaft eines Kaiserschnitts gemacht. Ein OP ist frei, das OP Team ist über die Wendung informiert.

• Eine Kontrainikation ist, wenn die Plazenta an der Vorderwand ist und man das Kind gar nicht richtig fassen kann ohne allzu stark an der Plazenta zu manipulieren.

• Bei Zwillingen wendet man auch nicht.

 

Wie läuft die äußere Wendung ab?

Bei uns im Spital wird zunächst eine Voruntersuchung durchgeführt. Wenn die Ärzte finden, dass die Bedingungen gut sind für eine Wendung, wird ein Termin geplant. Das wird mit dem Operationsprogramm koordiniert. Obwohl ich wie gesagt noch nie einen Kaiserschnitt als Reaktion auf die Wendung erlebt habe, wird trotzdem zur Vorsicht immer ein OP freigehalten für den Zeitraum der geplanten Wendung.

Am Tag vorher kommt die Frau kurz für eine Blutentnahme vorbei, wie man sie vor jeder Operation und jedem Kaiserschnitt macht.¨¨

Am Tag der Wendung kommt das Paar meistens gegen 8:00 Uh ins Spital. Die Frau muss nüchtern sein.

Zunächst wird ein CTG von den kindlichen Herztönen geschrieben. Es wird ein venöser Zugang in die Vene gelegt und eine Infusion mit einem wehenhemmenden Medikament angeschlossen. Die Gebärmutter wird dadurch ganz weich. So können die Ärzte das Baby besser mit den Händen fassen und haben für die Drehung mehr Platz.

Zur Wendung wird die Frau so bequem wie möglich gelagert. Ein Kissen unter den Knien hilft, dass sich die Bauchdecke weiter entspannt. Das Bett wird dann leicht kopfüber gestellt, so dass das Becken höher als der Kopf liegt. Durch die Schwerkraft rutscht das Baby aus dem Becken. Eine Ärztin/Arzt fasst das Baby mit beiden Händen an Po und Köpchen und dreht das Kind vorsichtig, aber doch mit sanfter Kraft. Dabei wird versucht, das Baby eine Rolle vorwärts machen zu lassen. Ein zweiter Arzt/Ärztin kontrolliert die ganze Zeit die Herzfrequenz des Babys.

Sollte das Kind heftig mit den Herztönen reagieren, würde man den Wendungsversuch abbrechen. In der Regel erholen die Kleinen sich schnell wieder von dem Schreck.

Meistens probiert man 2 Wendungsversuche. Waren die nicht erfolgreich, belässt man es dabei.

Nach der Wendung oder dem erfolglosen Versuch kontrollieren wir die Herztöne für eine weitere Stunde. In der Zeit bringen wir der Frau etwas zu essen und zu trinken, da sie ja bis zur Wendung nüchtern bleiben musste. Sicherheitshalber bitten wir das Paar, bis 4 Stunden nach der Wendung bei uns zu bleiben und gegen Ende schreiben wir erneut ein CTG, um sicher zu sein, dass es dem Baby nach dem Eingriff gut geht.

Einen Tag nach der Wendung muss die Frau noch einmal zu uns für eine Kontrolle kommen. Unabhängig ob die Wendung erfolgreich war oder nicht, wird mit einem CTG kontrolliert, wie es dem Baby geht.

 

Meine Einstellung dazu

Ich verstehe die Ablehnung einiger niedergelassenen Ärzte in den Praxen nicht, die den Frauen von der Wendung abraten und einen geplanten Kaiserschnitt empfehlen.

Ich finde, wenn die Bedingungen für einen Wendungsversuch sprechen, ist es einen Versuch wert.

Im schlimmsten Fall müsste man gerade einen Kaiserschnitt machen, falls das Kind reagiert. Aber da das etrem unwahrscheinlich ist und ein Kaiserschnitt andernfalls sowieso meistens bei Beckenendlagen gemacht wird, ist das Risiko vertretbar.

Es ist aber absolut wichtig, dass Ihr als Paar ein gutes Gefühl zu diesem Eingriff habt!

Es ist Euer Kind, Eure Schwangerschaft und Eure Geburt.

 

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