Thema Fruchtwasser

Wenn das Fruchtwasser kommt, hat die Geburt begonnen! Auch wenn noch keine Wehen spürbar sind!

Die Fruchtblase des Babys hat irgendwo einen Riss und das Fruchtwasser läuft aus der Gebärmutter heraus.

Meistens gehen die Eihäute unter dem Druck der Wehen während des Geburtsverlaufs auf, wenn der Muttermund schon mehrere cm geöffnet ist.

Ungefähr jede 10. Geburt am Termin beginnt aber mit einem sog. vorzeitigen Blasensprung. Vorzeitig heißt, dass zunächst das Fruchtwasser abgeht und die Wehen erst im Verlauf einsetzen.

 

WIEVIEL FRUCHTWASSER KOMMT? UND WIE SIEHT ES AUS

Fruchtwasser sieht klar wie Wasser aus, manchmal sieht man Flocken der Käseschmiere darin, mit der das Baby zum Schutz vor dem Wasser bedeckt ist. Fruchtwasser ist klebrig, da es viel Zucker enthält.

Fruchtwasser kann auch leicht rosa sein, dann ist es mit ganz wenig Blut vermischt. Das ist normal und kein Grund zur Beunruhigung!

Wenn der Riss in den Eihäuten vor dem Köpfchen des Babys ist, geht meistens sehr viel Fruchtwasser ab.

Wenn der Riss im oberen Teil der Eihäute ist oder das Köpfchen schon sehr tief ist und das Becken gut abdichtet, geht eventuell nur tröpfchenweise Fruchtwasser ab.

Meistens löst so ein Blasensprung innerhalb der nächsten Stunden Wehen aus.

In jedem Fall solltet ihr zeitnah zu einer Kontrolle ins Spital kommen, um kontrollieren zu lassen, wie es dem Baby mit dieser neuen Situation geht. Auch hier gilt: vorher anrufen und die Hebammen informieren!

 

WAS BEDEUTET ES, WENN DAS FRUCHTWASSER GRÜN IST?

Fruchtwasser kann auch grün sein. In dem Fall hat das Baby seinen ersten Stuhlgang ins Fruchtwasser ausgeschieden. Dieser erste Stuhlgang wird im Volksmund auch Kindspech genannt, da er schwarzgrün und klebrig-zäh ist. Das Kindspech besteht hauptsächlich aus Gallenflüssigkeit. Aufgelöst im Fruchtwasser entsteht grünes Fruchtwasser.

Grünes Fruchtwasser kann ein Hinweis darauf sein, dass das Baby eine Form von Geburtsstress hatte.

Solange das CTG, also die Herztöne des Babys gut sind, geht es dem Baby gut. Während der Geburt wird man häufiger CTG Kontrollen machen als bei einer Geburt mit klarem Fruchtwasser.

Immer wieder vermuten Paare in meinen Kursen, dass grünes Fruchtwasser bedeute, dass Fruchtwasser sei „schlecht geworden“ oder sei ein Anzeichen für die sogenannte Schwangerschaftsvergiftung. Beides stimmt nicht!

IST ES FÜR DAS BABY GEFÄHRLICH, WENN DAS FRUCHTWASSER ABGEHT?

Nein, es macht nichts, wenn das Fruchtwasser abgeht!

Eltern haben manchmal Sorge, dass es dem Kind schadet, „wenn es auf dem Trocknen liegt“. Das spielt aber keine Rolle, da die Zeit ja sehr begrenzt ist, bis das Baby auf die Welt kommt.

Das Baby ist aber nach einem Blasensprung nicht mehr „steril verpackt“. Keime können aufsteigen und irgendwann eine Infektion auslösen. Damit das nicht passiert, wartet man in den meisten Spitälern nicht länger als 24 Stunden bis man die Wehen künstlich einleitet.

Meistens beginnen die Wehen aber von alleine.

Einige Spitäler nehmen sofort, andere erst nach 12 bis 24 Stunden Blut ab und kontrollieren es auf Infektzeichen. Fieber oder erhöhte Temperatur bei euch wäre ebenfalls ein Anzeichen einer Infektion und wird deshalb kontrolliert.

 

WAS IST EIN VAGINALER STREPTO-B ABSTRICH, UND WAS HAT DAS MIT DEM BLASENSPRUNG ZU TUN?

Bei den meisten Frauen wird in der Schwangerschaft ein Vaginal- und Dammabstrich gemacht, um zu testen, ob Streptokokken der Gruppe B nachweisbar sind. Das sind Bakterien, die in der Regel keine Symptome bei Frauen wie Ausfluss, Juckreiz oder einen speziellen Geruch hervorrufen.Bei der Geburt können sie aber in sehr seltenen Fällen eine Infektion beim Baby auslösen. Die Infektionen sind sehr selten, aber gefährlich.

Strepto B Bakterien sind der häufigste Grund für z. T. sehr schwerwiegende Verläufe wie Meningitis (Hirnhautentzündung), Pneumonie (Lungenentzündung) oder Sepsis („Blutvergiftung“).

Bei einem positiven Strepto B Abstrich wird ab Blasensprung oder ab Beginn der Wehentätigkeit und einer Muttermundseröffnung von ca. 3 cm ein Antibiotikum intravenös gegeben. Diese Gabe wird 4-stündlich bis zur Geburt wiederholt. Dann ist die Therapie abgeschlossen. Weder Mutter noch Kind müssen nach der Geburt weiter behandelt werden.

Die Bakterien werden durch das Penicillin schlagartig reduziert und die Gefahr der Ansteckung sinkt beträchtlich. Ideal sind 2 Gaben im Abstand von 4 Stunden.

Diese Prophylaxe wird heute in nahezu allen Spitälern gemacht. Es ist nicht nötig, schon in der Schwangerschaft antibiotisch zu behandeln, die Bakterien würden sich sehr rasch wieder vermehren.

Der Abstrich sollte bei der Geburt nicht älter als 5 Wochen sein, da sich der Status mit der Zeit auch ändern kann, d.h. nach einigen Wochen sind plötzlich doch Strepto B Bakterien nachweisbar. Idealerweise nehmen eure Ärzte ihn um 36+0 SSW ab.

 

WAS IST, WENN DIE WEHEN NACH EINEM BLASENSPRUNG NICHT VON ALLEIN EINSETZEN?

Je nach Spital wird meistens nach 12-24 Stunden eingeleitet. Das wird gemacht, um nicht in die Situation einer aufsteigenden Infektion zu kommen: wenn die Fruchtblase geöffnet ist, können Keime aus der Scheide aufsteigen, sich vermehren und irgendwann eine Infektion bei Mutter und Kind auslösen. Dem will man zuvorkommen, indem man die Wehen künstlich anregt.Bei uns im Spital ist es so, dass die Paare nach einer unauffälligen Kontrolle nach einem vorzeitigen Blasensprung noch einmal nach Hause gehen können. Nach 12 Stunden wird eine erneute Kontrolle gemacht, und wieder kann das Paar zu Hause auf den natürlichen Wehenbeginn warten. Die Mehrheit der Paare kommt tatsächlich mit eigenen Wehen. Bleiben die Wehen aus, wird dann allenfalls nach 24 Stunden mit der Einleitung begonnen.

Die Einleitung funktioniert genauso wie eine normale Einleitung. Allerdings ist der Körper durch den Blasensprung viel wehenbereiter und es geht meistens schneller, bis die Geburt beginnt.

Weitere Infos siehe →Einleitung!

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