Psyche

Häufig werden psychische Befindlichkeiten in der Schwangerschaft oder im Wochenbett einzig und allein auf die veränderten Hormone geschoben. Das wird aber der Komplexität nicht gerecht. Und Ihr fühlt Euch vielleicht zurecht nicht richtig ernst genommen.

 

Viele Themen in kurzer Zeit

Die Schwangerschaft,

die Veränderung des Körpers,

der Wechsel in die Mutterrolle,

die veränderte Paarbeziehung und ein

gänzlich anderer Lebensrhythmus sind so viele

 

Veränderungen, die neben Vorfreude, Liebe und Zustimmung auch Ängste, Sorgen, Zweifel und Ablehnung auslösen.

 

Und das natürlich nicht nur bei den Frauen, sondern in vielerlei Hinsicht auch bei den Männern und werdenden Vätern, deren Schicksal es leider ist, dass sie mit ihren Bedürfnissen oft ungenügend wahrgenommen werden.

 

 

Das 1. Trimenon: Phase der Ambivalenz

Das erste Trimenon, bis zur 13 SSW, gilt als Phase der Ambivalenz, geprägt von widersprüchlichen Gefühlen. Selbst Frauen, die sich lange gewünscht haben, schwanger zu werden, haben zum Teil ablehnende Gefühle.

Müdigkeit, Erbrechen und Übelkeit können die Freude über die Schwangerschaft zusätzlich trüben.

Bei anderen Frauen überwiegt dagegen die Sorge, die Schwangerschaft zu verlieren, denn die Rate an Spontanaborten ist bis zur 12. SSW sehr hoch.

Ab der 13. SSW kann man sich der Schwangerschaft relativ sicher sein und seine positiven Gefühle voll zulassen.

 

Das 2. Trimenon: die Wohlfühlphase

Das zweite Trimenon gilt am häufigsten als die Wohlfühlphase. Die Entscheidung ist für das Kind getroffen, bei den meisten überwiegen die positiven Gefühle und körperlich sind Übelkeit und Müdigkeit vorbei oder deutlich besser, die körperlichen Beschwerden vom Ende der Schwangerschaft sind noch nicht da.

 

 

Das 3. Trimenon: jetzt wird’s beschwerlich!

 

Das dritte Trimenon wird für viele Frauen beschwerlich. Der grosse Bauch stört beim Schlafen, Krampfadern, Sodbrennen und andere Beschwerden lassen viele Frauen das Ende der Schwangerschaft herbeisehnen. Andere Frauen dagegen lieben und geniessen den Zustand des schwanger sein sehr.

 

Im dritten Trimenon rückt die Geburt immer näher, das Kinderzimmer wird eingerichtet, Babykleider besorgt und häufig ein Geburtsvorbereitungskurs besucht.

 

Bei einigen werdenden Müttern und Vätern wird die Last der kommenden Verantwortung in Träumen spürbar: es wird geträumt, dass Kinder irgendwo vergessen oder verloren gehen, versehentlich im Abfluss verschwinden und vieles merkwürdiges mehr.

 

Ängste und Unsicherheiten vor der Geburt, Schmerzen etc. werden grösser oder werden verdrängt.

Bei den meisten überwiegen aber die Vorfreude, Spannung, Neugier und Glück.

 

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Elternrolle ruft häufig auch alte Kindheitserinnerungen wach und den Vergleich mit den eigenen Eltern.

Das kann für Euch vielleicht positiv verbindend und versöhnlich, aber  manchmal auch sehr belastend sein. Vielleicht könnt Ihr einige alte Konflikte dadurch lösen. Aber vielleicht reisst es auch alte Wunden wieder auf.

 

Wir legen in unseren Routineuntersuchungen in der Schwangerschaft leider viel zu wenig Wert darauf, scheint mir. Sprecht Eure Themen aktiv an, wenn es bei den Kontrollen mehr um Zahlen und Daten gehen sollte als um Euch.

Solltet Ihr in eine psychisch belastende Situation kommen, gibt es Frauenärztinnen/Ärzte, die einen Fokus auf z.B. Psychosomatik haben und besser auf spezielle psychische Bedürfnisse eingehen können.

Ihr könnt auch Schwangerschaftskontrollen durch Eure Hebamme machen lassen, die Euch im Wochenbett betreuen wird. Nicht alle Hebammen bieten das an. Aber die Krankenkassen zahlen uns genauso auch in der Schwangerschaft und ich finde, es erhöht die Qualität der Betreuung und vertieft die Beziehung im Wochenbett.

Vielleicht ist für Euch auch eine   →Beleghebamme , die mit zu Eurer  Geburt kommt, eine gute Lösung.

Bei uns nicht so verbreitet wie in den USA, aber auch eine  →Doula , eine Geburtsbegleiterin ohne medizinische Verantwortung, kann helfen, um sich in dieser Phase besser begleitet, unterstützt und geborgen zu fühlen.

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