PDA

WAS IST EINE PDA?

Bei einer PDA wird ein Kunststoffkatheter in den sog. Periduralraum in der Wirbelsäule gelegt. Eine Pumpe infundiert dann kontinuierlich ein Schmerzmittel zu den dort liegenden Nerven, die für die Schmerzweiterleitung und Schmerzempfindung an der Gebärmutter verantwortlich sind. Die Gebärmutter macht weiterhin Wehen, der Schmerz wird aber gar nicht mehr oder reduziert wahrgenommen.

 

WIE WIRD EINE PDA DURCHGEFÜHRT?

Die PDA wird von Anästhesisten durchgeführt. Ihr Frauen müsst entweder im Liegen oder im Sitzen einen runden Rücken machen, damit sich die Wirbel öffnen. Zuerst wird mit einer feinen Nadel die Haut und das darunter liegende Gewebe betäubt. Dann wird der Kunststoffkatheter mit Hilfe einer dickeren Hohlnadel bis in den Periduralraum geschoben. Ist das geschehen, wird die Nadel entfernt. Es liegt also keine Nadel im Rücken! Das wird oft gedacht und löst verständlicherweise Unbehagen aus. Die PDA wird auch nicht in das Rückenmark gelegt; das endet deutlich höher! Der Katheter wird am Rücken fixiert und mit der Pumpe verbunden. Über die Pumpe wird ein Gemisch aus Lokalanästhetikum und Opiat tropfenweise in den Rücken infundiert. Ist die Pumpe leer, können wir Hebammen sie wieder auffüllen. Bis zur Geburt. Theoretisch kann eine PDA mehrere Tage benutzt werden.

Die Durchführung der PDA dauert ca. eine halbe Stunde inklusive Vorbereitung. Eine Schmerzreduktion tritt innerhalb von Minuten ein, die volle Wirkungdauert ungefähr 20-30 Minuten.

 

WAS SIND DIE VORTEILE EINER PDA?

Die PDA ist die wirksamste Methode zur Reduzierung der Schmerzen. Tatsächlich spüren viele Frauen die Wehen überhaupt nicht mehr.

Das Schmerzmittel bleibt im Periduralraum, geht nicht ins Blut und damit auch nicht zum Kind.

Durch die Schmerzerleichterung können Frauen sich manchmal so gut entspannen, dass ein verkrampfter Muttermund plötzlich weicher wird und sich besser eröffnet. Manchmal wirkt die PDA dadurch geburtsbeschleunigend.

Durch die Entspannung entsteht etwas mehr Platz, so dass sich ein Baby, dass ungünstig im Becken liegt, besser drehen und tiefertreten kann. In so einer Situation raten wir Geburtshelfer sogar zu einer PDA. Ansonsten kommt der Wunsch nach einer PDA immer von Euch Frauen.

 

WAS SIND DIE NACHTEILE EINER PDA?

Die Wehen werden häufig durch die PDA ineffektiv. Meistens braucht es dann einen “Wehentropf”, eine Infusion mit einem wehenanregenden Medikament.

Manchmal scheint die PDA den natürlichen Rhythmus durcheinander zu bringen und wirkt verzögernd auf die Geburt. In anderen Situationen (siehe oben) kann es aber auch beschleunigend wirken.

Die PDA kann durch die Weitstellung der Blutgefässe einen Blutdruckabfall bei der Frau auslösen; deshalb wird der Blutdruck kontinuierlich bis zur Geburt überwacht. Eine Infusion mit Flüssigkeit soll diesem Blutdruckabfall vorbeugen. Ein CTG wird ab PDA dauerhaft geschrieben.

Je nach Spital und der entsprechend dort verabreichten Medikamente kann eine Frau mit PDA nicht mehr laufen, da die Beine leicht betäubt sind. Das schränkt die Bewegungsfreiheit und die Wahl der Geburtspositionen der Frauen sehr ein. Eine Geburt im Wasser ist dann zum Beispiel auch nicht mehr möglich.

Allerdings gibt es Spitäler, bei denen eine “Walking PDA” gemacht wird. Das bedeutet, dass die Frauen trotz der PDA noch immer laufen können!

Wenn die Frauen nicht mehr laufen und damit auch nicht selbstständig zur Toilette gehen können, legen einige Spitäler bis zur Geburt einen Dauerkatheter in die Harnblase.

Der Vorteil der Schmerzlosigkeit wird gegen Ende manchmal zum Nachteil: wenn eine Frau gar nichts mehr spürt, dann klappt das Pressen bei der Geburt manchmal sehr viel schlechter. Deshalb ist die Rate von Vakuum-Entbindungen (Saugglocke) hier etwas erhöht.

 

IST EINE PDA GEFÄHRLICH?

Nein! Die PDA ist ein Routineeingriff und sicher nicht gefährlich. Trotzdem bestehen sehr, sehr geringe Risiken, die Ihr akzeptieren und mit Eurer Unterschrift akzeptieren müsst. Die Anästhesisten klären euch vor dem Eingriff auf, dass es wie bei jedem Eingriff mit einer Nadel das Risiko von Infektionen, Blutungen und Nervenverletzungen bis hin zu bleibenden Schäden wie Querschnittslähmungen geben kann. Diese Risiken sind aber allesamt so klein, dass man sie als gebärende Frau vernachlässigen kann. Noch nie habe ich eine Frau, einen Arzt oder eine Hebamme getroffen, die so etwas schon mal erlebt hätte.

Eine andere Komplikation habe ich dagegen schon einige Male mitbekommen:

Wird die Hohlnadel zu weit eingeführt und durchsticht eine weitere Hautschicht, tritt Flüssigkeit, der Liquor, aus. Medizinisch ist das nicht schlimm, kann jedoch extrem starke, Tage andauernde Kopfschmerzen auslösen. Aber auch das kommt extem selten vor und ist letztlich nur unangenehm, aber so ungefährlich, dass es kein Grund gegen eine PDA ist.



WANN MACHT MAN EINE PDA?

Ihr Frauen bestimmt, wann ihr eine PDA wollt. Es ist sowohl möglich, die PDA zu einem frühen als auch zu einem späten Zeitpunkt noch zu legen. Selbst bei komplett eröffneten Muttermund kann es beim ersten Kind noch sinnvoll sein, eine PDA zu legen.

Ihr könnt beim ersten Kind bis fast ganz zuletzt wählen, ob ihr eine PDA wollt oder nicht.

Die Tatsache, die PDA im Hintergrund zu wissen und sie jederzeit wählen zu können, hat mir bei der Geburt meines Sohnes so viel Sicherheit gegeben, dass ich es schlussendlich ohne PDA geschafft habe.


WIEVIELE FRAUEN GEBÄREN MIT EINER PDA?

Das ist von Spital zu Spital und von Region zu Region sehr unterschiedlich.

Bei uns im Stadtspital gebären ca. 50 Prozent der Frauen mit einer PDA. Wobei die Erstgebärenden Frauen noch häufiger als die Mehrgebärenden eine PDA wählen.

In den Privatspitälern liegt die Rate deutlich höher.

Im Welschland ist ähnlich wie in Frankreich die Rate an PDAs bedeutend höher als in der Deutschschweiz und allgemein im deutschsprachigen Raum, wo noch eher der Wunsch und der Anspruch der Frauen vorhanden ist, die Geburt auf natürliche Weise zu schaffen.

 

MEIN PERSÖNLICHES FAZIT ZUR PDA?

Die PDA ist ein Segen! Aber manchmal auch ein Fluch. Als Hebamme steht man manchmal im Verdacht, nur natürlich gebären zu wollen und alle anderen Hilfsmittel abzulehnen. Aber das trifft weder auf mich noch auf meine Kolleginnen zu, mit denen ich zusammen arbeite.

Es ist ein Segen, dass Frauen dem Schmerz nicht mehr hilflos ausgeliefert sind und aus Mangel an Möglichkeiten bis zur völligen Erschöpfung und Traumatisierung gebären müssen. Ich besitze ein geburtshilfliches Lehrbuch aus dem Jahr 1800. Obwohl noch gar nicht so lange her, ist es erschütternd zu lesen, wie die Geburtshilfe zu der Zeit war, wo es wenig Hilfen zur Schmerzerleichterung gab. Und auch der heute übliche Kaiserschnitt war für die Frauen hochgefährlich.

Aber aufgrund der oben genannten Nachteile bin ich auch nicht dafür, dass eine PDA prinzipiell bei allen Frauen eingesetzt werden sollte. Die Indikation sollte immer der Wunsch der Frau sein.

Ich habe mich mal in einer Klinik als Hebamme beworben. Im Bewerbungsgespräch bin ich gefragt worden, ob es für mich in Ordnung sei, wenn erstgebärende Frauen automatisch mit einer PDA versorgt würden. Das ist für mich eine furchtbare Vorstellung.

Mein Rat ist, es auf sich zukommen zu lassen. Vorbereitet zu sein, so gut es geht, und dann so offen wie möglich in die Geburt zu gehen. Ihr müsst euch nicht vor der Geburt entscheiden, ob ihr mit oder ohne PDA oder die anderen Schmerzmittel gebären wollt. Ihr könnt gerade vor der ersten Geburt nicht wissen, wie ihr mit den Wehen zurecht kommen werdet.

Wenn ihr dann merkt, es geht gut mit den natürlichen Hilfsmitteln, dann ist das großartig. Und viele Frauen gebären ohne oder nur mit wenigen Medikamenten.

Wenn ihr aber merkt, das es für Euch nicht machbar ist, dann wählt die PDA oder eines der anderen medizinischen Hilfsmittel! Es ist Eure Geburt und ihr habt so viele Möglichkeiten.

 

WANN KANN MAN WELCHES MEDIKAMENT NEHMEN UND WER ENTSCHEIDET DAS?

Ihr Frauen dürft jederzeit mitteilen, wenn ihr ein Medikament zur Reduzierung Eurer Schmerzen wünscht.

Wenn Ihr eine besondere Vorstellung habt, also schon wisst, dass ihr eine PDA wünscht, dann könnt ihr das sagen. Ansonsten reicht es aus, zu sagen, dass ihr ein Schmerzmittel möchtet, und wir Hebammen schlagen euch dann das jeweils zur Situation passende Mittel vor.

Niemals bekommt ihr ein Schmerzmittel, ohne dass ihr das ausdrücklich wünscht!

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