Lachgas

Lachgas ist eines der ältesten Narkosemittel. 1799 wurde die medizinische Wirkung entdeckt und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Zahnextraktionen eingesetzt.

Der Name kommt vermutlich daher, dass bei hoher Konzentration eine euphorisierende Wirkung eintritt, die zum Lachen animiert.

Lachgas, wie wir es heute in der Geburtshilfe einsetzen, ist ein Gemisch aus 50 % reinem Sauerstoff und 50 % Lachgas, Distickstoffmonoxid.

 

Durchführung:

In der Praxis funktioniert es bei uns im Spital folgendermaßen: wir fahren den Frauen eine große, rollbare Gasflasche ans Bett. Der Frau wird erklärt, wie sie über eine Maske, die Mund und Nase bedeckt, das Gas ein und wieder ausatmen kann.

Entweder atmen die Frauen kurz vor und während der Wehe oder aber in der Wehenpause das Gas. Das ist individuell verschieden.

 

Wirkung:

Die Wirkung tritt nach wenigen Atemzügen ein. Es wirkt schmerzhemmend und sedierend (beruhigend). Die Wahrnehmung von Geräuschen ist verändert.

Ich war nach Einführung dieser Methode überrascht, wie viele gute Erfahrungen wir damit machen. Die Frauen spüren weiterhin jede Wehe, können häufig aber wieder leichter einen Atemrhythmus finden. Sie werden ruhiger und können sich in der Pause wieder besser entspannen.

 

Mögliche Nebenwirkungen:

Am häufigsten erlebe ich, wenn die Methode für eine Frau nicht funktioniert, dass Frauen mit der Atmung durch die Maske nicht gut klar kommen.

Das Gas kann wie die allermeisten Schmerzmittel Übelkeit verursachen. Auch Kopfschmerzen werden beschrieben, was ich aber noch nie erlebt habe.

 

Vor- und Nachteile:

Ein Vorteil ist, dass es ohne Vorbereitung sofort einsetzbar ist. Es wirkt innerhalb weniger Atemzüge. Will man die Wirkung nicht mehr, weil es Zeit zum Pressen ist, ist der Effekt des Gases innerhalb weniger Minuten abgebaut.

Das Gas hat wenig Nebenwirkungen. Das Kind wird nicht beeinträchtigt.

 

Die Schmerzreduktion kann u.U. nicht ausreichend sein.

Einige Frauen mögen das Atmen durch die Maske nicht.

Der Einsatz des Lachgas ist zeitlich begrenzt und nicht für die Dauer einer ganzen Geburt gedacht.

Wir kontrollieren die Sauerstoffsättigung im Blut, da es theoretisch möglich ist, dass diese durch das Gas sinkt. Da das Gasgemisch aber 50 % Sauerstoff enthält, ist eine Unterversorgung mit Sauerstoff sehr unwahrscheinlich.

Die berauschende Wirkung des Gases ist nicht für alle Frauen angenehm.

 

Mein persönliches Fazit:

Ich bin nach der Wiedereinführung dieser alten und als veraltet angesehenen Methode sehr positiv überrascht von der oft guten Wirkung des Lachgases.

Vor allem am Ende der Eröffnungsphase bis zur Pressphase habe ich schon sehr oft erlebt, dass das Gas Frauen sehr gut geholfen hat.

Inzwischen wird das Gas allerdings nicht mehr in vielen Spitälern angeboten.

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