Häufige Komplikationen und das CTG

WAS SIND DIE HÄUFIGSTEN KOMPLIKATIONEN BEI DER GEBURT?

Die häufigsten Kompliklationen sind:

Auffällige kindliche Herztöne, ein sog. suspektes oder pathologisches CTG oder

• Eine sehr verzögerte Geburt, bis hin zu einem Geburtsstillstand

Mütterliche Blutungen nach der Geburt des Babys

WAS IST EIN ‚SUSPEKTES ODER PATHOLOGISCHES CTG‘?

Das CTG ist die einzige Methode, die uns während der Geburt Aufschluss gibt, wie es dem Baby während der Wehen geht. Diese Methode ist ein grosser Segen, aber auch ein Fluch. Denn sie gibt manchmal uneindeutige Signale.

Es ist sehr leicht und eindeutig zu sehen, wenn es dem Baby gut geht. Das bezeichnen wir als physiologisch. Es ist ganz toll zu gebären, und man weiss, dass es dem Baby gut geht. Das schafft eine wunderbar entspannte Athmosphäre, in der alle Aufmerksamkeit bei der gebärenden Frau ist.

Es ist auch leicht und eindeutig zu sehen, wenn die Herztöne anzeigen, dass ein Kind akuten Stress hat. Das heisst aber noch nicht, dass es dem Kind aktuell dann auch schlecht geht. Kinder haben eine erstaunliche Fähigkeit, Situationen mit knapper Versorgung zu überbrücken. Zeigen aber die Herztöne über mehrere Minuten einen Puls von 60 Schlägen pro Minute an (das entspricht unerer erwachsenen Herzfrequenz), dann muss man die Geburt schnell beenden, weil ein Baby mit dieser langsamen Herzfrequenz nur eine kurze Zeit überbrücken kann.

Eine Herzfrequenz von z.B. 60 oder 80 spm über eine längere Zeit, oder ein häufiger Herztonabfall bezeichnen wir als pathologisch.

Suspekte Herztöne sind der grosse uneindeutige Graubereich. Suspekt meint dann, dass man die Herztöne gut überwachen muss, weil das Kind zum Beispiel immer wieder mal eine kurze Verlangsamung seiner Herzfrequenz hat. Man weiss aus Studien, dass das CTG sehr häufig eine Stresssituation des Kindes anzeigt, die sich aber nicht bestätigt, wenn man das Kind zum Beispiel mit einem Kaiserschnitt holt. Die Rate an sogenannten „falsch positiven CTG-Befunden“ ist recht hoch. Im Zweifelsfall muss man aber eher früher als später aus Rücksicht auf das Baby die Geburt entweder verlangsamen, beschleunigen oder beenden.

Das CTG ist neben seiner guten Wirkung auf die Geburtshilfe auch dafür verantwortlich, dass sicher viele Kaiserschnitte gemacht werden, die sich im Nachhinein als nicht unbedingt nötig erweisen.

Was können Gründe sein, warum die Herztöne des Babys abfallen und was macht man dann?

Vielleicht liegt das Baby plötzlich auf seiner eigenen Nabelschnur, die dadurch komprimiert wird. Deshalb bitten wir euch Frauen, die Position zu wechseln. Oft sind dann schon die Herztöne wieder besser.

Auch eine Nabelschnurumschlingung um den Hals kann ein Problem sein. Muss aber nicht.

Vielleicht liegt der Grund aber auch innerhalb der Plazenta, eine sogenannte Plazentainsuffizienz, so dass die Plazenta unter der Belastung der Geburt nicht mehr optimal funktioniert.

Wichtig!

Auffällige Herztöne sagen immer nur etwas aus über die aktuelle Situation der Versorgung im Moment der Geburt aus. Es bedeutet nicht, dass euer Kind einen Herzfehler oder irgendein anderes Problem mit dem Herzen hat! Nach der Geburt eines Babys ist die Herzfrequenz so gut wie nie ein Problem!

Massnahmen bei auffälligen kindlichen Herztönen

Häufig gibt man 2 ml von einem wehenhemmenden Medikament, Gynipral. Das schwächt oder stoppt die Wehen für kurze Zeit. Dadurch wird die Durchblutung zur Plazenta wieder besser und das Baby kann sich erholen. Als Nebenwirkung macht das Medikament leider bei euch Frauen Herzklopfen und eine Zittrigkeit, die unangenehm, aber nur kurzfristig ist.

Manchmal machen wir die sogenannte Trendelenburglagerung. Da stellen wir das Bett für paar Minuten schräg, so dass euer Kopf tiefer als die Beine liegt. Dadurch fliesst viel Blut aus den Beinen in den Körper und auch das hilft, die Versorgung des Babys zu verbessern.

Eine andere Möglichkeit ist, das Baby bei einer vaginalen Untersuchung wieder ein bisschen höher ins Becken zurückzuschieben. Es rutscht schnell wieder tiefer, aber es lohnt, dem Baby verschiedene Möglichkeiten zu geben, sich zu erholen.

So ziemlich jedes Kind reagiert irgendwann bei einer Geburt mit seinen Herztönen! Und das kann ein gesundes Kind auch ab. Und ein gewisser Geburtsstress bereitet die Kinder auf die Kreislaufumstellung nach der Geburt vor. Kinder nach einem Kaiserschnitt ohne Wehentätigkeit haben viel häufiger Probleme mit der Atmung als Kinder nach einer normalen Geburt. Da dürft Ihr Eurem Kind vertrauen und ihm auch etwas zutrauen!

Es geht darum, zu erkennen, wann der Geburtsstress die Reserven des Kindes angreift.

Und wir beenden heute eher früher als später die Geburten.

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