Häufige Fragen zu Komplikationen

HÄUFIGE FRAGEN ZUM THEMA KOMPLIKATIONEN

 

IST ES SCHLIMM, WENN DAS BABY DIE NABELSCHNUR UM DEN HALS HAT?

Nein, das muss gar nicht schlimm sein. Eigentlich ist das sogar ein guter Ort, weil die Nabelschnur in der Halsbeuge gut vor Kopressionen geschützt ist.

Es wird erst ein Problem, wenn durch die Umschlingung die Nabelschnur so kurz wird, dass sie im Geburtsverlauf beim Tiefertreten des Babys ins Becken auf Zug kommt. Dann kann die Zirkulation zeitweise verschlechtert oder kurzfristig unterbrochen werden. Sollte das dem Kind Probleme machen, hat es immer eine Veränderung der Herztöne im CTG zur Folge. Das heisst wir würden das sehen und könnten je nach Situation reagieren.

KANN MAN VOR DER GEBURT SEHEN, OB DIE NABELSCHNUR UM DEN HALS IST?

Danach schaut man deshalb nicht, weil es keine Aussage zulässt, ob es während der Geburt Komplikationen bedeutet oder nicht. Oft merkt man erst nach der Geburt des Köpfchens, dass die Nabelschnur um den Hals ist. Dann wickeln wir sie ab und das Baby wird komplett geboren. Entscheidend ist das CTG. Wenn es gut ist, ist die Nabelschnur kein Problem. Ist das CTG besorgniserregend, muss man handeln. Unabhängig von der Ursache.

Meine persönliche Erfahrung

Bei meinem Sohn war auch die Nabelschnur um den Hals gewickelt. Das hat über 11 Stunden keine Beschwerden gemacht. Seine Herztöne waren immer gut. Die letzte halbe Stunde, als er schon sehr tief im Becken war, haben seine Herztöne zunehmend stärker mit sogenannten Dezelerationen(Herztonabfall) reagiert. Nach einer halben Stunden hat die Ärztin dann die Geburt mit einer Saugglocke beendet. Mein Sohn musste sich kurz ein wenig erholen, was er aber ohne weitere Hilfe und Unterstützung getan hat. Mir selber ist die Geburt in sehr schöner Erinnerung, obwohl ich mir natürlich lieber ein anderes Ende gewünscht hätte.

KANN MAN VORHER SAGEN, OB ES EINEN KAISERSCHNITT GIBT, WEIL DAS KIND ZU GROSS IST?

Nein, das kann man nicht.

Oftmals staunt man in der Geburtshilfe. Staunt, dass ein grosses 4500 Gramm schweres Kind zügig von einer kleinen Frau geboren wurde.

Und manchmal staunt man, warum ein zartes 3000 Gramm Baby nicht tiefer ins Becken getreten ist.

Es macht auch keinen Sinn bei allen Frauen vor der Geburt eine Beckenmessung mittels eines MRI zu machen. Dann erhält man zwar Werte wie gross die Beckenmasse sind. Aber das gibt nur vermeintlich Aufschluss.

Man weiss nicht, wie gut oder schlecht sich das Köpfchen durch seine offenen Schädelnähte verkleinert und sich dem Becken anpasst,

man weiss nicht, wie günstig oder ungünstig das Baby sein Köpfchen im Becken hält und ausserdem weiss man auch bei einer Ultraschallmessung nicht wirklich sicher, wie gross das Kind wirklich ist. Messungenauigkeiten sind häufig.

Gelegentlich kommen Frauen zu uns, die verunsichert sind, weil ihre Ärzte angeregt haben, über einen Kaiserschnitt nachzudenken.

Ich finde die Geburtshilfe gut, die es probiert. So machen wir es auch bei uns im Spital.

Einen Kaiserschnitt kann man immer noch machen.

Etwas anderes ist diese Beckenmessung bei einer Frau, deren vorangehende Geburt ein Kaiserschnitt war. In dem Fall macht es Sinn, die Beckenmasse zu wissen, das Schätzgewicht des Baby zu betrachten, es mit dem Gewicht des ersten Kindes zu vergleichen und sich dann die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Kaiserschnitts zu überlegen. Bei einer hohen Wahrscheinlichkeit würde man eher zu einem geplanten Kaiserschnitt raten.

BIS WANN KANN MAN EINEN KAISERSCHNITT MACHEN?

Das werde ich oft im Geburtsvorbereitungskurs gefragt. Dahinter steht die Sorge, dass man den Zeitpunkt verpassen kann.

Mann kann immer einen Kaiserschnitt machen. Theoretisch bis kurz vor Geburt des Köpfchens.

Wenn aber die Bedingungen für eine Saugglocken-Geburt gegeben sind, beendet man die Geburt lieber mit einer Saugglocke.

KANN MAN NACH EINEM KAISERSCHNITT NOCHMALS NORMAL GEBÄREN?

Früher lautete die Regel: „Einmal Kaiserschnitt- immer Kaiserschnitt“. Eine normale Geburt nach einem Kaiserschnitt galt als zu gefährlich.

Das hat sich geändert. Heute gebären viele Frauen ihr zweites Kind natürlich, obwohl das erste ein Kaiserschnitt war.

Das besondere ist, dass das Narbengewebe des Kaiserschnitts nicht die gleiche Festigkeit hat, wie eine normale, unoperierte Gebärmutter. Bei einer normalen Geburt nach einem Kaiserschnitt besteht also eine leicht erhöhte Gefahr, dass dieses Narbengewebe während der Geburt aufreisst. Eine sogenannte Uterusruptur. Das kann eine Notfallsituation für Mutter und Kind bedeuten.

Da das Risiko mit einer Wahrscheinlichkeit von 2 von 1000 Geburten sehr gering ist, kann man eine Geburt versuchen. In jedem Fall sollte es aber ein ausführliches Vorgespräch einige Wochen vor dem errechneten Termin geben.

Dort sollte genau besprochen werden, warum die erste Geburt ein Kaiserschnitt war.

War es, weil das Kind sich falsch ins Becken gedreht hat und ausserdem 4800 Gramm gewogen hat? Wenn bei der jetzigen Schwangerschaft das Kind kleiner geschätzt wird, wird man es eher versuchen als wäre das zweite Kind grösser geschätzt und hätte es schon beim ersten Kind mit Verdacht auf ein Kopf-Becken-Missverhältnis einen Kaiserschnitt gegeben.

Wenn die Chancen für eine normale Geburt gut stehen, wird man wahrscheinlich eine normale Geburt mit Euch anstreben. Wenn Ihr das möchtet.

Bei einem Geburtsstillstand wird man aber sehr viel früher und grosszügiger erneut einen Kaiserschnitt machen, um das Narbengewebe nicht lange zu belasten.

KANN MAN NACH EINEM KAISERSCHNITT EINE NORMALE GEBURT EINLEITEN?

Sehr ungern leitet man nach einem Kaiserschnitt eine Geburt mit Medikamenten ein. Man will vermeiden, dass die Gebärmutter durch die Medikamente überstimuliert wird.

Das im Einleitungskapitel beschiebene [Misoprostol] wird nach einem Kaiserschnitt nicht benutzt, da man aus Studien weiss, dass es darunter häufiger zu einer Uterusruptur kommt. Muss man zwingend einleiten, nimmt man Prostaglandine E2. Die Einleitungen dauern meistens etwas länger. Und häufiger macht man wegen erfolglosem Einleitungsversuch einen Kaiserschnitt.

WAS SIND ‚STERNENGUCKER‘?

Normalerweise drehen die Babys sich während des Geburtsvorgangs so, dass ihr Rücken entweder rechts oder links unter der Bauchdecke der Frau zu tasten ist. Wird das Köpfchen geboren während die Frau im Bett liegt oder sitzt, schaut das Baby nach unten.

Bei einem „Sternengucker“ hat das Baby sich um 180 Grad fehl eingestellt. Der Rücken zeigt zur müterlichen Wirbelsäule. Unter der Bauchdecke tastet man die Händchen und Füsschen des Babys. Wird der Kopf geboren, würde das Baby nach oben, zur Decke oder eben „zu den Sternen“ schauen.

Sternengucker passen sich nicht so gut dem mütterlichen Becken an. Diese Haltung braucht mehr Platz, der bei der Geburt aber ein rares Gut ist. Deshalb verlaufen die Geburten häufiger länger. Und häufiger müssen sie mit einer Saugglocke oder einem Kaiserschnitt beendet werden, weil es nicht mehr weiter geht. Die Diagnose lautet dann „Geburtsstillstand bei kindlicher Fehleinstellung“.

Immer wieder werden Kinder aber auch so geboren. Das sieht ganz lustig aus.

Oder aber die Kinder drehen sich noch während des Geburtsverlaufs. Wir versuchen das zu erreichen, in dem wir mit den Frauen besonders viel „Turnen“, d.h. die Positionen wechseln.

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