Dinge, die Man(n) nicht sehen will

Diese Frage solltet ihr Euch aufrichtig stellen und vielleicht auch mit Eurer Frau besprechen. Nur, weil Ihr als Männer bei der Geburt dabei seid, müsst ihr ja nicht in jeder Sekunde immer im Raum sein.

Ihr habt immer die Möglichkeit, aus dem Zimmer zu gehen. Nehmt euch Pausen, geht an die frische Luft, ruft eine vertraute Person an. Oder raucht heimlich eine Zigarette.

Vielleicht ist es irritierend für Euch, wenn wir Eure Frau vaginal untersuchen, einen Einlauf machen, die Blase katheterisieren oder die PDA im Rücken gelegt wird.

Ich erlebe viele Männer, die stoisch bei allem dabei sind, und es scheint gut für sie zu sein.

Andere Männer gehen bei diesen Situationen kurz raus oder widmen sich einer Zeitung o.ä.

Jüdisch-orthodoxe Männer wollen aus religiösen Gründen kein Blut sehen und sind sehr geschickt im Vermeiden solcher Situationen. Trotzdem kommen sie immer mit zur Geburt.

Apropos Juden: Bei den Juden, die bei uns recht häufig gebären, ist es Tradition, dass neben dem Mann immer auch eine Doula mit zur Geburt kommt. Der Mann ist für die moralische Unterstüzung zuständig und betet sehr viel. Die Doula ist eine erfahrene Frau und ist für alles praktische, körperliche und tatkräftige verantwortlich. Das funktioniert auch ganz gut!

Mehr zu →Doulas.

Irgendwann kommt der Moment der Geburt. Es ist ein wahnsinniges „Naturschauspiel“, wenn die Schamlippen sich zum ersten Mal von alleine öffnen und das Köpfchen sichtbar wird. Wenn dann der Kopf nach und nach geboren wird und schliesslich aus der Scheide guckt.

Als Hebamme liebe ich das! Aber Ihr?

Es gibt Männer, die vor Begeisterung überwältigt sind und andere, die mit diesen Bildern überfordert sind. Ich weiss nicht, wie hoch der Anteil der Männer ist, die damit Mühe haben und denen das vielleicht auch Probleme mit der Sexualität macht. Es sind sicher wenige, aber es gibt sie bestimmt.

Manchmal äussern auch Frauen in meinen Kursen die Sorge, dass der Mann sie nach der Geburt sexuell weniger attraktiv findet.

Nach der Geburt untersuchen wir, ob es eine Verletzung der Scheide oder des Damms gegeben hat. Allenfalls wird das sofort versorgt. Als Mann die Wunderversorgung von Geburtsverletzungen im Detail zu verfolgen ist etwas, was ich Euch nicht unbedingt empfehlen würde.

Bleibt mit Eurer Aufmerksamkeit lieber bei Eurer Frau und dem Baby!

Aber auch da gibt es einige Männer, die ganz unerschrocken und interessiert zuschauen…

Furchtbar spannend und gar nicht eklig, wie Männer sich das vielleicht vorstellen, ist die Plazenta. Wir untersuchen die Plazenta nach jeder Geburt ganz genau auf ihre Vollständigkeit.

Gerne erklären wir Euch Aufbau und Funktion der Plazenta, des Mutterkuchens. So unscheinbar die Plazenta aussieht, so gross ist ihre Leistung während der Schwangerschaft gewesen.

Sprecht vor der Geburt über eure individuellen Grenzen!

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