Die Saugglocke

Gründe für eine Saugglocke sind:

• Die Herztöne des Babys

• Ein Geburtsstillstand

Pressunvermögen der Mutter durch z.B. eine PDA

Die Bedingungen für die Geburtsbeendigung mit einem Saugglocke, auch Vakuum-Extraktion genannt, sind:

• der Muttermund muss vollständig auf 10 cm eröffnet und

• der Kopf muss tief im Becken sein

Wenn das erfüllt ist, macht man immer eine Saugglocke anstelle eines Kaiserschnitts. Es geht schneller als der Kaiserschnitt und hat weniger Risiken.

Durchführung:

Das Gebärbett wird umgebaut, so dass es ähnlich aussieht, wie ein gynäkologischer Stuhl. Das gibt der Ärztin/dem Arzt mehr Bewegungsfreiheit.

In der Wehenpause wird die sogenannte Glocke in die Scheide eingeführt und dem Baby auf das Köpfchen gelegt. Es wird ein Vakuum aufgebaut, so dass die Glocke am Kopf hält.

Während der nächsten Wehe muss die Frau kräftig schieben/pressen. Wie bei einer normalen Geburt. Zeitgleich zieht die Ärztin/der Arzt an der Glocke. Durch den Druck von oben und dem Zug von unten wird die Geburt meistens mit 1-3, selten mehr als 5 Wehen beendet.

Nachdem das Köpfchen geboren ist, wird die Glocke entfernt. Das Köpfchen ist wie bei jeder Geburt stark verformt und hat zusätzlich den Negativabdruck der Glocke auf dem Kopf. Das sieht sehr merkwürdig für euch Eltern aus. Nicht erschrecken! Schon nach einer halben Stunde hat sich der Wulst auf dem Köpfchen geglättet.

Komplikationen

Komplikationen sind sehr selten im Vergleich zum 18. Jahrhundert, wo diese Methode entwickelt wurde. Dort hat man Kinder vom Beckeneingang durch das ganze Becken, mit Dutzenden Zügen an der Glocke entbunden, da der Kaiserschnitt nocht keine Routinelösung wie heute war. Hirnblutungen und Schädelfrakturen wie damals beschrieben habe ich noch nie erlebt oder davon gehört.

Inzwischen schneidet man auch nicht mehr routinemässig einen Dammschnitt.

Was macht man als Mann bei einer Saugglockengeburt?

Euer Platz ist weiterhin an der Seite Eurer Frau. Am besten neben dem Kopfteil des Bettes. Das Personal wird Euch sagen, wo ein guter Platz für Euch ist, wo Ihr nicht im Weg seid und Eure Frau untertützen könnt. Für Euch ist die Situation sicherlich verwirrend. Gelegentlich ist erst im nachhinein Zeit für Erklärungen.

Es wird mehr Personal im Zimmer sein. Bei einer normalen Geburt sind eine Hebamme und eine Ärztin oder ein Arzt anwesend. Bei einer Saugglocke sind es fast immer 2 Ärzte und oft auch 2 Hebammen.

Dazu kommt, dass das Bett umgebaut wird und mehr Material für die Geburt benötigt wird.

Wenn Euch die Situation überfordert, könnt Ihr auch vor der Tür warten!

Was ist eine Zangengeburt?

Die Zange ist ein anderes geburtshilfiches Instrument, was ebenfalls im 18. Jahrhundert entwickelt worden ist. Bei Einsatz der Zange werden 2 Metalllöffel in die Scheide eingeführt, die das Köpchen umfassen. Die Ärztin/der Arzt zieht wehensynchron, während die Frau zeitgleich mit presst.

Die Zange kommt immer weniger zum Einsatz, weil das Risiko von Verletzung bei Mutter und Kind höher ist. Bei uns im Spital wird die Zange gar nicht mehr benutzt und die Ärzte lernen den Umgang auch nicht mehr. In der Westschweiz dagegen hat die Zange noch eine etwas grössere Bedeutung.

VERÖFFENTLICHEN SIE EINEN KOMMENTAR