Das EpiNo-Gerät

Dammvorbereitung mit dem EpiNo-Gerät

Das EpiNo-Gerät ist von einem deutschen Gynäkologen entwickelt worden, der in Afrika beobachtet hat, wie sich Frauen mit Kalebassen-Kürbissen den Damm in der Schwangerschaft dehnen und so Verletzungen während der Geburt vorbeugen oder zumindest reduzieren.

 

 

Durchführung

Der blaue Ballon ist „der Kürbis“. Man führt ihn bis zur Hälfte in die Scheide ein, verschliesst das Ventil und pumpt den Ballon ein bisschen auf, bis man eine Dehnung spürt. Zum Einführen braucht es ein Gleitgel! Ein Öl reicht nicht aus.

 

Ihr trainiert Eure Muskulatur, indem Ihr den Ballon mit eurer Beckenbodenmuskulatur sanft zusammendrückt. Vor der Geburt geht es aber vor allem darum, den Beckenboden zu dehnen. Deshalb empfehle ich Euch die Atemübung wie bei der Dammmassage bereits beschrieben:

Einatmung durch die Nase, den Ballon leicht mit der Beckenbodenmuskulatur zusammendrücken, gedanklich bis 4 zählen.

Ausatmung durch den Mund, hörbar auf „sch“, „pffff“ , „aaaa“, oder einen anderen Laut ausatmen, die Beckenbodenmuskulatur entspannen. Den Ballon also nicht zusammendrücken, sondern den Ballon das Gewebe dehnen lassen.

Nach 10 Minuten lasst Ihr den Ballon aus eurer Scheide herausgleiten. Das simuliert die Geburt des Köpfchens.

 

 

Wann mit dem EpiNo Training beginnen?

Da das Training mit dem EpiNo Gerät den Damm stärker dehnt als die Massage, sollt ihr erst ab 3 Wochen vor dem errechneten Termin mit dem EpiNo beginnen.

Ab 37+0 SSW, am besten jeden Tag und 10- 15 Minuten. Ihr werdet feststellen, dass Ihr den Ballon jeden Tag ein bisschen mehr aufpumpen könnt, so dass der Ballon mit der Zeit annähernd so gross wird wie das Köpfchen bei der Geburt. Das erklärt, dass Damm- und Scheidenrisse bei der Geburt sehr viel seltener sind.

Ich empfehle das Heublumensitzbad vorweg wie bei der Dammmassage.

 

 

Meine persönliche Erfahrung mit dem EpiNo

Als Hebamme lag mir die Dammmassage ursprünglich näher als das EpiNo Gerät. 5 Wochen vor der Geburt habe ich mit der Dammmassage begonnen. Ich bin allerdings gar nicht gut damit zurecht gekommen. Mir war das sehr unangenehm und ich konnte mich nicht überwinden, dass regelmässig zu machen.

 

Ab 37+0 SSW habe ich dann begonnen täglich 10-15 Minuten mit dem EpiNo zu trainieren. Und das war viel eher meine Methode. Ich fand es sehr eindrücklich, wie schnell mein Damm elastischer geworden ist. Und ich habe die tägliche halbe Stunde (inklusive Heublumensitzbad) genutzt und genossen, um mich auch mental auf die Geburt vorzubereiten.

Ich habe die oben beschriebene Atmung gemacht, ich habe mir überlegt, woran ich denken will bei der Geburt, ich habe das Loslassen der Beckenbodenmuskulatur geübt…

 

Mein Sohn ist dann einen Tag nach dem errechneten Termin auf die Welt gekommen. Obwohl man die Geburt am Ende mit einer Saugglocke beenden musste, ist mein Damm intakt geblieben. Aufgrund dieser persönlichen Erfahrung, empfehle ich das EpiNo Gerät.

 

 

Kritische Stimmen gegen das EpiNo

Das EpiNo Gerät spaltet ein wenig die Expertenschar. Es gibt viele Hebammen, die dieses Gerät nicht empfehlen. Vor meiner Schwangerschaft war ich auch so ein bisschen ratlos und skeptisch, was ich davon halten soll. Der Preis für dieses Gerät nimmt einen auch nicht gerade positiv ein…

 

Wenn Ihr googelt, werdet Ihr ein paar Kritiken finden, die mich aber wirklich gar nicht überzeugen: es wird oft dem Training mit dem EpiNo entgegnet, dass bei der Geburt eine andere Hormonlage herrscht als beim Training in der Schwangerschaft. Und das der Körper von Natur aus fürs Gebären gemacht ist.

Beidem stimme ich zu. Trotzdem ist meine 12-jährige Erfahrung in der Geburtshilfe, dass der Damm häufig unvorbereitet verletzt wird. Davor schützen auch die Hormone bei der Geburt nicht zuverlässig.

 

Vor jeder sportlichen Herausforderung trainiert man seinen Körper, dehnt die Muskulatur und bereitet seinen Körper langsam darauf vor. Genauso verstehe ich das mit dem EpiNo. Mich überzeugt viel mehr, den Beckenboden langsam zu dehnen und ihm bei der Geburt nur noch eine kleine Steigerung zuzumuten.

Mir erscheint es logischer, die Muskulatur über 3-4 Wochen langsam zu dehnen und die Wahrscheinlichkeit von grösseren Verletzungen zu reduzieren.

 

Auch die Sorge, dass man den Beckenboden überdehnen kann, teile ich nicht, wenn man das Gerät wie beschrieben benutzt. Ich habe zwar auch schon von Frauen gehört, die sich damit in der Schwangerschaft einen Dammriss zugezogen haben, aber das liegt dann mehr an der Anwenderin als an der Methode.

 

 

Ist das EpiNo eine Garantie gegen einen Dammriss?
Nein, das auf keinen Fall! Aber es reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Dammriss oder Dammschnitts erheblich!

Es kann aber natürlich sein, dass Euer Kind mit seinen Herztönen gestresst reagiert, so dass man die Geburt am Ende beschleunigen will und einen Dammschnitt macht oder aber, dass man die Geburt mit einem Kaiserschnitt beenden muss. Dann kann man aber das EpiNo immerhin noch zur Rückbildung benutzen!

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