Stillen

STILLEN ODER NICHT STILLEN?

 

Wenn ihr stillen wollt und könnt, dann stillt!

Und wenn ihr nicht wollt oder könnt, dann stillt nicht!

Ich bin in den 70er Jahren geboren und bin selber nicht gestillt worden. Das war damals nicht so verbreitet und wurde weder besonders gefördert noch unterstützt. In den letzten Jahren ist das Stillen in den Spitälern und von Hebammen Zuhause dagegen sehr gefördert worden. Vielleicht sogar zu sehr. Ich kenne viele Frauen, die unsere eigentlich gut gemeinte Stillförderung als Zwang empfunden haben. Die das Gefühl hatten, sie wären eine Rabenmutter, wenn sie nicht stillen. So soll das ja nicht sein.

Stillen kann wunderschön sein. Ich selber habe eine schöne und mit über 2 Jahren auch  eine sehr lange Stillzeit mit meinem Sohn  erlebt, die wir beide sehr genossen haben. Bis heute kuschelt er sich gerne an meine Brust und fühlt sich dort geborgen.

Aber stillen kann auch kompliziert, schmerzhaft und mühsam sein.  Oder man kann es einfach so nicht wollen. Und dann gibt es heute gute Kindernahrung, mit der man sein Kind füttern kann.

GUTE GRÜNDE FÜR DAS STILLEN

• Das Stillen kann man nur mit seinen Kindern in einer sehr kurzen Lebensphase erleben. Das kann eine wunderschöne, verbindende Erfahrung sein, die die Bindung zwischen Mutter und Kind weit über die Stillzeit hinaus fördern kann. Aber nicht muss! Es kann sogar der Beziehung hinderlich sein, wenn man nur aus Zwang stillt.

• Es kann eine Frau mit Stolz erfüllen, ihr Baby gestillt zu haben; es kann die eigene weibliche Wahrnehmung positiv beeinflussen und evtl. mit dem eigenen Körper versöhnen. Aber auch das gilt selbstverständlich nicht für alle Frauen. Es gilt die individuell passende Lösung zu finden.

• Die Zusammensetzung der Milch passt sich den Bedürfnissen der Kinder an.

• Die Muttermilch enthält Antikörper gegen eine Vielzahl an Infektionskrankheiten, wie Darm- und Atemwegsinfektionen, Mittelohrentzündungen, weshalb gestillte Kinder weniger häufig erkranken.

• Stillen senkt statistisch das Risiko der Kinder, an Allergien und Diabetes  zu erkranken. Gestillte Kinder haben seltener im späteren Leben Übergewicht.

• Stillen fördert die Rückbildung.

Stillen verbraucht ca. 500 Kalorien/Tag, viele Frauen nehmen dadurch schneller ab. (Eine Minderheit an Frauen nimmt aber dabei zu, weil ihnen dasStillen so viel Appetit macht. Der Vollständigkeit halber sei das erwähnt.)

• Stillen ist billig, zumindest kostet die Muttermilch nichts.

• Stillen ist praktisch, man hat die Milch immer dabei, immer in der richtigen Temperatur und Menge

• Man muss die Milch nicht einkaufen, nicht zubereiten und nichts abwaschen.

• Bei Frauen, die gestillt haben, sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

GUTE GRÜNDE GEGEN DAS STILLEN

• Grund genug ist, wenn ihr Frauen nicht stillen wollt. Ohne Angabe  von Gründen.

• Stillen ist am Anfang häufig mühsam zu erlernen.

• Es gibt eine Reihe an Komplikationen, wie wunde und schmerzhafte Brustwarzen, zuviel oder zuwenig Milch, Brustentzündungen etc. Diese Komplikationen können sehr belastend sein und es kann die Beziehung zwischen Mutter und Kind negativ beeinträchtigen.

• Frauen sind durch das Stillen zeitlich und räumlich gebunden.

• Nahrungseinschränkungen wie der Verzicht auf Alkohol, viel Kaffee und schwarzen Tee bleiben bestehen.

• Es ist keine Arbeitsteilung zwischen den Eltern möglich. Das nächtliche Stillen kann anstrengend für die Frauen sein.

• Der Vater hat es am Anfang schwerer, eine gleich enge Beziehung zum Baby aufzubauen, solange es noch gestillt wird. Oder anders gesagt: Für den Vater ist es eine sehr schöne Erfahrung, wenn er als Bezugsperson gleichwertig ist wie die Mutter.

• Als Eltern hat man weniger Kontrolle, wie viel das Kind an der Brust getrunken hat.

• Stillen in der Öffentlichkeit kann für einige Frauen sehr unangenehm sein. Leider gibt es immer wieder Mütter, die dabei irritierte oder ablehnende Blicke ernten oder (kaum zu glauben, aber wahr) aus Restaurants verwiesen werden.

• Eine  Geburt und die Umstellung auf den Alltag mit dem Neugeborenen brauchen viel Energie. Wenn dann noch Stillprobleme hinzukommen, bringt das viele Frauen an die Grenze ihrer Kräfte.

Unabhängig wie viele gute Gründe für oder gegen das Stillen sprechen: es muss sich für euch richtig anfühlen, was ihr tut. Mutter und Kind sind nach der Geburt weiter eine Einheit. Das Wohl des Babys hängt entscheidend vom Wohl der Mutter ab.

 

WIE KANN MAN SICH AUF DAS STILLEN VORBEREITEN?

Früher wurde den Frauen empfohlen, die Brustwarzen in der Schwangerschaft abzuhärten: dazu sollten sich Frauen, Löcher in den BH schneiden, damit der Stoff reibt, Zitronenhälften sollten die Haut gerben oder  „Schrubben“ mit einer Wurzelbürste sollte „Hornhaut“ erzeugen.

Das empfehlen wir alles nicht mehr.

Die wichtigste Vorbereitung ist, Ahnung vom Stillen zu haben!

Stillen ist weniger intuitiv als man meint. Häufig meint man es gut, aber entscheidet aus dem Bauch heraus etwas falsches.

Gut gemeint und falsch gemacht ist auch beim Stillen keine gute Strategie.

Ein Test

• Darf ein Baby gestillt werden, wenn die Mutter Fieber hat?  Antwort: (ja)

• Welche Tees reduzieren die Milchmenge? Antwort: (Pfefferminz- und Salbeitee)

• Was ist das effektivste, um die Milchmenge zu steigern? Antwort: (mehr Stillen)

• Soll man bei wunden Brustwarzen seltener, häufiger oder gleich häufig stillen? Antwort: (häufiger, aber kürzer)

• Macht man kühlende Quarkwickel vor oder nach dem Stillen? Antwort: (nach dem Stillen.)

• Soll die betroffene Brust bei einer Brustdrüsenentzündung gestillt oder geschont werden? Antwort: (unbedingt gestillt, sonst droht ein Abszess)

Ganz sicher braucht es beim Stillen eine grosse Portion Geduld und Durchhaltewillen. Es dauert ca. 4 Wochen, bis sich alles, d.h. Milchmenge, Milchfluss, Mutter und Kind aufeinander eingespielt haben.

 

ZUM VERSTÄNDNIS: ANATOMIE UND HORMONE

 

ANATOMIE

Es gibt in der Brust 3 verschiedene Gewebearten: Drüsen-, Fett- und Bindegewebe

Die Muttermilch wird vom Drüsengewebe produziert.

Die meisten Frauen haben zwischen 10-20 Drüsensegmente in der Brust. Die Anzahl der Drüsensegmente sind unabhängig von der Grösse der Brust! Eine kleine Brust kann gleich viel, weniger oder mehr Drüsensegmente enthalten als eine grössere Brust.

Die Milch wird in traubenartigen kleinen Milchbläschen gebildet, den Alveolen. Aussen an den Alveolen sitzen kleine Muskeln. Die ziehen sich unter Hormoneinfluss zusammen und pumpen die Milch aus den Alveolen heraus. Von dort fliesst die Milch über feine Kanäle in die Hauptmilchgänge, die unterhalb der Brustwarze in die Milchausführungsgänge münden.

Wenn man einen Tropfen Milch ausstreicht, sieht man  wie die Milch aus vielen kleinen Milchausführungsgängen (je nach Frau 4-18) aus der Brustwarze austritt.

Fettgewebe und Bindegewebe sind für die Grösse der Brust verantwortlich. Eine grosse Brust ist besser mit Fettgewebe gepolstert als eine kleine Brust.

Die Grösse der Brust sagt nichts über die Menge an Muttermilch aus.

Das Bindegewebe stützt die Brust.

 

HORMONE

In der Schwangerschaft wird die Brust durch die Schwangerschaftshormone Östrogen, Progesteron, HPL und andere auf das Stillen vorbereitet. Das Drüsengewebe, die Alveolen, reifen unter den Hormonen aus, die Milchgänge verbreitern sich, die Durchblutung der Brust nimmt stark zu. Die Venen sieht man unter der Haut bläulich durchschimmern.  Viele Frauen spüren diese typische Spannung der Brust schon bevor sie wissen, dass sie schwanger sind. Die Brust wird deutlich grösser. Fett- und Bindegewebe werden verdrängt. Die Grössenzunahme ist nicht von Dauer, worüber man traurig oder auch nicht sein kann. Nach dem Abstillen verkleinert sich die Brust wieder auf ihre ursprüngliche Grösse. Tendenziell beschreiben viele Frauen, dass ihre Brust etwas kleiner und weicher geworden ist, was sich durch die Verdrängung des Binde- und Fettgewebes erklären lässt.

PROLAKTIN- ODER MILCHBILDERREFLEX

Das Prolaktin sorgt für die Milchbildung. Schon in der Hälfte der Schwangerschaft, wird die Vormilch, Kolostrum, gebildet. Jedoch nur in kleinen Mengen.

Die Schwangerschaftshormone unterdrücken die Wirkung des Prolaktins, so dass nicht unnötig viel Milch in der Schwangerschaft produziert wird.

Erst wenn die Hormone nach der Geburt der Plazenta abgebaut werden und das Baby häufig und kräftig an der Brust trinkt, steigt die Menge an Prolaktin und die Produktion der Muttermilch läuft an.

Jedes Mal, wenn das Baby mit der richtigen Technik an der Brust trinkt, werden Hormone im Gehirn der Mutter freigesetzt und zur Brust zurückgeschickt.

Das Prolaktin bewirkt die Milchbildung in den Alveolen. Während einer Stillmahlzeit  an beiden Brüsten verdoppelt sich der Prolaktinspiegel im mütterlichen Blut.

Diese hormonell gesteuerte Milchbildung nennt man Milchbildungs- oder Prolaktinreflex.

Je mehr Prolaktin gebildet wird, desto mehr Milch produziert die Brust. Siehe auch →Marktwirtschaft an der Brust – dieNachfrage regelt das Angebot

 

OXYTOCIN- ODER MILCHSPENDEREFLEX

Egal wie kräftig das Baby saugen würde, es bekäme nur eine kleine Menge Milch aus der Brust heraus. Die Kraft würde nicht ausreichen, die Milch aus den entfernten kleinen Alveolen zu ziehen.

Die Brust pumpt dem Baby die Milch in den Mund! Wenn das Baby mit der richtigen Technik an der Brust saugt, wird neben dem Prolaktin für die Milchbildung auch das Hormon Oxytocin freigesetzt.

Das bringt die Muskelzellen um die Alveolen zum kontrahieren. Die Milch wird aus den Alveolen heraus Richtung Baby gepumpt.

Bedingung ist aber, dass das Baby mit der richtigen Technik saugt.

Oxytocin ist übrigens bei der Geburt dafür verantwortlich, dass die Gebärmutter kräftige Geburtswehen macht.

Und das Oxytocin wirkt auch in den ersten Tagen noch auf die Gebärmutter. Es fördert die Nachwehen und beschleunigt deshalb die Rückbildung der Gebärmutter. Beim ersten Kind spürt man das kaum, beim zweiten Kind kann das schon sehr unangenehm sein. Leider werden die Nachwehen beim Stillen bei jedem weiteren Kind unangenehmer.  Im Spital bekommen gesunde Frauen immer Dafalgan 4 x täglich 1 Gramm (Wirkstoff Paracetamol) bis zu maximal 4 Gramm am Tag in Reserve verordnet. Zusätzlich noch 3 x täglich Irfen 600 mg (Wirkstoff Ibuprofen). Diese Medikamente gelten als stillverträglich. Im Einzelfall müsst ihr mit eurem Arzt Rücksprache halten.

 

STRESS REDUZIERT DIE MILCH!

Sowohl der Milchbildungs- als auch der Milchspendereflex sind störanfällig. Stresshormone wie z.B. Adrenalin bewirken eine Gefässverengung, wodurch sich die Milchbildung reduzieren bzw. die Milch erschwert fliessen kann.

Direkter, nackter Hautkontakt mit dem Baby, Ruhe, ein Stillritual am gleichen Ort, mit der gleichen Musik, dem gleichen Getränk etc. helfen, die gestörten Reflexe wieder zu trainieren.

Mütter, die von ihren Kindern aufgrund eines Aufenthaltes auf der Kinderabteilung  im Spital getrennt sind und Milch abpumpen müssen, haben manchmal Probleme mit diesen Reflexen. Fotos oder Videosequenzen vom Baby, Babykleider, die nach dem Kind riechen etc. helfen, die Reflexe besser auszulösen.

Bisweilen funktioniert der Milchspenderflex auch zu gut: manchmal reicht es schon aus, an das Baby zu denken und dann schiessen die Hormone hin und her und plötzlich läuft einem die Milch aus der Brust. Je nachdem wo das passiert, ist das nicht so angenehm. Deshalb ist es für den Anfang gut, Stilleinlagen im BH zu tragen.

Mit der Zeit spielen die Reflexe sich ein.

DIE GRUNDLAGEN

 

WIEVIELE MONATE LANG SOLLTE MAN STILLEN?

Die Weltgesundheitsbehörde, WHO, empfiehlt 6 Monate ausschliesslich zu stillen. Sie empfiehlt ausserdem, 2 Jahre begleitend zu stillen.

Die WHO macht diese Empfehlung aber weltweit, also auch oder gerade wegen Ländern, in denen sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist und Stillen für Neugeborene deshalb überlebenswichtig sein kann. In westlichen Industrieländern empfehlen Kinderärzte die schrittweise Einführung von Breinahrung ab 4 Monaten. Ab dem Zeitpunkt ist der Darm so weit ausgereift, um Nahrung zu verstoffwechseln. Einige Kinder interessieren sich schon früh fürs Essen,  andere auch nach 6 Monaten noch gar nicht.

 

WIE OFT AM TAG STILLT MAN?

Heute empfielt man, das Baby nach dessen Bedarf zu stillen und nicht strikt nach der Uhr.

Die meisten Babys pendeln sich irgendwann auf einen 3-stündlichen Rhythmus ein von dem Baby aber abweichen darf.

Am Anfang scheint der Alltag aus Stillen und wickeln zu bestehen. Wenn ein Kind nach 1-2 Stunden schon wieder gestillt werden will, ist das ebenso gut wie erst nach 4 oder 5 Stunden. Tagsüber wird ein gestilltes Kind aber selten länger als 3-4 Stunden ohne Stillmahlzeit auskommen. In der ersten Zeit kann es sein, dass ihr 10-12 mal am Tag stillt.

Später wird es sich bei den meisten auf  8 Mahlzeiten einspielen.

Meine Freundin Barbara, selber Mutter von 4 Kindern mit zum Teil leidvoller Stillerfahrung hat diesen Text gegengelesen und angemerkt, dass einige Kinder aber Mühe haben einen Rhythmus zu finden und eine gewisse Regelmässigkeit für die Mütter entlastend ist, weil sie so zwischen den Mahlzeiten wieder etwas freier sind und nicht als einzige Nahrungsquelle ständig verfügbar sein müssen. Das Wohl der Mütter sollte beim Stillen nie vergessen werden, hat sie betont. Und da hat sie sehr recht.

Mein eigener Sohn hatte auch mal eine Phase, in der er alle 2 Stunden gestillt werden wollte. Das war belastend. Und hat letztlich nur einen Tag gebraucht, um ihn zu längeren Stillmahlzeiten zu animieren und die Pausen zu verlängern. Im gewissen Rahmen können Mutter und Kind einen Deal finden, der für beide passt.


WIE LANGE DAUERT EINE STILLMAHLZEIT?

Pro Brust ca. 15 Minuten. Am Anfang dauert es eher noch etwas länger, weil die Babys noch nicht so kräftig sind und die Milch noch nicht so schnell fliesst.

Eine Stillmahlzeit dauert also mindestens 30 Minuten. In den ersten Wochen eher 45 Minuten, dafür geht es später schneller.


SOLL ICH EINE ODER BEIDE BRÜSTE STILLEN?

In den ersten Tagen und Wochen ist es gut und nötig, beide Seiten zu stillen, weil so mehr Hormon Prolaktin ausgeschüttet wird, was für die Milchproduktion verantwortlich ist. Wenn ihr beide Seiten stillt, wird mehr Milch gebildet.

Vielleicht reicht es irgendwann einmal, nur eine Seite zu stillen. Das werdet ihr im Verlauf merken. Die meisten Frauen stillen jeweils beide Seiten.


WARUM SOLL ICH DIE BRÜSTE IMMER WECHSELN?

Wenn ihr morgens mit der linken Seite anfangt und als zweite Seite rechts stillt, stillt ihr am Vormittag zuerst die rechte und erst dann die linke Seite.

Wieso ist der Wechsel wichtig?

Damit beide Brüste gleich viel Milch produzieren!

Bei der ersten Brust ist das Baby noch ganz gierig und hungrig und saugt sehr stark.  Die erste Seite wird beim Stillen so besonders gut stimuliert und produziert viel Milch.

Bei der zweiten Seite saugt das Baby weniger stark. Es trinkt noch den Rest als Dessert bis es ganz gesättigt ist. Dann kuschelt und geniesst es noch. Die Hormonausschüttung des Prolaktins ist etwas geringer.

Wenn ihr regelmässig die Seiten wechselt, produzieren beide Brüste ungefähr gleich viel Milch. Ansonsten habtIhr eine Brust, die viel und eine, die irgendwann deutlich weniger Milch produziert.

Der andere Grund ist, dass die Belastung der Brustwarzen durch das anfänglich hungrige, gierige Saugen besser auf beide Seiten verteilt wird. Ein Wechsel der Seiten schont so Eure Brustwarzen.

Auf Eure Brustwarzen müsst ihr gut achtgeben! Ohne die geht nichts beim Stillen und von denen hat man nur zwei!


WIE IST DIE RICHTIGE TECHNIK BEIM STILLEN?

Die richtige Technik beim Ansetzen des Babys ist extrem wichtig.

Ihr müsst Euch am Anfang Eurer Elternschaft noch nicht mit vielen Erziehungsfragen herumplagen, aber bei der Ansetztechnik müsst Ihr doch ziemlich strikt auf die Einhaltung folgender Regeln beharren:

• Das Baby muss seinen Mund weit aufmachen

• Es muss die ganze Brustwarze und den Warzenhof umfassen

• Die Lippen sind nach aussen geschürzt. Wie ein Fischmund.

• Die Zunge ist unter der Brustwarze und streicht die Milch mit „melkenden“ Bewegungen aus

Einschub: Warum das Baby genauso saugen muss

Wenn das Kind auf diese Weise saugt, streicht es mit der Zunge über viele Rezeptoren entlang der Brustwarze.
So werden die Hormone Prolaktin und Oxytocin freigesetzt. Das Prolaktin sorgt für die Milchbildung, das Oxytocin für den Milchfluss.
Trinkt das Kind korrekt, wird also viel Milch gebildet und die Milch fliesst gut.
Trinkt das Kind falsch – hat nur die Brustwarze im Mund – werden die Rezeptoren nicht optimal stimuliert. Es werden viel weniger Hormone ausgeschüttet. Dadurch wird weniger Milch gebildet und der Milchfluss ist erheblich schlechter. Zudem werden die empfindlichen Brustwarzen in kurzer Zeit zwischen den Kiefernleisten wund gerieben.
Bei  korrekter Stilltechnik sind die Brustwarzen in der Mundhöhle des Babys und werden nicht gereizt.
Aber auch Ihr Mütter müsst einiges beachten, damit es gut funktioniert:

 • Ihr müsst Euer Kind so lagern, dass es direkt mit dem Mund vor eurer Brustwarze liegt. Es liegt auf der Seite, Bauch an Bauch mit euch. Es soll sein Köpfchen nicht drehen, strecken oder beugen müssen.

• Als Merksatz gilt: „Ohr-Schulter-Hüfte sind eine Linie.“ Um zu verstehen warum, versucht einmal zu schlucken, wenn ihr nach oben, nach unten oder zu einer Seite schaut- deshalb!

• Benutzt so viele Kissen wie es braucht, damit Ihr und das Baby bequem sitzt. Das ist wichtig, da das Kind sonst von der Brust abrutscht und plötzlich nur noch die Spitze der Brustwarze im Mund hat.

• Zudem bekommt Ihr Verspannungen, wenn ihr stundenlang jeden Tag  in unbequemer Haltung stillt. Stillen muss so angenehm und bequem wie möglich sein, sonst ist es reine Pflicht und das fühlt sich nicht gut an.

• Nehmt das Köpfchen des Babys in eine Hand, so dass Ihr es führen könnt. Mit der anderen Hand formt ihr eure Brustwarze, so dass das Kind sie besser fassen kann. Dabei ein Stück hinter der Brustwarze anfassen, sonst kann das Kind nur die Spitze der Brustwarze greifen.

• Am besten streicht Ihr einen Tropfen Milch aus, so dass das Baby die Milch riecht und schmeckt. Dann klappt das Ansetzen besser.

• Streicht mit der Brustwarze über die Lippen des Babys. Das stimuliert das Kind, den Mund zu öffnen. Und dann- schwupps -zieht Ihr das Kind beherzt an die Brust. Wenn es nur die Spitze der Brustwarze zwischen den Kiefernleisten hat, müsst ihr es nochmal versuchen. Dazu öffnet Ihr dem Baby den Mund: ihr schiebt Euren kleinen Finger zwischen die Kiefer und „hebelt“ den Mund auf.

• Das Ansetzen kann in den ersten Tagen wegen der empfindlichen Brustwarzen schmerzhaft sein. 10 Sekunden nach dem Ansetzen sollte der Schmerz aber abklingen. Nach einigen Tagen ist das Ansetzen nicht mehr schmerzhaft.

Probiert es so lange, bis das Kind korrekt an der Brust ist.

Stillen lernen ist für Mutter und Kind vergleichbar mit Tanzen lernen. Am Anfang ist es holperig und man tritt sich gegenseitig auf die Füsse. Aber irgendwann geht es leicht, fliessend und wie von selbst.

Viele Frauen sind erstaunt und frustriert darüber, weil sie von den Schwierigkeiten noch nichts gehört haben.

Es braucht ein bisschen Motivation und Durchhaltewillen, um über die ersten Tage hinweg zu kommen.

 

STILLPOSITIONEN

 

DER KLASSIKER: DER WIEGEGRIFF

Die klassische Stillposition ist der Wiegegriff. Sie ist die häufigste und naheliegendste Position. Das Baby liegt im Arm der Mutter, das Köpfchen ruht in der Ellenbeuge.

Gerade am Anfang solltet ihr Frauen es euch so bequem wie möglich machen und Kissen, Decken o.ä.  zur Unterstützung des Arms benutzen.

Wie bei allen Positionen gelten die gleichen Regeln:

Bauch-an-Bauch

Ohr-Schulter-Hüfte des Babys bilden eine Linie

• Der Mund ist direkt vor der Brustwarze

• Das Kind muss die ganze Brustwarze und den Warzenhof umfassen…

 Es gibt aber gerade in den ersten Tagen und Wochen Gründe, auch in so exotisch aussehenden Positionen wie dem Rückhaltegriff zu stillen.


RÜCKHALTEGRIFF

Beim Rückhaltegriff liegt das Köpfchen vor der Brust, der Körper liegt nicht vor eurem Bauch, sondern an Eurer Seite. Das Kind liegt seitlich unter Eurem Arm.

Auch hier liegt das Baby Euch zugewandt „Bauch-an-Rippe“, damit es sich nicht verdrehen muss. Daraus ergibt sich dann automatisch, dass Ohr, Schulter und Hüfte eine Linie bilden.

Das Baby sollte auch hier wieder gut mit Kissen gestützt sein.

Warum und wann sollt Ihr in dieser Position stillen?

• Wenn Ihr merkt, dass sich viel Milch im äusseren Quadranten der Brust gestaut hat, ist diese Position hilfreich. Denn immer dort, wo der Unterkiefer des Babys „melkt“, wird besonders viel Milch getrunken. Das ist beim Rückhaltegriff der äussere Teil der Brust.

• Ein anderer Grund im Rückhaltegriff zu stillen ist, um die Brustwarzen zu schonen. Um zu verhindern, dass sie wund werden oder aber um eine bereits wunde Brustwarze zu entlasten.

• Die Brustwarze wird immer an der Stelle besonders belastet, wo der Unterkiefer des Babys ist. Wird immer in der Wiegepostion gestillt, so ist die Belastung immer an derselben Stelle, vor allem an der Innenseite der Brustwarze.

Zwillingsmütter stillen häufig beide Kinder gleichzeitig im Rückhaltegriff.


STILLEN SEITLICH LIEGEND

Diese Position ist vor allem nachts, aber auch in den ersten Tagen nach der Geburt empfehlenswert. Besonders wenn der Beckenboden und Damm durch einen Dammriss oder Schnitt verletzt ist, solltet ihr langes Sitzen vermeiden und besser im Liegen stillen.

Durchführung

Mutter und Kind liegen beide auf der Seite, so dass wieder gilt „Bauch-an-Bauch“. Das Baby liegt mit seinem Mund direkt vor der Brustwarze. So muss es sein Köpfchen weder strecken noch beugen oder drehen. Zur Kontrolle schaut, ob Ohr-Schulter-Hüfte eine Linie bilden.

Das Kind liegt flach auf der Matratze. Euer Kopf ist auf einem Kissen gelagert. Vermeidet, den Arm auf der Hand abzustützen, weil das schnell Verspannungen macht. Benutzt lieber zwei Kissen, um besser sehen zu können.

Wenn das Baby angedockt hat, könnt Ihr ihm eine Handtuchrolle, ein Kissen o.ä. hinter den Rücken legen, so dass es nicht auf den Rücken zurück dreht.

Und so könnt Ihr nachts wunderbar stillen und dabei weiter schlafen.

Wenn Ihr die Seite wecheln wollt, legt Euch das Baby auf die Brust, haltet es fest und dreht auf die andere Seite.


STILLEN FLACH AUF DEM RÜCKEN LIEGEND

Das sieht zunächst ungemütlich aus, ist es aber gar nicht. Für Frauen nach einem Kaiserschnitt sind seitliche Drehungen oder gebeugtes Sitzen oft noch schmerzhaft und diese Position ist deshalb sehr geeignet.

Das Baby liegt dann quer über und auf Eurer Brust.

Mein Sohn hat etwas über 2 Jahre gestillt und das war unsere morgendliche Kuschelstillposition.

Indikation für diese Position:

Bei einer zu starken Milchproduktion schiesst die Milch den Kindern manchmal mit so viel Druck in den Mund, dass sie sich verschlucken und nicht gut trinken können. Neben anderen Massnahmen, die hier beschrieben werden, ist diese Position hilfreich, weil der Milchfluss gegen die Schwerkraft geschieht und die Kinder die Milchmenge besser bewältigen können.

 

IN DER ERSTEN WOCHE

 

STILLEN IN DEN ERSTEN TAGEN

Innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt sind die meisten Babys sehr wach und haben ein starkes Saugbedürfnis. Schön, wenn das Kind dann bereits gestillt wird. Nach 2 Stunden schlafen die Kleinen meistens ein und sind von all der Aufregung total erschöpft.

Innerhalb der ersten 24 Stunden ist es gut, dem Baby immer wenn es wach ist, die Brust  anzubieten. Wenn es trinken mag, ist es gut, wenn nicht, dann nicht. Viele Kinder spucken und würgen am ersten Tag Fruchtwasser, womit ihr kleiner Magen gefüllt ist. Schon deshalb haben sie kein Interesse, häufig an die Brust zu gehen.

Nach 24 Stunden ist das Fruchtwasser meistens kein Problem mehr, die meisten Kinder entwickeln grossen Appetit. Hier gilt Stillen nach Bedarf. Wenn es möchte, darf das Baby nach 1,2,3 oder 4 Stunden an die Brust.

Einige Kinder sind aber immer noch sehr schläfrig. Damit sie nicht übermässig stark abnehmen, darf man sie nach 3-5 Stunden ruhig mal an die Brust bitten.

Vor allem Kinder, die sehr gelb sind, also eine ausgeprägtere Neugeborenengelbsucht haben, sind sehr müde, brauchen aber umso dringender die Kalorien. In dem Fall gilt das Stillen nach Bedarf nicht. Auch wenn die Kinder mehr als 10 % ihres Geburtsgewichts abnehmen, wird man sie zum 3 stündlichen Rhythmus animieren.


BEKOMMEN DIE KINDER KEINE ZUSATZNAHRUNG BIS ZUM MILCHEINSCHUSS?

Nein, normalerweise nicht. Die vorhandene Milch, das Kolostrum, reicht aus.

Ausnahmen machen wir bei Kindern von Frauen mit Schwangerschafts- oder einem manifesten Diabetes. Diese Kinder sind höhere Blutzucker gewohnt und bekommen übergangsweise zusätzlich zur Muttermilch Nahrung, um nicht plötzlich nach der Geburt in einen Unterzucker zu rutschen.

Frühgeborenen Kindern und Kinder, die Zeichen von Geburtsstress haben, gibt man ebenfalls zunächst Glucoselösung (Zuckerwasser) und dann zusätzlich zum Stillen  Ersatzmilch.


HABE ICH ÜBERHAUPT SCHON MILCH?

Das fragen eigentlich alle Frauen nach der Geburt, wenn man ihnen hilft, das Baby zum ersten Mal anzusetzen.

Ja, habt ihr bestimmt. Aber nur ganz wenig. Würde man alles auspumpen oder ausstreichen, könnte man einen Löffel füllen. Das reicht aber auch schon, denn der Magen der Neugeborenen ist am Tag der Geburt so klein wie eine kleine Glasmurmel. Bislang ist nur Fruchtwasser durch den Magen gegangen.

Das die Kinder nach der Geburt saugen wollen, ist mehr ein Reflex als Ausdruck von Hunger.

Zum Vergleich: nach drei Tagen ist der Magen so gross wie eine grosse Glasmurmel und am 10. Tag bereits so gross wie ein Tischtennisball.


DIE MILCH DER ERSTEN TAGE, DAS 'KOLOSTRUM'

Die erste Milch, die Vormilch, heisst Kolostrum. Alle Säugetiere produzieren Kolostrum. Es wird bereits ab der Hälfte der Schwangerschaft gebildet. Viele Frauen können schon in der Schwangerschaft einige Tropfen davon ausstreichen. Die Farbe ist orange-gelblich. Die Konsistenz ist aufgrund des hohen Eiweissgehaltes dickflüssiger als die spätere Muttermilch.

Kolostrum wird passend zur Grösse des Magens in nur kleinen Mengen produziert und ist voll mit Antikörpern, auch Immunglobulinen genannt. Kühe produzieren Antikörper speziell um ihre Kälbchen zu schützen und Menschen haben Antikörper gegen ihre Erkrankungen.

Das ist ein Vorteil, den die industrielle Milch nicht zu bieten hat. Das soll den Müttern, die sich gegen das Stillen entscheiden aber kein schlechtes Gewissen machen.

Das Kolostrum wird in den ersten Tagen produziert. Dann ändert sich die Zusammensetzung, die Mengen werden grösser und prozentual nehmen die Antikörper ab, was aber durch die steigende Menge der Milch ausgeglichen wird. 


DER MILCHEINSCHUSS

Um den dritten Tag herum kommt es zum Milcheinschuss. Eigentlich soll man ihn ja jetzt laut Lehrbuch „initiale Brustdrüsenschwellung“ nennen, aber das tut niemand. Milcheinschuss klingt auch mehr danach wie es sich anfühlt! Knallvoll, zum bersten gespannte Brüste.

Aber initiale Brustdrüsenschwellung beschreibt eigentlich besser, was in der Brust passiert.

Ab dem dritten Tag wird zwar deutlich mehr Milch produziert, die Brust schwillt aber vor allem durch eine verstärkte Durchblutung und eine Schwellung der Venen und Lymphbahnen an und nicht, weil das Drüsengewebe so viel Milch enthält.

Gelegentlich ist die Schwellung so stark, dass die Brust so prall ist, dass die Brustwarzen für das Baby kaum mehr zu fassen sind. Durch den Austritt von Eiweiss ins Gewebe, bekommen einige Frauen Fieber mit moderater Temperatur, das sogenannte „Milchfieber“.

Was kann man machen?

Warme Wickel vor dem Stillen und…

• …eine Brustmassage erleichtern den Milchfluss und machen das Brustgewebe etwas weicher und damit für das Kind besser greifbar

Häufigeres Stillen lindert den Milcheinschuss!

Kühle Wickel und / oder Weisskohlblätter im BH nach dem Stillen

Geduld, gute Nerven und eine liebevolle Unterstützung durch das Umfeld

Gerade der letzte Punkt ist ganz wichtig. Denn häufig haben Frauen am dritten Tag nicht nur mit dem Milcheinschuss, sondern auch mit dem Babyblues zu tun. Sie sind erschöpft und sensibel, die Hormone wirbeln durch die Venen und dann kommt auch noch der Milcheinschuss.

Meistens ist der Spuk nach einem Tag schon wieder vorbei und die Milchproduktion und das Gewicht des Babys nehmen kontinuierlich zu.


WIEVIEL MILCH PRODUZIERT DIE BRUST?

Wenn es gut läuft, dann produziert die Brust so viel wie das Baby braucht.

Also ist vielmehr die Frage, wie gross der Trinkbedarf des Babys ist.

Und den kann man ungefähr so berechnen:

(Lebenstag -1 ) x 60 ml:6= Menge pro Mahlzeit.

(Lebenstag -1) x 60 ml= Tagestrinkmenge

Das bedeutet, dass ein Neugeborenes am 3. Lebenstag 20 ml pro Mahlzeit trinkt und 120 ml  am ganzen Tag.

Am 11. Lebenstag trinkt es dann 600 ml am Tag und 100 ml pro Mahlzeit, wenn man einen 4-stündigen Rhythmus annimmt.

Die Berechnung geht auf den Berliner Kinderarzt H. Finckelstein zurück, der 1942 verstorben ist.  Heute gilt aber, Füttern  und Stillen nach Bedarf des Kindes und nicht mehr nach der Uhr. Ein gestilltes Neugeborenes wird mehr als nur 6 Mahlzeiten am Tag brauchen. Umso kleiner dürfen die einzelnen Portionen sein.

Diese Formel kann helfen, sich selber den Druck zu nehmen, schon von Anfang an grosse Mengen Milch produzieren zu müssen.

Für den ersten Lebenstag ergibt diese Formel übrigens einen Bedarf von 0! Und es geht bei einem gesunden Neugeborenen am Termin auch mehr um das Befriedigen des Saugreflexes als um die Aufnahme grosser Milchmengen. Viele Kinder erbrechen am ersten Tag noch häufig Fruchtwasser, sind sehr schläfrig und ausser direkt nach der Geburt noch nicht so am Stillen interessiert. Das ändert sich dann ab dem 2.Tag.

Ab dem 11. Lebenstag – der Magen ist dann nicht mehr so klein wie eine Glasmurmel, sondern so gross wie ein Tischtennisball – trinkt das Kind ca.

1/6 seines Körpergewichts= 600 ml bei 3600 kg.

Dieses Verhältnis von 1/6 des Körpergewichts behält das Kind bis zum 4. Lebensmonat. Dann reduziert sich das Verhältnis auf 1/7 des Körpergewichts.


MARKTWIRTSCHAFT AN DER BRUST - DIE NACHFRAGE REGELT DAS ANGEBOT

Das ist die wichtigste Erkenntnis, die ich in meinen Geburtsvorbereitungskursen versuche, beim Thema Stillen zu vermitteln. Neben der Wichtigkeit der richtigen Stilltechnik, um wunden Brustwarzen vorzubeugen.

Je mehr Ihr stillt, desto mehr Milch wird gebildet!

Und im Umkehrschluss gilt:

Je weniger Ihr stillt, desto weniger Milch wird gebildet!

Anstelle von Stillen, kann man auch pumpen. Das hat denselben Effekt.

Mehr pumpen, mehr Milch!  Wenig pumpen, wenig Milch.

Klingt einfach, ist es auch.

Wird aber häufig trotzdem nicht richtig umgesetzt.

Theoretisch könnte eine stillende Frau als Amme noch ein weiteres Kind ernähren, eine Zwillingsmutter produziert auch Milch für 2 Kinder. Die Brüste „wissen“ wieviel Milch sie produzieren müssen, je nachdem wieviel Signal sie zum produzieren bekommen. Und das Signal sind die Hormone, die beim Stillen ausgeschüttet werden.

Wenn §uer Baby also mehr Milch benötigt, ist die erste und wichtigste Massnahme, es mehr zu stillen.

Wenn das Baby anfängt, Brei zu essen, trinkt es weniger an der Brust und in der Folge wird weniger Milch gebildet.


INSPEKTION AN DER BRUST

Am Anfang verändert die Brust sich stark. Die Brust vergrössert sich, der Milcheinschuss ist besonders extrem, aber auch danach verändert die Brust sich täglich. Vor dem Stillen ist die Brust schwer und voll, nach dem Stillen kleiner und leichter.

Es ist gut, die Brust vor allem am  Anfang regelmässig überall kurz abzutasten. So merkt man schnell, wo sich besonders viel Milch staut und kann die Stillpositionen anpassen.


WAS BRAUCHE ICH FÜR MATERIAL?

Stillen an sich  kostet zwar nichts, aber ein bisschen Material braucht es schon.

Stilleinlagen aus Zellstoff oder Wolle/Seide. Gerade in den ersten Wochen ist der Milchspendereflex oft überschiessend. Die Milch läuft gelegentlich schon, wenn man nur an sein Kind denkt. Da sind Stilleinlagen hilfreich, um nicht immer gleich ein nasses Hemd zu haben.

Still-Bhs. Sie sollten von guter Qualität sein und dürfen keine Körbchen enthalten.

Still-Shirts. Stillshirts sind eine clevere Erfindung, die Stillen in der Öffentlichkeit erlauben, ohne dass man zuviel Haut zeigen muss.

Manuelle Milchpumpe, → Flasche und → Sauger. Eine elektrische Pumpe braucht es nur bei ausgeprägten Schwierigkeiten. Meistens macht es Sinn, eine elektrische Pumpe zu leihen.

Stillkissen. Zu denen habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Viele Frauen schwören auf die Kissen und lieben sie schon in der Schwangerschaft, um nachts eine bequeme Schlafposition zu finden. Bei anderen werden sie noch von den Kindern zum spielen und kuscheln benutzt. Ich selber konnte mich nie so richtig damit anfreunden und habe meines selten benutzt. Die Menschheit stillt schon sehr viel länger als es Stillkissen gibt. Es geht auch ohne. Aber selbstverständlich auch mit.

Brustwarzensalbe, wie z.B. Purelan 100 auf Wollfettbasis.

 

VIELE FRAGEN ZUM STILLEN

 

WOHER WEISS ICH, DASS DAS BABY HUNGER HAT?

Wenn es schreit und strampelt, hat es wahrscheinlich schon ziemlich doll Hunger.

Ihr werdet mit der Zeit lernen die Hungerzeichen Eures Kindes zu erkennen.

Die meisten Kinder sind, bevor sie anfangen vor Hunger zu weinen, sehr unruhig. Sie schmatzen viel, strecken ihre Zunge raus, führen ihre Fäustchen zum Mund, saugen an den Händen und strampeln.

In den ersten Wochen haben sie noch sehr ausgeprägt den Suchreflex. Wenn Ihr dem hungrigen Baby über die linke Wange streicht, wird es sein Köpfchen nach links drehen auf der Suche nach der Brust. Wenn Ihr ihm dann rechts die Wange streicht, dreht es das Köpfchen zu dieser Seite. Wenn es dagegen satt ist, funktioniert das nicht.

Deshalb ist auch gut, das Baby nicht zu sehr im Gesicht zu streicheln, wenn Ihr Mühe habt, es an die Brust zu bringen. Das lieb und beruhigend gemeinte Streicheln kann das Baby in dem Moment irritieren. Aber wenn es mal richtig an der Brust ist, dann könnt Ihr streicheln und kuscheln so viel Ihr wollt.


WOHER WEISS ICH, DASS DAS BABY GENUG MILCH BEKOMMT?

Diese Frage beschäftigt und verunsichert viele Frauen. Wenn man einen Schoppen gibt, sieht man immer, wieviel das Kind getrunken hat. Das ist beim Stillen bisschen schwieriger.

Früher hat man die Kinder häufig vor und nach dem Stillen gewogen. Die Differenz war dann die Stillmenge. Aber das macht man nicht mehr, da das die Frauen so sehr unter Druck gesetzt hat, dass man eher das Gegenteil erreicht hat.

Zeichen effektiven Stillens

Wenn Ihr stillt und Euer Kind beobachtet, dann sind folgende Faktoren wichtig

• Die Saugbewegungen sollten bis zum Ohr zu sehen sein. Nicht nur ein oberflächliches Nuckeln.

• Alle paar Saugbewegungen solltet ihr das Kind die angesammelte Milch schlucken hören.

• Gelegentlich sieht man Milch in den Mundwinkeln des Babys.

• Ein sattes, kleines Neugeborenes schläft häufig nach dem Stillen ein und ist wie in einem „Milchkoma“. 

Bei ausreichender Milchmenge…

…hat das Kind ca. 5 nasse Windeln am Tag

…hat das Kind Phasen am Tag, in denen es wach und zufrieden wirkt

…nimmt das Kund ab dem 4. Lebenstag nicht weiter ab, sondern ab dann wieder zu.

…hat das Kind spätestens am 14. Lebenstag sein Geburtsgewicht wieder erreicht.

Die meisten Kinder nehmen in den ersten Lebensmonaten wöchentlich 100-200 Gramm zu. Hier findet man viele verschiedene Angaben. Lasst euch davon nicht irritieren.  Betrachtet nicht nur die Werte alleine, sondern im Zusammenhang mit den anderen Zeichen. Wenn ein Kind mal weniger zunimmt, es ihm aber ansonsten gut geht, es gut aussscheidet und regelmässig und gut trinkt, dann macht euch nicht wegen der Einhaltung von Normwerten verrückt.

Solche Werte sind immer nur Anhaltspunkte. Mein Sohn hat in den ersten Wochen 400 Gramm pro Woche zugenommen. Also viel mehr als diese Richtwerte vorgeben. Nach ein paar Wochen hat er seine Perzentilenkurve gefunden. Er ist bis heute eher klein, kräftig  gebaut und hat Normalgewicht für sein Alter.


TUT STILLEN WEH?

Jein.

Eigentlich nicht.

In den ersten Tagen müssen die Brustwarzen sich erst an diese ungewohnte Belastung gewöhnen und reagieren auch bei richtiger Ansetztechnik zum Teil gereizt.

Typisch ist vor allem in den ersten Tagen ein „Ansetzschmerz“: viele Frauen ziehen die Luft vor Schmerz ein, wenn sie das Baby ansetzen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als nähme man sich eine Kneifzange an die Brust. Aber wenn ihr gedanklich bis 10 zählt, sollte der Schmerz abgeklungen sein. Sonst stimmt wahrscheinlich mit der Ansetztechnik etwas nicht und ihr müsst es nochmal versuchen. Nach paar Tagen haben sich die Brustwarzen an das Stillen gewöhnt und mit der Zeit tut es überhaupt nicht mehr weh.

Sollte irgendwann während der Stillzeit plötzlich ein stechender, brennender Schmerz auftreten, der sowohl an den Brustwarzen als auch innerhalb der Brust auftritt, kann es ein Soor sein, eine Pilzerkrankung. 


WIE DIE BRUST PFLEGEN?

Nach dem Stillen empfehlen wir, die Brust so zu belassen wie sie ist. Weder den Speichel des Babys noch die Milchreste abwischen. Am besten noch einen Tropfen Muttermilch ausstreichen und auf der Brustwarze verteilen. Der Milchzucker und die im Speichel enthaltenden Immunglobuline, die Antikörper, wirken pflegend.

Die Brust muss nicht speziell gereinigt und schon gar nicht desinfiziert werden.

Eine ganz normale Körperpflege reicht aus.

Als gute Cremes zur Behandlung der Brustwarzen gelten Lanolinsalben.

Lanolinsalben werden auf der Basis von Wollfett von Schafen gewonnen. Wollfett hat die Eigenschaft, ein Vielfaches seines Eigengewichts an Wasser aufzunehmen. Es schützt die Haut vor Austrocknung, hält sie geschmeidig und wirkt wundheilend.

Solltet ihr wunde Warzen haben, hilft es, Verschorfungen vorzubeugen oder zu behandeln. Lanolin muss nicht vor dem Stillen abgewischt werden.

Es ist ganz wichtig, die Haut schnell wieder intakt zu bekommen, da Wunden in der Haut immer eine Eintrittspforte für Keime sind. Und durch wunde Brustwarzen können Keime in die Brust eindringen und eine Brustdrüsenentzündung, eine Mastitis, auslösen.

Bei sehr wunden Brustwarzen ist es gut, wenn ihr Eure Hebamme oder eine Stillberaterin hinzuzieht. Es ist wichtig, die Ursache herauszufinden. Verschiedene Hebammen haben verschiedene Erfahrungen gemacht, was bei wunden Brustwarzen hilft.

Die Lanolinsalbe Purelan 100 von Medela könnt ihr in Apotheken oder bei mir kaufen, ebenso die →Hydrogelpads zur Behandlung  von schmerzhaften und wunden Brustwarzen.


WIE STILLE ICH AM BESTEN NACHTS?

Am besten seitlich liegend (siehe Stillpositionen). Ich bin ein grosser Freund des Beistellbettchens „Babybay“. Da schläft das Kind geschützt in seinem eigenen Bett, ist aber trotzdem so nah, als wäre es im Elternbett. Zum stillen kann man es zu sich heranziehen, seitlich liegend stillen und sofort weiter schlafen.

Ich empfehle Euch, von Eurem Verhalten von Anfang an einen deutlichen Unterschied zwischen Tag und Nacht klar zu machen. In der Nacht bleibt es möglichst dunkel und es wird leise gesprochen und wenig Programm gemacht. Gewickelt wird nur, wenn es nötig ist.


WAS BEDEUTET 'SAUGVERWIRRUNG'? UND: 'NUGGI', JA ODER NEIN?

Saugverwirrung meint, dass Neugeborene, wenn sie mit verschiedenen Saugmustern konfrontiert werden, dadurch irritiert werden können.

Das Saugmuster an einer Milchflasche ist ein anderes als an der Brust.

Das Saugmuster an einem Nuggi ist wieder anders.

Zur besseren Vorstellung:

Trinken an der Brust ist so eine ähnliche Bewegung mit der Zunge als wollte man einen umgedrehten Löffel voll Nutella ausschlecken.

Trinken an der Milchflasche ist eher so als würde man an einem Strohhalm trinken.

Saugen an der Brust ist vor allem am Anfang, wenn die Brust noch nicht so viel Milch produziert und der Milchspendereflex noch nicht so eingespielt ist, viel mühsamer und mit Anstrengung verbunden als bei einer Flasche mit grossem Saugerloch.

Deshalb ist die Empfehlung, in den ersten Wochen, wenn möglich, ausschliesslich die Trinktechnik an der Brust zu üben, um das Baby nicht zu irritieren.

Selbstkritische Anmerkung

Ich denke, bei dem Thema „Saugverwirrung“ ist bei der Stillförderung der letzten Jahre ein bisschen übertrieben worden und hat dazu beigetragen, dass Frauen sich unter Druck gesetzt gefühlt haben.

Ich weiss von Frauen, die dem Kind heimlich einen Schnuller ins Spital geschmuggelt haben, weil sie das, wegen der Saugverwirrung besorgte Personal, nicht fragen wollten.

Soweit ich das beurteilen kann, hat da aber inzwischen wieder ein Umdenken zugunsten einer pragmatischeren Sichtweise stattgefunden.

Ich persönlich denke, dass es gut ist, nicht allen Neugeborenen einen Nuggi zu geben, nur weil sie damit so niedlich aussehen oder weil man gerade einen geschenkt bekommen hat. Ich befürworte auch sehr, dass es nicht mehr die vielen Werbegeschenke auf den Wochenbettabteilungen gibt, in denen eben Schnuller, Ersatznahrung und Tees an die Eltern abgegeben wurden.

Es gibt aber Neugeborene, die haben ein so ausgeprägtes Saugbedürfnis, dass sie untröstlich und furchtbar unruhig sind, wenn sie nicht ständig saugen können.

In den Fällen finde ich es eine unnötige Belastung für alle Beteiligte, dem Kind keinen Nuggi zu geben.

Aber es ist sicher richtig, differenziert zu schauen.

Mein ‚militantes‘ Brustkind

Persönlich habe ich meinem Sohn die ersten Wochen nichts anderes als die Brust angeboten. Nach paar Wochen wollte sein Vater ihm dann einen Schoppen mit abgepumpter Muttermilch geben, während ich beim Rückbildungskurs war, aber den hat er standhaft an diesem und allen anderen Abenden verweigert.

Bekäme ich nochmal ein Kind, würde ich nachdem das Stillen einige Wochen etabliert ist, gelegentlich den Schoppen geben, um solche Situationen zu vermeiden und ein bisschen unabhängiger zu sein.


BRAUCHT DAS BABY WASSER ODER TEE, WENN ES HEISS IST?

Nein, eigentlich nicht.

Muttermilch besteht zu 87% aus Wasser. Es liefert dem Kind also genügend Flüssigkeit und wirkt durstlöschend.

Im Normalfall muss man seinem Säugling in den ersten 6 Monaten keine weitere Flüssigkeiten geben. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.


MUSS EIN GESTILLTES KIND EINEN 'GÖRPS' ODER EIN 'BÄUERCHEN' MACHEN?

Nein, müssen gestillte Kinder nicht zwingend. Ich habe meinen Sohn nie nach dem Stillen aufrecht gehalten, damit er die Luft wieder aufstossen konnte. Gestillte Kinder schlucken weniger Luft als flaschenernährte Kinder. Ihr werdet merken, ob es eurem Kind gut tut.

Wenn Euer Kind unter Bauchkrämpfen, Koliken, leidet, ist es einen Versuch wert, während oder nach dem Stillen das Baby über die Schulter zu legen und auf den erlösenden Görps zu warten. Kommt der nach paar Minuten nicht, muss man es nicht weiter versuchen.

Kinder, die eine ausgeprägte Refluxsymptomatik haben, d.h. sie erbrechen grosse Mengen an Nahrung wieder, sollen die Luft aus dem Magen entweichen lassen können, bevor man sie hinlegt.

Alternativ kann man das Baby auch noch aufrecht auf den Schoss setzen, es leicht nach vorne neigen und ihm den Rücken klopfen.

Andere Kinder liegen gerne bäuchlings auf dem Schoss der Eltern und bekommen den Rücken massiert.


WARUM HABE ICH BEIM ZWEITEN KIND MEHR NACHWEHEN BEIM STILLEN?

Beim Stillen wird Oxytocin freigesetzt. Das bewirkt den Milchspendereflex. Kleine Muskelzellen um die milchbildenden Alveolen des Drüsengewebes kontrahieren, d.h. ziehen sich zusammen und pumpen die Milch so nach vorne zum Kind.

Oxytocin ist aber auch das Hormon, was bei der Geburt Wehen macht. Wenn beim Stillen Oxytocin ausgeschüttet wird, wirkt es ebenfalls an den Rezeptoren der Gebärmutter, die sich daraufhin ebenfalls zusammenzieht. Erstgebärende Frauen spüren diese Nachwehen selten schmerzhaft.

Frauen, die zwei oder mehr Kinder geboren haben, leiden zum Teil unter starken Nachwehen. Es braucht mehr Kraft, die Gebärmutter ein weiteres mal zurückzubilden.

Im Spital werden routinemässig die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol verschrieben, die stillverträglich sind. Medikamente müssen aber immer in Rücksprache mit eurem Arzt eingenommen werden.

 

ERNÄHRUNG IN DER STILLZEIT

 

DIE GUTE NACHRICHT

Die gute Nachricht ist, alle Nahrungseinschränkungen der Schwangerschaft fallen in der Stillzeit weg.

Man muss nicht mehr Listerien, Toxoplasmen und all die anderen “Biester“ fürchten, die in der Schwangerschaft dem Kind gefährlich werden könnten.

Ihr dürft also wieder Rohmilchprodukte, Sushi, Tatar, Carpaccio und all die feinen Dingen essen!


DIE SCHLECHTE NACHRCHT - THEMA ALKOHOL

Die schlechte Nachricht ist, dass die Einschränkung mit dem Alkohol bleibt bestehen bleibt.

Alkohol geht im gleichen Maß in die Muttermilch wie ins Blut. Die Babys nehmen über die Muttermilch den Alkohol auf, können ihn aber aufgrund ihrer noch unreifen Leber nicht im gleichen Maß abbauen wie wir Erwachsenen. Alkohol ist ein Nervengift und deshalb schädlich für die Babys.


WAS MACHE ICH, WENN ICH DOCH MAL ALKOHOL TRINKEN MÖCHTE?

Am besten stillt man das Baby nochmal, bevor man ausgeht oder die Flasche Wein entkorkt.

Nach ca. 1 Stunde ist der Alkohlspiegel in der Milch erreicht, nach ungefähr 2 Stunden startet die Leber mit dem Abbau.

Die Abbaugeschwindigkeit beträgt je nach Mensch verschieden 0,1-0,2 Promille pro Stunde.

Ein 0,2 l Glas Bier erzeugt einen Alkoholspiegel von ca. 0,2 Promille.

Das heisst, nach 3-4 Stunden ist ein 0,2 l Glas Bier abgebaut.

Für ein 0,2 l Glas Wein mit ca. 0,4 Promille müsst ihr ungefähr 6 Stunden berechnen.

Je nachdem wie groß Eure Party werden soll, haltet Ihr diese ungefähren Zeiten bis zum erneuten Stillen ein. Am besten streicht oder pumpt Ihr Milch mit der Handpumpe ab und füttert sie mit dem Schoppenfläschchen. Es kann sein, dass Euer Kind von Euch Müttern kein Fläschchen akzeptiert und die Brust einfordert. Aber selbst vom Vater nehmen einige Kinder keinen Schoppen.

Damit der arme Vater nicht eine Nacht Geschreie hat, habt Ihr das am besten vorher schon mal ausprobiert.

Abpumpen oder Ausstreichen kann man entweder direkt im Anschluss an eine Stillmahlzeit oder man wartet eine Stunde und pumpt dann. So bekommt man über den Tag verteilt ein bis zwei Mahlzeiten für das Baby zusammen. Die Milch kann von einem Tag zusammengekippt und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Muttermilch hält sich im Kühlschrank bei 4° Grad laut Literaturangaben 3-5 Tage. Das heisst, man kann schon Tage vorher beginnen, einen Milchvorrat anzulegen, im Kühlschrank aufzubewahren oder im Gefrierfach tiefzugefrieren.


UND WAS IST MIT KAFFEE?

Kaffee, schwarzer und grüner Tee und andere anregende Getränke wie Cola, Red Bull etc. gehen ebenso in die Milch und sollten nur in Maßen getrunken werden. Bei Kaffee empfiehlt man nicht mehr als 3 Tassen am Tag und nicht mehr am Abend, da das Kind sonst unruhig ist.


SOLLTE MAN BESTIMMTE LEBENSMITEL MEIDEN?

Es gibt je nach Kultur ganz unterschiedliche Empfehlungen und Verbote, was in der Stillzeit gegessen werden sollte und was nicht.

Bei uns gibt es die Empfehlungen, auf stark blähende Speisen, wie Kohl, Zwiebeln, Erbsen, Linsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte zu verzichten, da sie Koliken beim Kind verschlimmern könnten.

Vor stark säuernden Lebensmitteln, wie Zitrusfrüchten, Tomaten, Erdbeeren oder sehr scharfen Speisen wird zum Teil auch abgeraten, da Kinder eher einen wunden Po bekommen könnten.

Ich sehe beide Empfehlungen skeptisch.

Ich kenne Frauen, die sich fast nichts mehr zu essen getraut haben, weil sie nur das beste für ihr Baby und unbedingt Fehler vermeiden wollten. Bei aller Liebe, das scheint mir übertrieben.

In Ländern wie Indien oder allen arabischen Ländern werden sehr viele blähende Lebensmittel gegessen und sehr scharf gewürzt und andererseits wird sehr lange gestillt.  So schlimm kann es also nicht sein.

Esst das, was Euch schmeckt und spürt mit gutem Körpergefühl, was euch selber gut bekommt. Wenn Ihr Kohl nicht vertragt, weil Euch danach Blähungen plagen, wird es dem Kind eventuell auch so gehen. Also esst keinen Kohl.

Wenn ihr Erdbeeren, Tomaten oder Orangen esst, tut dies mit Freude und gesundem Maß. Und sollte das Baby wund werden, könnt ihr immer noch überlegen, ob es im Zusammenhang mit den Lebensmitteln steht oder nicht.

Und ein wunder Po gehört zu den Schwierigkeiten dazu, die im Leben eines kleinen Babys zu bewältigen sind.

Schwangerschaft und Stillzeit ist schon genug mit Einschränkungen verbunden. Da soll das Essen wenigstens schmecken. Und das tut es nicht, wenn ihr euch ständig etwas verbieten müsst. Lieber esst Ihr alles und stillt fröhlich, als dass Ihr frustriert abstillt.


DIÄTEN

Wenn ihr ausschliesslich stillt, produziert ihr zwischen 700 ml und einem Liter Milch. Um 100 ml Muttermilch zu produzieren, werden 75 Kalorien verbraucht. Das macht 500 bis 750 Kalorien. Das ist der Grund, warum viele Frauen ihre Schwangerschaftskilos schnell wieder verlieren und ihr altes Ausgangsgewicht erreichen.

Man sollte das Stillen aber nicht als Diät verstehen, um sich endlich auf sein schon immer ersehntes Wunschgewicht zu hungern.

Im ungeliebten Bauchspeck lagern viele Rückstände aus Umweltgiften, die durch eine Diät frei werden und in die Milch gelangen. Deshalb ist die Empfehlung, das Gewicht nicht unter das Ausgangsgewicht vor der Schwangerschaft zu reduzieren.


GIBT ES LEBENSMITTEL, DIE DIE MILCHPRODUKTION FÖRDERN ODER REDUZIEREN?

Ja, die gibt es! Und zwar reduzieren Salbei und Pfefferminze die Produktion der Milch. Deshalb sollte man in der Stillzeit auf Salbei- und Pfefferminztees verzichten. Es sein denn, man möchte die Milchmenge reduzieren, z.B. bei zu grosser Milchproduktion oder beim Abstillen.

Die milchsteigernde Wirkung von Milchbildungs- oder Stilltees ist lange nicht so eindrücklich und auch nicht wissenschaftlich belegt, wie die reduzierende Wirkung von Salbei und Pfefferminze.

Früher gab es auf den Wochenbettabeilungen häufig Malzbier zu trinken. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes wird das nicht mehr angeboten, aber laut Studien hat Malzbier tatsächlich eine fördernde Wirkung auf die Milchproduktion.


EMPFOHLENE ERNÄHRUNG IN DER STILLZEIT

Allgemein wird eine normale, ausgewogene Ernährung in der Stillzeit empfohlen. Das meint eine Ernährung auf Basis von viel Gemüse, Obst, Kohlenhydraten aus überwiegend Vollkornprodukten, wenig Fetten und Eiweiss aus Milchprodukten und Fleisch und Fisch. Vegetarierinnen und Veganerinnen haben die Gefahr, sich besonders müde und ausgelaugt zu fühlen.

Die Trinkmenge ist in der Stillzeit ist leicht erhöht. Statt 1,5 – 2 Liter täglich sollten 2 – 3 Liter Wasser und Tee getrunken werden. Viele Frauen bekommen direkt beim Stillen grossen Durst und es empfiehlt sich, beim Stillen immer etwas zum Trinken griffbereit zu haben. 

 

STILLPROBLEME

 

Die Stillprobleme werde ich anhand von Fallbeispielen durchspielen, so wie sie viele Frauen in ihrem Alltag erleben werden.

ZU WENIG MILCH BEI WACHSTUMSPHASEN

Eine sehr typische Situation ist folgende:

Das Baby ist knapp zwei Wochen alt. Das Stillen hat sich gerade gut eingependelt, das Baby nimmt gut an Gewicht zu, die Hebamme hat ihre Besuche abgeschlossen, der Mann geht wieder arbeiten, der Alltag beginnt.

Und plötzlich weint das Baby ständig, ist unruhig, sucht, will alle 1-2 Stunden an die Brust. Die Frau ist beunruhigt und versteht nicht, wieso die Milch plötzlich nicht mehr reicht.

Sie ist verunsichert und weiss nicht was sie tun soll.

WAS IST LOS?

Das ist ein ganz klassischer Fall, den fast alle Frauen erleben werden.

Die Milch ist in gleicher Menge vorhanden wie am Vortag. Aber das Baby hat einen Satz gemacht und  an Gewicht zugelegt. Es braucht nun mehr Milch. Es gibt aber  nicht so schnell mehr Milch.

Deshalb fordert es häufigere Stillmahlzeiten ein und will bereits nach 1-2 Stunden wieder an die Brust, obwohl sich die Tage vorher ein 3 stündiger Rhythmus etabliert hatte.


WAS SOLL DIE FRAU MACHEN?

Das Kind nach dessen Bedarf stillen. Und das bedeutet, dass sie alle 1-2 Stunden stillt, wenn das Kind das möchte.

Das häufige Stillen bewirkt eine Steigerung des Prolaktins, dem Milchbildehormon. Der Körper lernt dadurch, dass der Appetit des Babys gewachsen ist und zukünftig wird mehr Milch produziert. Der Körper braucht eine Weile, bis er den Mehrbedarf des Babys an Milch angepasst hat.

Der alte Rhythmus von ca. 3 Stunden wird sich nach 1-3 Tagen wieder einstellen.

Bis zum nächsten Wachstumsschub des Babys!

Typische Wachstumsphasen des Babys, die einer Steigerung der Milchmenge bedürfen sind:

Häufig nach ca. 10-14 Tagem

Häufig nach 6 Wochen 

Häufig nach 10 Wochen


WAS WÄRE GUT GEMEINT, ABER SCHLECHT GEMACHT?

Verständlich und sicher lieb gemeint ist, wenn die Frau ihrem Kind sofort ein Schoppenfläschchen geben würde.

Das Baby wäre zufrieden und satt und würde nicht mehr so häufig an die Brust wollen.

Die Brust bekommt aber nicht das Signal, dass mehr Milch gebildet werden muss. Die Produktion bleibt auf dem vorherigen  Niveau, was nun aber nicht mehr ausreichend ist.

So bleibt die Differenz zwischen Ist und Soll bestehen. Die Frau wird immer häufiger ein Schoppenfläschchen geben, weil die Milch tatsächlich zu wenig ist.


ALTERNATIVE

Wenn man ein Schoppenfläschchen geben möchte, müsste man mit einer Pumpe den Reiz setzen, um die Prolaktinsekretion im Blut anzuheben, damit die Milchproduktion angeregt wird.

Zusätzlich hilfreich ist:

• Viel Hautkontakt mit dem Baby zu haben, da das ebenfalls die Hormonausschüttung erhöht und Stress bei Mutter und Kind reduziert.

Stress allgemein vermeiden, da Stresshormone eine Gefässverengung machen und damit die Milchbildung reduziert wird.

Selber genügend trinken: 2-3 Liter mindestens. Vor allem Wasser und Tee, wie z.B. Stilltee. Aber auch Malzbier und Rivella sagt man milchfördernde Wirkung nach.

Keinen Pfefferminz- und Salbeitee trinken, da diese Kräuter milchreduzierende Wirkung haben.

• Wer homöopathisch behandelt werden möchte, kann von Similasan Milchbidungsglobuli in der Apotheke kaufen. 7 Globuli zu jeder Stillmahlzeit unter die Zunge nehmen, auflösen lassen und 10 Minuten vorher und nachher nichts trinken.

Warme Wickel fördern die Durchblutung der Brust und regen so die Milchbildung an.

• Der Volksmund sagt, ein Gläschen Sekt soll die Milchbildung ebenfalls anregen. Beim Stillen gilt ja eigentlich die Empfehlung, gar keinen Alkohl zu trinken, da der Alkohol in die Milch geht. Es gibt Studien, die belegen, dass Alkohol die Produktion von Muttermilch sogar hemmt. Aber ich finde, wenn das Cüpli euch hilft, glücklich, beschwingt und entspannt zu werden, nach einem anstrengenden Tag mit einem heulenden Kind, dann würde ich in dem Fall dringend zu einem kleinen Glas raten. Stress reduziert nämlich auch die Milch. Den Rest der Flasche könnt ihr ja eurem Partner oder den helfenden Freundinnen überlassen.





ZUVIEL MILCH

Auch das Problem von zuviel Milch gibt es. Oder von einem zu starken Milchfluss.

Die Situation ist folgende:

Das Baby hat Hunger und möchte gestillt werden. Aber wenn es saugt, schiesst ihm die Milch so schnell in den Mund, dass es gar nicht schnell genug schlucken kann. Es verschluckt sich, die Milch quillt ihm aus Mund und Nase. Es weint vor Wut und Hunger.

Was kann die Frau tun?

Häufig antworten Paare in meinen Geburtsvorbereitungskursen, dass die Frau die Milch ja abpumpen könnte.  Dann käme die Milch nicht mehr mit so viel Druck.

Das ist eine sehr gute Idee und würde für den Moment auch helfen.

Aber! wenn abgepumpt wird, bekommt der Körper das Signal, noch mehr Milch zu produzieren. So käme beim nächsten mal noch mehr Milch.

Besser ist, die Milch auszustreichen. Bei so viel Milch und so einem starken Milchfluss, läuft die Milch fast automatisch. Die Milch kann entweder in einem Gefäss aufgefangen und als Reserve eingefroren werden oder die Milch wird unter der Dusche, über dem Waschbecken oder in ein Handtuch ausgestrichen.

Ausstreichen setzt nicht den Reiz, mehr Milch zu produzieren.

Geeignete Stillposition:

Aufrecht sitzend. Auch wenn das Baby noch sehr klein ist und noch lange nicht sitzen kann, könnt ihr es in aufrecht sitzender Position stillen. In dieser Position wird es sich weniger verschlucken als in der liegenden Wiegeposition.

Alternativ ist die flach liegende Position sehr gut geeignet. Das Kind liegt quer über der Brust, die Milch fliesst gegen die Schwerkraft und ist so für das Kind leichter zu bewältigen.

Weitere Massnahmen:

Salbei- und Pfefferminztee reduzieren die Milchmenge. Und zwar erheblich. Salbei noch stärker als Minze.In diesem Fall empfehle ich 1-2 Tassen Salbeitee zu trinken und abzuwarten, wie sich die Milchproduktion entwickelt.

Kühlung der Brust reduziert ebenfalls die Milchproduktion. Weisskohl- oder Kabisblätter, vom Mittelstrunk befreit und in den BH gelegt, wirken kühlend und ebenso entzündungshemmend. Allerdings würde ich nur zur Kühlung raten, wenn es nötig ist. Wenn die Massnahmen wie Ausstreichen, Stillposition verändern und Milchmenge reduzieren ausreichen, würde ich nicht noch mehr Zeit investieren.


WUNDE BRUSTWARZEN

Der Fall ist folgender:

Die Brustwarzen sind vom Stillen ganz wund. Die linke Brustwarze schmerzt deutlich mehr als die rechte.  Sie ist bereits verschorft und hat Risse in der empfindlichen Brustwarzenspitze.

Wunde Brustwarzen sind etwas fürchterliches. Ich kenne Frauen, die sagen, Wehenschmerzen wären erträglicher gewesen als Stillen mit wunden, blutigen Brustwarzen.  

Ausserdem sind Wunden jeder Art immer eine Eintrittspforte für Keime. Bei wunden Brustwarzen können Keime, wie Staphylococcen in das Brustgewebe eindringen und eine Mastitis, eine Brustdrüsenentzündung, verursachen.

Deshalb ist es ganz wichtig, schnell das Richtige zu tun, damit diese Situation sich rasch wieder verbessert.

WAS KANN DIE URSACHE SEIN?

Häufig ist die Ursache von wunden Brustwarzen eine falsche Ansetztechnik.

Das Baby hat nur die Brustwarze, nicht aber das umliegende Brustgewebe im Mund. Die Brustwarzenspitze wird so zwischen den Kiefernleisten wund gerieben. [hier] wird die Technik erklärt.

In seltenen Fällen ist das Zungenbändchen des Kindes zu kurz. Das Kind kann seine Zunge nicht weit genug rausstrecken, um die Brustwarze der Länge nach auszustreichen. Wenn man die Zunge dieser Kinder betrachtet, ist das Zungenbändchen unterhalb der Zunge so kurz, dass es die Zunge in der Mitte leicht herzförmig einzieht. Einige Hebammen oder Stillberaterinnen schneiden das Bändchen beherzt selber ein, andere verweisen an einen Kinderarzt, der diesen kleinen Eingriff dann durchführt.


WAS SOLL DIE FRAU MACHEN?

Häufiger stillen! Aber kürzer. Am besten das Kind anlegen, bevor es vor Hunger weint und sucht.  Es wird sanfter an den Brustwarzen saugen, als wenn die Stillintervalle verlängert werden. Das ist für die Brustwarzen schonender.

• Der Ansetzschmerz kann verringert werden, indem der Milchspendereflex durch Massagen und/oder warme Wickel angeregt wird. Die Milch fliesst dann schon, wenn das Kind angesetzt wird.

• Immer mit der besseren Brust beginnen, in diesem Fall mit der rechten Seite.  Dann ist das Kind bereits einigermassen gesättigt, wenn es an der wunden Seite trinkt. Es saugt sanfter und kürzer.

Stillpositionen wechseln. Meistens ist die Brustwarze an der Stelle wund, an der der Unterkiefer des Babys am häufigsten saugt. Ein Wechsel der Stillposition verteilt die Belastung des Unterkiefers. Im Rückhaltegriff wird die wunde Stelle entlastet.

• Wichtig ist, das Kind nicht länger als nötig an der Brust saugen zu lassen. Nur trinken, aber nicht nuckeln lassen. Das belastet die Brust unnötig.

• Wenn das Kind die Brustwarze nicht von alleine loslässt, lösst das Vakuum, indem ihr mit eurem Finger in den Mundwinkel eingeht und die Kieferleisten öffnet.

• Ein Stillhütchen aus Silikon kann der Brustwarze als vorübergehender Schutz dienen. Stillen ist aber am besten, je weniger Hilfsmittel man braucht. Deshalb rate ich, nur wenn dringend nötig ein Stillhütchen zu gebrauchen. Wenn die Schmerzen aber nicht erträglich sind, ist das selbstverständlich ein guter Grund.

• Vielleicht ist der Schmerz sogar so gross, dass Stillen auch mit einem Stillhütchen nicht möglich ist. Dann ist eine Möglichkeit, für 1-2 Tage die Milch auszupumpen und sie dem Baby mit dem Fläschchen zu geben. Pumpen ist weniger schmerzhaft als stillen.


WIE DIE WUNDEN BRUSTWARZEN PFLEGEN?

Ganz wichig ist, die wunden Brustwarzen gut zu pflegen. Als Basispflege ist immer gut, Speichel des Kindes und Milchreste auf der Brustwarze zu belassen. Aber das reicht bei wunden Brustwarzen nicht aus.

Früher hat man geraten, die Brustwarzen an der Lust zu trocknen. Eventuell sogar trocken zu föhnen. Das macht man heute nicht mehr. Die Brustwarzen trocknen aus und bilden Schorf. Der Heilungsprozess durch Neubildung von Gewebe ist verzögert. Wird das Baby angesetzt, reisst der Schorf samt Gewebe wieder auf.

Besser ist die feuchte Wundheilung. Deshalb sind Wollfettsalben wie Purelan so gut. Sie binden Feuchtigkeit und halten die Brustwarzen geschmeidig. Schorfbildung wird vermieden, die Zellteilung und Gewebeneubildung wird gefördert. Purelan muss vor dem Stillen nicht entfernt werden.

Bei sehr wunden Warzen, helfen Wundcremes wie z.B. von Bepanthen oder auch die Hydrogelpads sehr gut.

Stilleinlagen aus Wolle/Seide schaffen ein wundheilungsförderndes Klima. Auch Heilwolle verstärkt die Wundheilung. Solange allerdings die Brustwarzen offen sind, würde ich von Heilwolle abraten, da die Häärchen unangenehm mit der Brustwarze verkleben können

In ganz ausgeprägten Fällen kann ein Brustwarzenschutz in den BH eingelegt werden, um die wunden Brustwarzen vor schmerzhafter Reibung an der Kleidung zu bewahren.


MILCHSTAU

Morgens wacht Ihr auf, das Baby hat zum ersten mal durchgeschlafen, die Brust ist extrem prall und voll. Rechts aussen sind Knoten im Drüsengewebe zu tasten, es schmerzt leicht. Ihr habt kein Fieber und fühlt Euch sonst gut.

Das ist ein Milchstau. Ausgelöst durch die lange, ungewohnte Trinkpause des Babys.

Andere Ursachen eines Staus kann ein zu enger BH, Einschnürungen durch ein Tragetuch oder Tragesack sein.

Auch möglich, aber selten, ist ein verstopfter Milchgang. Das erkennt man, wenn auf der Mamille, der Brustwarze, ein weisses, mit Milch gefülltes Bläschen zu sehen ist. Dieses Häutchen über dem Milchgang kann man mit Creme aufweichen und vorsichtig mit einer Nadel eröffnen, so dass die Milch fliessen kann.

Was ist zu tun?

Stillen! Oder die Brust durch Ausstreichen oder Pumpen leeren

• Oft fliesst die Milch bei einer gestauten Brust nicht gut. Die Alveolen, die kleinen Bläschen, die die Milch bilden, sind so prall mit Milch gefüllt, dass die Muskelzellen, die um die Alveolen herum liegen, überdehnt sind. Da helfen warme Wickel vor dem Stillen für einige Minuten, um das Gewebe zu lockern und  zu weiten und so den Milchfluss zu erleichtern.

• Eine vorsichtige, kreisende Brustmassage oder Lockerung des Gewebes durch Vibration mit der Hand verbessern ebenfalls den Milchspendereflex.

• Stillposition so wählen, dass der Unterkiefer des Babys zur gestauten Stelle zeigt. In diesem Fall Rückhaltegriff rechts.

• Eventuell kann während des Stillens die gestaute Stelle zusätzlich ausmassiert werden.

• Wenn nötig, nach dem Stillen die Brust komplett ausstreichen oder auspumpen.

• Nach dem Stillen die Brust für 15-20 Minuten kühlen mit Quark, Tiefkühlerbsen, Weisskohlblättern, kalten Umschlägen o.ä. Siehe [Wickel].

• Wenn die Stelle sich weiterhin verknotet anfühlt, häufiger Stillen, um die Milch regelmässig zu entleeren. In dem Fall immer mit der betroffenen Seite anfangen, vor dem Stillen warme, nach dem Stillen kalte Wickel machen.


MASTITIS ODER BRUSTDRÜSENENTZÜNDUNG

Ein unbehandelter Milchstau kann u.U. eine Mastitis, eine Brustdrüsenentzündung, werden.

Aber auch wunde Brustwarzen können eine Ursache sein, dass Keime, wie Staphylokokken, in die Brust eindringen und in der Brust eine Entzündung verursachen.

Zu den Symptomen des Staus kommen noch Fieber, Grippesymptome und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu.

Die Brust ist stellenweise gerötet, überwärmt, geschwollen und schmerzempfindlich.

Was ist zu tun?

Im Grunde genau das selbe wie bei einem Milchstau:

Warme Wickel vor dem Stillen

Massage zur Förderung des Milchspendereflex.

• Stillen an der betroffenen Seite zuerst. Oder die Milch abpumpen, das ist eventuell weniger schmerzhaft.

• Stillposition so wählen, dass der Unterkiefer des Babys zur entzündeten Stelle zeigt.

• Das Baby darf trotz Fieber der Mutter und trotz Brustentzündung die Milch trinken.

• Wenn das Kind die Brust verweigert, weil die Milch verändert schmeckt oder das Kind irritiert ist, weil die Milch wärmer als üblich ist, muss die Brust leer gepumpt werden.

• Nach dem Stillen die Brust für 15-20 Minuten kühlen. Evtl. Weisskohlblätter im BH  dauerhaft belassen.

Bettruhe einhalten! Hebamme oder Stillberaterin müssen hinzugezogen werden.

• Bei einer Mastitis fühlt man sich sehr krank. Wie bei einem grippalen Infekt. Frauen sind meist nicht mehr in der Lage, sich um das Baby zu kümmern. Es braucht gute Unterstützung durch das Umfeld, bis die Entzündung wieder abgeklungen ist.

• Wenn nach 24 Stunden die Symptome nicht bessern, braucht es Antibiotika. Es gibt stillverträgliche Antibiotika. Ein Abstillen ist deshalb nicht notwendig.

• Neben der Hebamme oder Stillberaterin sind die Notfallaufnahmen der Frauenkliniken eine gute Anlaufstation, da dort Personal mit Stillerfahrung vorhanden ist. Eure niedergelassenen Ärzte sind oft schon lange nicht mehr auf einer Stillfortbildung gewesen und raten gelegentlich noch zum Abstillen, obwohl das nicht nötig ist.

• Die Gefahr bei einer Brustdrüsenentzündung ist, dass sich die Entzündung zu einem Abszess abkapselt. So ein Abszess ist dann nicht mehr durch Pumpen oder Stillen zu entleeren. Er muss dann entweder operativ, chirurgisch entfernt werden oder bei kleineren Abszessen durch eine Spritze von Aussen punktiert und entleert werden. Meistens braucht es mehrere solcher Behandlungen. Selbst bei so einer invasiven Behandlung muss nicht abgestillt werden, aber häufig verlieren die Frauen bei einer Mastitis die Lust zum Stillen.


SOOR, PILZENTZÜNDUNG

Ihr stillt schon seit 2 Monaten problemlos, das Kind geht immer gut an die Brust, aber plötzlich gibt es stechende Schmerzen in den Brustwarzen, die bis in die Brust hinein strahlen. Zudem jucken und brennen die Brustwarzen.

Was kann das sein?

Das kann ein Soor sein. Eine Pilzinfektion, deren Erreger meistens Candida albicans ist.

Häufig sieht man den Pilz im Mund des Kindes als weisslichen Belag. Man verwechselt es leicht mit Milchresten. Diese kann man aber im Gegensatz zum Pilz abwischen.

Oft hat das Kind den Soor auch noch im Windelbereich.

Was ist zu tun?

Ruhig weiterstillen. Der Pilz ist weder für Mutter noch Kind gefährlich.

Mutter und Baby müssen behandelt werden.

• Üblicherweise wird mit dem Pilzmittel Daktarin-Gel 4 mal täglich die Mundhöhle des Babys und die Brustwarze für eine Dauer von 10-14 Tagen behandelt.

• Der Nuggi, Trinksauger, Stillhütchen etc. müssen einmal täglich für 10 Minuten ausgekocht oder sterilisiert werden.

Häufiger wickeln, keine Feuchttücher, sondern nur Wasser verwenden. Po viel an der Luft lassen. Pilzcreme z.B. Multilind nach ärztlicher Verordnung verwenden.

• Häufig die Hände waschen 

Die Soorbehandlung ist manchmal langwierig. Oft dauert schon die Diagnose lange, weil der typische weissliche Belag fehlt.

Häufig braucht es zusätzlich noch das Medikament Fluconazol als Tabletten.