Wehenschmerz

 

Bei Wehenschmerz gibt es verschiedene Ansätze, diesen zu lindern. Hier könnt Ihr entweder auf medizinische Hilfsmittel zurückgreifen oder durch natürliche Mittel Eure Schmerzen verringern. Beide stelle ich in diesem Beitrag für Euch zusammen.

Medizinische Hilfsmittel bei Wehenschmerz

 

WELCHE SCHMERZMITTEL KANN MAN UNTER DER GEBURT NEHMEN?

Wehen sind starke Schmerzen. Und wenn man mit ihnen nicht mehr auf natürliche Weise klar kommt, braucht es auch entsprechend starke Schmerzmittel. Paracetamol, also z.B. Dafalgan, reicht da nicht aus.

In der Geburtshilfe braucht man dann Opioide. Das sind Medikamente, die in ihrer Wirkung dem Opium ähnlich sind und an denselben Rezeptoren im Gehirn andocken.

Ein häufig genutztes Opioid ist Tramal. Das geben wir auf Wunsch der Frauen entweder als Tabletten, als Zäpfchen, Tropfen oder intravenös als kurze Infusion. Intravenös wirkt es am stärksten. Häufig geben wir das Tramal in Kombination mit Buscopan, einem sogenannten Spasmolytikum, welches aufgrund seiner krampflösenden Eigenschaften ebenfalls schmerzlindernd wirkt und zudem den Muttermund weicher macht.

WIRKUNG

Tramal oder Tramal/Buscopan wirken mäßig schmerzlindernd. Ein guter Einsatzzeitpunkt ist meiner Erfahrung nach die frühe bis späte Eröffnungsphase.

Die Wirkung der intravenösen Gabe setzt ca. nach 15 Minuten ein und hält je nach Frau für 2-3 Stunden an. Man kann die Gabe 1-2 Mal wiederholen. Es muss aber sicher gestellt sein, dass das Kind nicht innerhalb der nächsten Stunde auf die Welt kommt, damit das Medikament ausreichend abgebaut ist.



NEBENWIRKUNGEN

Alle Opioide können Übelkeit und Erbrechen verursachen, was beim Tramal häufig vorkommt, deshalb geben wir der Infusion manchmal ein sogenanntes Antiemetikum, ein Mittel gegen Übelkeit, dazu.

Opioide können immer den Atemantrieb herabsetzen. Da das Medikament ins Blut und darüber auch zum Kind geht, kann das Kind theoretisch Atemprobleme haben. Wenn man aber die Zeit von einer Stunde bis zur Geburt einhält, passiert das nicht.

Tramal ist ein Mittel, das wir häufig geben und noch nie habe ich erlebt, dass ein Kind aufgrund des Tramals eine Atemdepression hatte.





WAS IST LACHGAS?

Lachgas ist eines der ältesten Narkosemittel. 1799 wurde die medizinische Wirkung entdeckt und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Zahnextraktionen eingesetzt.

Der Name kommt vermutlich daher, dass bei hoher Konzentration eine euphorisierende Wirkung eintritt, die zum Lachen animiert.

Lachgas, wie wir es heute in der Geburtshilfe einsetzen, ist ein Gemisch aus 50 % reinem Sauerstoff und 50 % Lachgas, Distickstoffmonoxid.

DURCHFÜHRUNG

In der Praxis funktioniert es bei uns im Spital folgendermaßen: wir fahren den Frauen eine große, rollbare Gasflasche ans Bett. Der Frau wird erklärt, wie sie über eine Maske, die Mund und Nase bedeckt, das Gas ein und wieder ausatmen kann.

Entweder atmen die Frauen kurz vor und während der Wehe oder aber in der Wehenpause das Gas. Das ist individuell verschieden.



WIRKUNG

Die Wirkung tritt nach wenigen Atemzügen ein. Es wirkt schmerzhemmend und sedierend (beruhigend). Die Wahrnehmung von Geräuschen ist verändert.

Ich war nach Einführung dieser Methode überrascht, wie viele gute Erfahrungen wir damit machen. Die Frauen spüren weiterhin jede Wehe, können häufig aber wieder leichter einen Atemrhythmus finden. Sie werden ruhiger und können sich in der Pause wieder besser entspannen.



MÖGLICHE NEBENWIRKUNGEN

Am häufigsten erlebe ich, wenn die Methode für eine Frau nicht funktioniert, dass Frauen mit der Atmung durch die Maske nicht gut klar kommen.

Das Gas kann wie die allermeisten Schmerzmittel Übelkeit verursachen. Auch Kopfschmerzen werden beschrieben, was ich aber noch nie erlebt habe.

 



VORTEIL DES LACHGASES

Ein Vorteil ist, dass es ohne Vorbereitung sofort einsetzbar ist. Es wirkt innerhalb weniger Atemzüge. Will man die Wirkung nicht mehr, weil es Zeit zum Pressen ist, ist der Effekt des Gases innerhalb weniger Minuten abgebaut.

Das Gas hat wenig Nebenwirkungen. Das Kind wird nicht beeinträchtigt.



NACHTEIL DES LACHGASES

Die Schmerzreduktion kann u.U. nicht ausreichend sein.

Einige Frauen mögen das Atmen durch die Maske nicht.

Der Einsatz des Lachgas ist zeitlich begrenzt und nicht für die Dauer einer ganzen Geburt gedacht.

Wir kontrollieren die Sauerstoffsättigung im Blut, da es theoretisch möglich ist, dass diese durch das Gas sinkt. Da das Gasgemisch aber 50 % Sauerstoff enthält, ist eine Unterversorgung mit Sauerstoff sehr unwahrscheinlich.

Die berauschende Wirkung des Gases ist nicht für alle Frauen angenehm.



MEIN PERSÖNLICHES FAZIT ZUM LACHGAS

Ich bin nach der Wiedereinführung dieser alten und als veraltet angesehenen Methode sehr positiv überrascht von der oft guten Wirkung des Lachgases.

Vor allem am Ende der Eröffnungsphase bis zur Pressphase habe ich schon sehr oft erlebt, dass das Gas Frauen sehr gut geholfen hat.

Inzwischen wird das Gas allerdings nicht mehr in vielen Spitälern angeboten.





WAS IST DIE 'PCA-PUMPE' ODER AUCH 'HAPPY BUTTON'?

PCA steht für Patient-Controlled Analgesia, also patientengesteuerte Schmerzpumpe.

Die Pumpe wird direkt an den venösen Zugang angeschlossen. Das verwendete Opioid, Ultiva, hat sehr spezielle Eigenschaften: es wirkt blitzschnell innerhalb von 30 Sekunden, es ist sehr stark wirksam und es verliert sowohl seine Wirkung wie auch seine Nebenwirkung bereits nach 3 Minuten wieder.

DURCHFÜHRUNG

Bei dieser Methode bekommt ihr Frauen einen Druckknopf, den „happy button“, der bei jedem Knopfdruck eine kleine Menge dieses sehr starken Opioids in ihre Vene infundiert. Ihr selber bestimmt, wann Ihr das nächste mal auf den Knopf drückt. Es ist zur Sicherheit eine Sperrzeit von 2 Minuten programmiert, so dass Ihr euch nicht überdosieren könnt. Es ist wichtig, einen guten Rhythmus zu finden. Am besten drückt man ca. eine halbe Minute bevor die nächste Wehe kommt, um dann die volle Wirkung während der Wehe zu haben. Drückt man erst, wenn die Wehe bereits da ist, verpasst man die hauptsächliche Wirkung.

WIRKUNG

Ultiva wirkt schmerzlindernd (analgetisch), beruhigend (sedierend) und stimmungshebend (euphorisierend). Es wirkt stärker als die anderen Opioide, die wir in der Geburtshilfe geben.

Da das Medikament nach nur wenigen Minuten verstoffwechselt ist, kann man es bis kurz vor der Geburt des Babys einsetzen. 3 Minuten zwischen der letzten Medikamentengabe und der Geburt würden theoretisch ausreichen. Zur Sicherheit plant man aber mindestens 15 Minuten ein, damit das Baby nach der Geburt sicher keine Mühe mit der Atmung hat.


MÖGLICHE NEBENWIRKUNGEN

Neben Übelkeit, Schwindel und Schläfrigkeit ist die sogenannte Atemdepression eine mögliche Nebenwirkung. Atemdepression bedeutet, dass der Atemantrieb gehemmt wird, wodurch es zum Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut kommt. Deshalb kontrollieren wir die Sauerstoffsättigung mit einer kleinen Sonde am Finger.



MEIN PERSÖNLICHES FAZIT ZUR PCA

Ich persönlich habe als Hebamme gemischte Erfahrungen mit der PCA gemacht. Allerdings auch noch nicht so viele wie mit Lachgas oder PDA, da die Methode bei uns noch relativ neu ist. Einige Frauen sind zufrieden, anderen reicht die Reduzierung des Schmerzes nicht aus und sie wechseln auf eine PDA.

PCA IM VERGLEICH ZUR PDA

Anders als die PDA seid Ihr Frauen weniger in eurer Mobilität eingeschränkt. Ihr könnt weiterhin laufen, auf die Toilette gehen und seid frei in der Wahl eurer Geburtsposition.

Es ist weit weniger technisch als die PDA. Blutdruck und Sauerstoffsättigung müssen aber trotzdem überwacht werden.

Im Unterschied zur PDA spürt man als Frau aber immer noch jede Wehe und u.U. auch noch als relativ starken Schmerz. Will man eine maximale Schmerzreduktion, ist die PDA die effektivere Methode. Wenn es aber darum geht, den Schmerz ein wenig zu reduzieren, ist die PCA eine gute Möglichkeit. Während Frauen mit PDA manchmal den Pressdrang nicht mehr spüren und dadurch die Rate an Vakuumentbindungen (Saugglocke) erhöht ist, passiert das mit der PCA nicht!

WAS IST EINE PDA?

Bei einer PDA wird ein Kunststoffkatheter in den sog. Periduralraum in der Wirbelsäule gelegt. Eine Pumpe infundiert dann kontinuierlich ein Schmerzmittel zu den dort liegenden Nerven, die für die Schmerzweiterleitung und Schmerzempfindung an der Gebärmutter verantwortlich sind. Die Gebärmutter macht weiterhin Wehen, der Schmerz wird aber gar nicht mehr oder reduziert wahrgenommen.

WIE WIRD EINE PDA DURCHGEFÜHRT?

Die PDA wird von Anästhesisten durchgeführt. Ihr Frauen müsst entweder im Liegen oder im Sitzen einen runden Rücken machen, damit sich die Wirbel öffnen. Zuerst wird mit einer feinen Nadel die Haut und das darunter liegende Gewebe betäubt. Dann wird der Kunststoffkatheter mit Hilfe einer dickeren Hohlnadel bis in den Periduralraum geschoben. Ist das geschehen, wird die Nadel entfernt. Es liegt also keine Nadel im Rücken! Das wird oft gedacht und löst verständlicherweise Unbehagen aus. Die PDA wird auch nicht in das Rückenmark gelegt; das endet deutlich höher! Der Katheter wird am Rücken fixiert und mit der Pumpe verbunden. Über die Pumpe wird ein Gemisch aus Lokalanästhetikum und Opiat tropfenweise in den Rücken infundiert. Ist die Pumpe leer, können wir Hebammen sie wieder auffüllen. Bis zur Geburt. Theoretisch kann eine PDA mehrere Tage benutzt werden.

Die Durchführung der PDA dauert ca. eine halbe Stunde inklusive Vorbereitung. Eine Schmerzreduktion tritt innerhalb von Minuten ein, die volle Wirkung dauert ungefähr 20-30 Minuten.

 

WAS SIND DIE VORTEILE EINER PDA?

Die PDA ist die wirksamste Methode zur Reduzierung der Schmerzen. Tatsächlich spüren viele Frauen die Wehen überhaupt nicht mehr.

Das Schmerzmittel bleibt im Periduralraum, geht nicht ins Blut und damit auch nicht zum Kind.

Durch die Schmerzerleichterung können Frauen sich manchmal so gut entspannen, dass ein verkrampfter Muttermund plötzlich weicher wird und sich besser eröffnet. Manchmal wirkt die PDA dadurch geburtsbeschleunigend.

Durch die Entspannung entsteht etwas mehr Platz, so dass sich ein Baby, dass ungünstig im Becken liegt, besser drehen und tiefertreten kann. In so einer Situation raten wir Geburtshelfer sogar zu einer PDA. Ansonsten kommt der Wunsch nach einer PDA immer von Euch Frauen.



WAS SIND DIE NACHTEILE EINER PDA?

Die Wehen werden häufig durch die PDA ineffektiv. Meistens braucht es dann einen “Wehentropf”, eine Infusion mit einem wehenanregenden Medikament.

Manchmal scheint die PDA den natürlichen Rhythmus durcheinander zu bringen und wirkt verzögernd auf die Geburt. In anderen Situationen (siehe oben) kann es aber auch beschleunigend wirken.

Die PDA kann durch die Weitstellung der Blutgefässe einen Blutdruckabfall bei der Frau auslösen; deshalb wird der Blutdruck kontinuierlich bis zur Geburt überwacht. Eine Infusion mit Flüssigkeit soll diesem Blutdruckabfall vorbeugen. Ein CTG wird ab PDA dauerhaft geschrieben.

Je nach Spital und der entsprechend dort verabreichten Medikamente kann eine Frau mit PDA nicht mehr laufen, da die Beine leicht betäubt sind. Das schränkt die Bewegungsfreiheit und die Wahl der Geburtspositionen der Frauen sehr ein. Eine Geburt im Wasser ist dann zum Beispiel auch nicht mehr möglich.

Allerdings gibt es Spitäler, bei denen eine “Walking PDA” gemacht wird. Das bedeutet, dass die Frauen trotz der PDA noch immer laufen können!

Wenn die Frauen nicht mehr laufen und damit auch nicht selbstständig zur Toilette gehen können, legen einige Spitäler bis zur Geburt einen Dauerkatheter in die Harnblase.

Der Vorteil der Schmerzlosigkeit wird gegen Ende manchmal zum Nachteil: wenn eine Frau gar nichts mehr spürt, dann klappt das Pressen bei der Geburt manchmal sehr viel schlechter. Deshalb ist die Rate von Vakuum-Entbindungen (Saugglocke) hier etwas erhöht.

IST EINE PDA GEFÄHRLICH?

Nein! Die PDA ist ein Routineeingriff und sicher nicht gefährlich. Trotzdem bestehen sehr, sehr geringe Risiken, die Ihr akzeptieren und mit Eurer Unterschrift akzeptieren müsst. Die Anästhesisten klären euch vor dem Eingriff auf, dass es wie bei jedem Eingriff mit einer Nadel das Risiko von Infektionen, Blutungen und Nervenverletzungen bis hin zu bleibenden Schäden wie Querschnittslähmungen geben kann. Diese Risiken sind aber allesamt so klein, dass man sie als gebärende Frau vernachlässigen kann. Noch nie habe ich eine Frau, einen Arzt oder eine Hebamme getroffen, die so etwas schon mal erlebt hätte.

Eine andere Komplikation habe ich dagegen schon einige Male mitbekommen:

Wird die Hohlnadel zu weit eingeführt und durchsticht eine weitere Hautschicht, tritt Flüssigkeit, der Liquor, aus. Medizinisch ist das nicht schlimm, kann jedoch extrem starke, Tage andauernde Kopfschmerzen auslösen. Aber auch das kommt extem selten vor und ist letztlich nur unangenehm, aber so ungefährlich, dass es kein Grund gegen eine PDA ist.



WANN MACHT MAN EINE PDA?

Ihr Frauen bestimmt, wann ihr eine PDA wollt. Es ist sowohl möglich, die PDA zu einem frühen als auch zu einem späten Zeitpunkt noch zu legen. Selbst bei komplett eröffneten Muttermund kann es beim ersten Kind noch sinnvoll sein, eine PDA zu legen.

Ihr könnt beim ersten Kind bis fast ganz zuletzt wählen, ob ihr eine PDA wollt oder nicht.

Die Tatsache, die PDA im Hintergrund zu wissen und sie jederzeit wählen zu können, hat mir bei der Geburt meines Sohnes so viel Sicherheit gegeben, dass ich es schlussendlich ohne PDA geschafft habe.


WIEVIELE FRAUEN GEBÄREN MIT EINER PDA?

Das ist von Spital zu Spital und von Region zu Region sehr unterschiedlich.

Bei uns im Stadtspital gebären ca. 50 Prozent der Frauen mit einer PDA. Wobei die Erstgebärenden Frauen noch häufiger als die Mehrgebärenden eine PDA wählen.

In den Privatspitälern liegt die Rate deutlich höher.

Im Welschland ist ähnlich wie in Frankreich die Rate an PDAs bedeutend höher als in der Deutschschweiz und allgemein im deutschsprachigen Raum, wo noch eher der Wunsch und der Anspruch der Frauen vorhanden ist, die Geburt auf natürliche Weise zu schaffen.



MEIN PERSÖNLICHES FAZIT ZUR PDA?

Die PDA ist ein Segen! Aber manchmal auch ein Fluch. Als Hebamme steht man manchmal im Verdacht, nur natürlich gebären zu wollen und alle anderen Hilfsmittel abzulehnen. Aber das trifft weder auf mich noch auf meine Kolleginnen zu, mit denen ich zusammen arbeite.

Es ist ein Segen, dass Frauen dem Schmerz nicht mehr hilflos ausgeliefert sind und aus Mangel an Möglichkeiten bis zur völligen Erschöpfung und Traumatisierung gebären müssen. Ich besitze ein geburtshilfliches Lehrbuch aus dem Jahr 1800. Obwohl noch gar nicht so lange her, ist es erschütternd zu lesen, wie die Geburtshilfe zu der Zeit war, wo es wenig Hilfen zur Schmerzerleichterung gab. Und auch der heute übliche Kaiserschnitt war für die Frauen hochgefährlich.

Aber aufgrund der oben genannten Nachteile bin ich auch nicht dafür, dass eine PDA prinzipiell bei allen Frauen eingesetzt werden sollte. Die Indikation sollte immer der Wunsch der Frau sein.

Ich habe mich mal in einer Klinik als Hebamme beworben. Im Bewerbungsgespräch bin ich gefragt worden, ob es für mich in Ordnung sei, wenn erstgebärende Frauen automatisch mit einer PDA versorgt würden. Das ist für mich eine furchtbare Vorstellung.

Mein Rat ist, es auf sich zukommen zu lassen. Vorbereitet zu sein, so gut es geht, und dann so offen wie möglich in die Geburt zu gehen. Ihr müsst euch nicht vor der Geburt entscheiden, ob ihr mit oder ohne PDA oder die anderen Schmerzmittel gebären wollt. Ihr könnt gerade vor der ersten Geburt nicht wissen, wie ihr mit den Wehen zurecht kommen werdet.

Wenn ihr dann merkt, es geht gut mit den natürlichen Hilfsmitteln, dann ist das großartig. Und viele Frauen gebären ohne oder nur mit wenigen Medikamenten.

Wenn ihr aber merkt, das es für Euch nicht machbar ist, dann wählt die PDA oder eines der anderen medizinischen Hilfsmittel! Es ist Eure Geburt und ihr habt so viele Möglichkeiten.

 

WANN KANN MAN WELCHES MEDIKAMENT NEHMEN UND WER ENTSCHEIDET DAS?

Ihr Frauen dürft jederzeit mitteilen, wenn ihr ein Medikament zur Reduzierung Eurer Schmerzen wünscht.

Wenn Ihr eine besondere Vorstellung habt, also schon wisst, dass ihr eine PDA wünscht, dann könnt ihr das sagen. Ansonsten reicht es aus, zu sagen, dass ihr ein Schmerzmittel möchtet, und wir Hebammen schlagen euch dann das jeweils zur Situation passende Mittel vor.

Niemals bekommt ihr ein Schmerzmittel, ohne dass ihr das ausdrücklich wünscht!

 

Natürliche Hilfsmittel bei Wehenschmerz

 

Ein britischer Gynäkologe, Dr. Grantly Dick-Read (1890-1959) hat als erster den Teufelskreis von Angst, Spannung und Schmerzen während der Geburt beschrieben. Frauen, die Angst haben, sind verspannt, empfinden die Schmerzen stärker, was wiederum noch mehr Angst erzeugt etc.

Hier möchte ich ein paar Dinge beschreiben, die meiner Erfahrung nach helfen, mit den Wehen besser umzugehen…und den Teufelskreis zu durchbrechen.

POSITIVER WEHENSCHMERZ

Die beiden stärksten Schmerzerfahrungen bislang in Leben waren die Geburt meines Sohnes und eine Nierenbeckenentzündung. Im Vergleich zu den Schmerzen der Nierenbeckenentzündung gibt es deutliche Unterschiede, die mir den Wehenschmerz positiv erscheinen lassen:

Der Wehenschmerz…

…ist vorhersehbar
…ist erklärbar
…ist zielgerichtet und endlich
…ist Ausdruck eines natürlichen Prozesses und ist NICHT ein Warnsignal, dass etwas im Körper kaputt geht
…hat Pausen
…hat ein „Happy End“
…kann einen stolz machen, muss aber auch nicht!
…kann die Verbindung von Mutter und Kind stärken, muss aber auch nicht!!

Sicher gibt es noch viel mehr Positives über den Wehenschmerz zu sagen. Vielleicht fällt Euch noch mehr ein, was eben für Euch gültig ist.



ATMUNG

Eure persönliche Einstellung spielt sicher eine große Rolle, wie ihr mit dem Schmerz während der Geburt umgehen könnt.

Ganz wichtig ist es, einen guten Atemrhythmus zu finden. Vielen Frauen hilft es, sich während der Wehen auf die Atmung zu konzentrieren. Je einfacher die Atmung, desto besser. Es braucht keine komplizierte Technik. Die meisten Hebammen empfehlen folgende Atmung:

Einatmung durch die Nase, Ausatmung mit lockeren Lippen durch den Mund.

Wichtig ist, die ganze Luft auszuatmen, bevor der nächste Atemzug kommt. Klingt trivial, ist aber unter Wehen nicht ganz so einfach.

Je kräftiger die Wehen sind, desto grösser ist die Herausforderung, bei einer ruhigen Atmung zu bleiben. Es ist für viele Gebärende eine Hilfe, tönend auszuatmen. Am häufigsten entscheiden sich Frauen für eine Ausatmung auf „schsch“, „pfffff“, oder die kraftvollen Töne wie „aaaah“, „ooooh“ oder „uuuuuh“. Nicht gut sind „eee“ oder „iiiii“. Es ist also in jedem Fall besser „Jaaa“ als „Neiiiin“ zu sagen, wenn eine Wehe kommt.

Mir hat persönlich „sch“ am besten bei der Geburt meines Sohnes geholfen, und auch als Hebamme probiere ich es am meisten mit den Frauen aus. Aber nichts funktioniert bei allen Frauen gleichermaßen.

Es kann auch hilfreich sein, sich einen Takt zu geben: bei der Einatmung gedanklich bis 4, bei der Ausatmung bis 8 zählen.

Manche Männer schauen auf die Uhr und sagen die Zeit an bis z.B. die Hälfte der Wehe nach 30 Sekunden verstrichen ist.

Den Atem bewusst zu lenken, kann auch eine hilfreiche Atmung sein: zum Schmerz hin lenken oder bewusst zum Baby atmen.

Probiert verschiedene Atmungen aus und seid während der Geburt offen für die Vorschläge eurer Hebamme!


POSITIONEN

Neben der Atmung spielt die Position eine wichtige Rolle! Einige Frauen können die Wehen am besten in Bewegung verarbeiten und laufen durch den Gebärsaal. Andere mögen sich gar nicht bewegen und liegen am liebsten. Wieder einige Frauen finden es sitzend auf dem Gymnastikball gut, während andere damit nichts anfangen können, jedoch den Vierfüsslerstand gerne haben. Probiert verschiedene Positionen aus und lasst euch von eurer Hebamme motivieren! Man muss nicht wild turnen während der Geburt, aber es hilft Euch und es hilft dem Baby, besser durch das Becken zu kommen. Die Geburt ist auch etwas sehr mechanisches: dicker Kopf, enges Becken – da hilft es, wenn Euer Becken nicht immer starr in einer Position ist.

Immer wieder mal für eine halbe Stunde eine andere Position ausprobieren ist super. Aber wenn es für euch nur in genau linker Seitenlage geht, dann ist auch das okay! Bloß nicht die Erwartungen zu hoch hängen! Auch in Seitenlage könnt ihr euer Becken leicht kreisen lassen oder vor und zurück kippen. Auch das hilft, das Tiefertreten des Babys durch das Becken zu erleichtern.



MASSAGE DES KREUZBEINS

Viele Frauen spüren den Wehenschmerz während der einminütigen Wehe im Kreuzbein. Als Hebamme bin ich sogar immer ein bisschen froh darüber, denn wir Hebammen und die Männer können dann ein wenig zur Linderung beitragen: während der Wehe kräftig das Kreuzbein kreisend massieren oder einfach nur starken Gegendruck machen mit einer oder beiden Händen.

Ihr könnt eigene Massageöle mitbringen, die Gebärabteilungen stellen das aber immer auch zur Verfügung.



WÄRME, KÄLTE UND LUFT

Frauen, die gerne am Kreuzbein massiert werden, schätzen häufig auch Wärme sehr. Wärmflaschen kommen bei der Geburt oft zum Einsatz.

Coolpacks am Oberkörper können dagegen erfrischend wirken.

Frischluft ist auch etwas, was viele Frauen mögen. Die Partner haben dann oft den Job, ihren Frauen Luft zuzufächeln. Wenn ihr also noch irgendwo einen Fächer vom letzten Thailandurlaub habt, nehmt ihn mit!



WASSER

Viele Frauen lieben Wasser während der Geburt. Ein Entspannungsbad hilft vor allem, sich in der Wehenpause gut entspannen zu können. Wenn ihr euch wohlfühlt und die Bedingungen für eine Wassergeburt gegeben sind, ist auch eine Wassergeburt etwas sehr schönes. Die Bedingungen sind, dass die Herztöne eures Kindes unauffällig, das Fruchtwasser klar, das Baby keine Frühgeburt mehr ist und ihr gesund und mobil seid und je nach Situation auch schnell aus der Wanne klettern könnt.

Manchmal sind die Zimmer mit Gebär-Badewannen besetzt. Aber auch Duschen ist während der Geburt sehr entspannend und hilfreich! Frauen, die gerne laufen während der Geburt, duschen oft sogar lieber als dass sie in der Badewanne liegen.

Auf einem Gymnastikball unter der Dusche sitzend entspannen auch viele Frauen.



MUSIK

Nehmt Euch eigene Musik mit! Musik kann euch helfen, eine vertraute Atmosphäre im Gebärsaal zu erzeugen, die euch unterstützt.



POSITIVE BILDER

Woran wollt ihr denken, während der Geburt?

Vielleicht hilft euch, an das „Ziel“ zu denken. An das Baby. An die Situationen, auf die ihr euch am meisten freut. Einfach Familie sein, sonntags zu dritt, viert, fünft…. im Bett liegen, auf den ersten Urlaub….

Im Geburtsvorbereitungskurs erzählen Paare manchmal nette Geschichten, wie sie z.B. noch schwanger den leeren Kinderwagen immer wieder am Spiegel in der Wohnung vorbeischieben und finden, wie gut ihnen das steht!

Malt Euch in der Schwangerschaft diese positiven Bilder aus, an die ihr denken wollt, wenn es hart wird während der Geburt.

Vielleicht hilft Euch auch, an eine andere gute Situation oder an einen Ort zu denken, der für euch wichtig ist. Seid detailreich in euren Bildern! Wie sieht es da genau aus? Was hört ihr da? Wie riecht es da?



MEINE EIGENE ERFAHRUNG

Ich hatte mich lange vor der Geburt meines Sohnes auf den ersten Urlaub gefreut, den wir 4 Monate nach der Geburt geplant und unternommen haben. Wir sind im Herbst mit dem VW Bus durch die Normandie und die Bretagne gefahren. Mein positives Bild war, mit dem Baby im Tragetuch zu dritt am Strand zu stehen, den starken Wind zu spüren, die Wellen zu sehen.
Dieses Bild habe ich mir immer wieder vorgestellt, mich darauf gefreut und es hat mir unglaublich während der Wehen geholfen!
Und der Urlaub war tatsächlich wunderschön!



POSITIVE GEDANKEN

„Das muss sich genauso anfühlen“

„Alles ist gut“

„Ich bin am richtigen Ort und in guten Händen“

„Das Baby und ich schaffen das zusammen“

„Jede Wehe kommt nur ein einziges Mal.“

„Jede Wehe bringt mich dem Ende der Geburt näher“

„Die starken Wehen sind die guten, weil sie effektiv sind“

„Morgen um die Zeit kuschel ich mit dem Baby, nächste Woche um die Zeit kuschel ich mit dem Baby, nächsten Monat um die Zeit kuschel ich mit dem Baby…“

Überlegt euch in der Schwangerschaft, welche positiven Gedanken euch helfen können, wenn ihr an eure Grenze kommt.

Macht ihr Sport und kommt da an eure Leistungsgrenze? Was macht ihr dann? Was motiviert euch, bis an eure Grenzen und darüber hinaus zu gehen? Was hilft euch sonst im Leben?



HUMOR

Ganz wundervoll ist es, wenn Paare auch in dieser Grenzsituation, die eine Geburt natürlich ist, ihren Humor nicht verlieren. Männer fragen mich im Geburtsvorbereitungskurs manchmal, ob denn bei der Geburt noch gelacht werden darf. Ja klar, schön, wenn das geht.

Aber auch hier möchte ich euch davor bewahren, die Latte der eigenen Ansprüche zu hoch zu hängen und hinterher enttäuscht zu sein, wenn ihr nicht mit einem Lächeln im Gesicht zu Harfenklängen geboren habt. Manchmal vergeht einem der Spass mit der Zeit. Ich wünsche Euch, dass ihr immer wieder Momente habt, in denen ihr Lachen könnt bei der Geburt. Und vergesst nicht: kaum ist das Baby da, ist der Schmerz weg und spätestens dann kommt das Lachen wieder!

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, wie sehr es mir geholfen hat, wenn ich kurz mal die Augen geöffnet habe zwischen den Wehen und gesehen habe, wie positiv und erfreut meine Hebamme und mein Mann ausgesehen haben. Auch wenn mir selber nicht in jeder Wehe zum Lachen zumute war.



KOMPLEMENTÄRMEDIZIN

Viele Hebammen haben sich weitergebildet in verschiedenen Bereichen der Komplementärmedizin. Und so wird in den meisten Spitälern auch Homöopathie, Akupunktur, Aromatherapie etc. angeboten.



HYPNOBIRTHING

Wie schon kurz an anderer Stelle erwähnt, ist Selbsthypnose eine interessante Methode, die ihr aber bereits in der Schwangerschaft intensiv gelernt haben müsst. Die Idee ist, sich durch Selbsthypnose in einen Entspannungszustand zu versetzen und so weniger Wehenschmerz zu spüren. Auf www.hypnobirthing.ch gibt es weitere Informationen.



Diese Liste ist sicher noch nicht vollständig. Aber sie zeigt, dass es viel mehr als nur Schmerzmittel gibt, um den Wehenschmerz besser zu meistern.