Es geht los!

 

THEMA WEHEN:

 

Wie oft kommen die Wehen am Anfang der Geburt?

Die Geburt beginnt, wenn die Wehen regelmäßig alle 5 Minuten kommen! Im Geburtsverlauf steigert sich die Frequenz auf alle 3 Minuten.

Diese Erkenntnis löst in meinen Geburtsvorbereitungskursen oft erstaunte Gesichter aus. Diese Häufigkeit ist vielen Paaren nicht bewusst! Aber es ist ganz wichtig, dass ihr wisst, was euch erwartet. Viele Paare denken, die Wehen kämen am Anfang nur alle 10-20 Minuten. Leider, leider ist das nicht so. Die Natur hat einen „Sesam-öffne-Dich-Mechanismus“ ausgetüftelt, der Frühgeburten gut verhindert, dafür aber die Geburten recht anstrengend macht.

Solange die Wehen unregelmäßig oder in noch grösseren Abständen kommen, hat die Geburt noch nicht begonnen.

 

WIE LANGE DAUERT EINE WEHE?

Eine richtige Geburtswehe dauert rund eine Minute.

Die Gebärmutter zieht sich für ca. 30 Sekunden immer stärker zusammen, was Ihr als zunehmenden Schmerz spürt und dann lockert sich die Gebärmuttermuskulatur ca. 30 Sekunden wieder, was ihr als abnehmenden Schmerz wahrnehmt.

Nach einer Minute ist der Schmerz vorbei und ihr könnt euch ausruhen und neue Kraft schöpfen.

In der Latenzphase, also der Phase vor der eigentlichen Geburt, sind die Wehen oft noch kurz, nur 10-20 Sekunden.

WIE FÜHLT SICH EINE WEHE AN?

Die Wehe fühlt man als ziehenden Schmerz im Unterbauch und in der Leiste.

Der Bauch wird vor allem oben ganz hart, aber dort tut nichts weh. Der „Motor der Wehen“ ist der obere Teil der Gebärmutter. Dort sind die Muskelfasern, die sich kräftig zusammenziehen, den Muttermund unten langsam auf 10 cm eröffnen und das Baby tiefer in das Becken schieben.

Viele Frauen fühlen die Wehen auch noch im Kreuzbein. Da können wir Hebammen und ihr Männer helfen, indem wir abwechselnd das Kreuzbein während der Wehe massieren.

WIE STARK SIND DIE WEHEN?

Ein Gradmesser für die Stärke der Wehen ist, ob Ihr während der Wehe noch reden und laufen könnt. Ist das der Fall, sind die Wehen noch nicht so richtig stark. Und noch nicht so richtig effektiv.

„Schöne“, kräftige und effektive Wehen fordern alle Aufmerksamkeit. Da muss man innehalten, die Augen schließen und sich auf die Atmung konzentrieren.

WAS SOLL ICH ZUHAUSE WÄHREND DER WEHEN MACHEN?

Ihr könnt zuhause ein warmes Bad nehmen oder warm duschen. Das entspannt und hilft, den Schmerz besser zu verarbeiten. Wenn die Wehen dabei wieder aufhören, dann waren es vorerst nur Vorwehen.

Probiert auch schon mal aus, welche Positionen ihr lieber mögt: seid ihr lieber in Bewegung, in aufrechten Positionen oder ist Liegen für euch am besten? Eine Wärmflasche kann auch gut helfen.

DÜRFEN WIR WÄHREND DER GEBURT NOCH ESSEN UND TRINKEN?

Ja, solange ihr mögt, könnt ihr auch noch eine Kleinigkeit essen. Im Gegensatz zu früher ist Essen und Trinken nicht mehr untersagt. Im Gegenteil. Vor allem Trinken ist wichtig bei der Geburt. Durch die verstärkte Atmung trocknet der Mund sehr aus.

Ich empfehle euch aber nur kleine Snacks zu essen, die leicht verdaulich sind. Der Körper kann nicht gut gleichzeitig gebären und verdauen. Sehr viele Frauen erbrechen zudem bei der Geburt.

Stilles Wasser ist am besten beim Gebären. Gelegentlich empfehlen wir aber Cola oder andere zuckerhaltige Getränke, die kurzfristig wieder Energie liefern.

Bei uns im Spital werden Männer und Frauen kostenlos vollverpflegt. Nehmt euch trotzdem ein paar Snacks mit, von denen ihr euch vorstellen könnt, dass ihr sie auch dann essen mögt, wenn Ihr Übelkeit habt.

WANN SOLLEN WIR INS SPITAL KOMMEN?

Liebe Männer!

Das ist wahrscheinlich die Frage, die euch am meisten beschäftigt.

Die Antwort ist schlicht davon abhängig, ob eure Frau das erste oder schon ein weiteres Kind bekommt.

Beim ersten Kind gilt:

• Wenn die Wehen alle 5 Minuten für mindestens 1-2 Stunden kommen, dann hat die Geburt wahrscheinlich begonnen.

• Wenn das Fruchtwasser kommt!

Wenn ihr beide euch zuhause noch wohl fühlt mit den Wehen, könnt ihr noch weiter zuhause bleiben. Beim ersten Kind. Die Geburt wird durchschnittlich 12 Stunden dauern. Und es kommt im Spital nicht schneller als zuhause. Eure Frau merkt, wenn sie ins Spital will.

Viele unserer Mütter erzählen, wie sie mit Wehen noch die Wäsche gemacht haben und erst kurz vor der Geburt ins Spital gefahren sind….

Wenn ihr zu früh kommt, dann kann es passieren, dass die Wehen noch mal wieder aufhören, weil es nur mal ein „Testlauf“ war. Das ist frustrierend für euch. Also wartet lieber ein bisschen länger.

Bei einer weiteren Geburt gilt:

• Wenn ihr euer zweites oder ein weiteres Kind bekommt, dann sollt ihr kommen, wenn die Wehen im Abstand von 8 Minuten oder weniger kommen

• Wenn das Fruchtwasser kommt!

Die zweiten Kinder sind erfahrungsgemäß die schnellsten und einfachsten Geburten. Ihr solltet nicht zulange warten.

In jedem Fall sind wir Hebammen immer froh, wenn ihr vorher anruft und sagt, wenn ihr kommen wollt.

WIE FAHREN WIR AM BESTEN INS SPITAL? TAXI, TRAM, AUTO...ODER GEHEN WIR DOCH ZU FUSS?


 

ÖV

Mit Wehen würde ich von Bus und Tram abraten. Das ist sehr unentspannt für euch!

 

ZU FUSS

Wenn ihr sehr nah am Spital wohnt, kann man schon noch laufen. Aber bedenkt, dass aus einem eigentlich sehr kurzem Weg von 10 Minuten eher eine halbe Stunde wird.

 

FAHRRAD

Eine meiner Hebammen-Kolleginnen hat vor kurzem in Zürich im Geburtshaus Delphys geboren und ist mit dem Fahrrad zur Geburt gefahren! Auf dem Weg hat ihre Hebamme sie eingeholt. Geht also auch! Es gibt Studien, die belegen, dass Frauen weniger Schmerzmittel brauchen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich zu bewegen. Und in einem Studiendesign hatten die Frauen im Gebärsaal tatsächlich Ergometer, also Fahrräder.

 

AUTO

Die meisten Paare kommen mit dem Auto zur Geburt. Wenn ihr Männer fahrt, könnt ihr Eure Frau zunächst in der Gebärabteilung abgeben und euch dann um einen Parkplatz kümmern. Es ist sicher gut, den Weg ins Spital vorher schon mal gefahren zu sein.

 

TAXI

Viele Paare kommen auch mit dem Taxi. Auf meine Anfrage bei einem Taxiunternehmen hin habe ich die Antwort bekommen, dass die Fahrer selber entscheiden können, ob sie gebärende Frauen mitnehmen oder nicht. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Paar ein Problem hatte, ein Taxi zu finden.

 

AMBULANZ

Eine normale Geburt ist kein Grund, einen Krankenwagen zu rufen.

 

 

THEMA FRUCHTWASSER:

 

WAS IST, WENN DAS FRUCHTWASSER KOMMT?


Wenn das Fruchtwasser kommt, hat die Geburt begonnen! Auch wenn noch keine Wehen spürbar sind!

Die Fruchtblase des Babys hat irgendwo einen Riss und das Fruchtwasser läuft aus der Gebärmutter heraus.

Meistens gehen die Eihäute unter dem Druck der Wehen während des Geburtsverlaufs auf, wenn der Muttermund schon mehrere cm geöffnet ist.

Ungefähr jede 10. Geburt am Termin beginnt aber mit einem sog. vorzeitigen Blasensprung. Vorzeitig heißt, dass zunächst das Fruchtwasser abgeht und die Wehen erst im Verlauf einsetzen.

WIEVIEL FRUCHTWASSER KOMMT? UND WIE SIEHT ES AUS

Fruchtwasser sieht klar wie Wasser aus, manchmal sieht man Flocken der Käseschmiere darin, mit der das Baby zum Schutz vor dem Wasser bedeckt ist. Fruchtwasser ist klebrig, da es viel Zucker enthält.

Fruchtwasser kann auch leicht rosa sein, dann ist es mit ganz wenig Blut vermischt. Das ist normal und kein Grund zur Beunruhigung!

Wenn der Riss in den Eihäuten vor dem Köpfchen des Babys ist, geht meistens sehr viel Fruchtwasser ab.

Wenn der Riss im oberen Teil der Eihäute ist oder das Köpfchen schon sehr tief ist und das Becken gut abdichtet, geht eventuell nur tröpfchenweise Fruchtwasser ab.

Meistens löst so ein Blasensprung innerhalb der nächsten Stunden Wehen aus.

In jedem Fall solltet ihr zeitnah zu einer Kontrolle ins Spital kommen, um kontrollieren zu lassen, wie es dem Baby mit dieser neuen Situation geht. Auch hier gilt: vorher anrufen und die Hebammen informieren!

WAS BEDEUTET ES, WENN DAS FRUCHTWASSER GRÜN IST?

Fruchtwasser kann auch grün sein. In dem Fall hat das Baby seinen ersten Stuhlgang ins Fruchtwasser ausgeschieden. Dieser erste Stuhlgang wird im Volksmund auch Kindspech genannt, da er schwarzgrün und klebrig-zäh ist. Das Kindspech besteht hauptsächlich aus Gallenflüssigkeit. Aufgelöst im Fruchtwasser entsteht grünes Fruchtwasser.

Grünes Fruchtwasser kann ein Hinweis darauf sein, dass das Baby eine Form von Geburtsstress hatte.

Solange das CTG, also die Herztöne des Babys gut sind, geht es dem Baby gut. Während der Geburt wird man häufiger CTG Kontrollen machen als bei einer Geburt mit klarem Fruchtwasser.

Immer wieder vermuten Paare in meinen Kursen, dass grünes Fruchtwasser bedeute, dass Fruchtwasser sei „schlecht geworden“ oder sei ein Anzeichen für die sogenannte Schwangerschaftsvergiftung. Beides stimmt nicht!

IST ES FÜR DAS BABY GEFÄHRLICH, WENN DAS FRUCHTWASSER ABGEHT?

Nein, es macht nichts, wenn das Fruchtwasser abgeht!

Eltern haben manchmal Sorge, dass es dem Kind schadet, „wenn es auf dem Trocknen liegt“. Das spielt aber keine Rolle, da die Zeit ja sehr begrenzt ist, bis das Baby auf die Welt kommt.

Das Baby ist aber nach einem Blasensprung nicht mehr „steril verpackt“. Keime können aufsteigen und irgendwann eine Infektion auslösen. Damit das nicht passiert, wartet man in den meisten Spitälern nicht länger als 24 Stunden bis man die Wehen künstlich einleitet.

Meistens beginnen die Wehen aber von alleine.

Einige Spitäler nehmen sofort, andere erst nach 12 bis 24 Stunden Blut ab und kontrollieren es auf Infektzeichen. Fieber oder erhöhte Temperatur bei euch wäre ebenfalls ein Anzeichen einer Infektion und wird deshalb kontrolliert.

WAS IST EIN VAGINALER STREPTO-B ABSTRICH, UND WAS HAT DAS MIT DEM BLASENSPRUNG ZU TUN?


Bei den meisten Frauen wird in der Schwangerschaft ein Vaginal- und Dammabstrich gemacht, um zu testen, ob Streptokokken der Gruppe B nachweisbar sind. Das sind Bakterien, die in der Regel keine Symptome bei Frauen wie Ausfluss, Juckreiz oder einen speziellen Geruch hervorrufen.

Bei der Geburt können sie aber in sehr seltenen Fällen eine Infektion beim Baby auslösen. Die Infektionen sind sehr selten, aber gefährlich.

Strepto B Bakterien sind der häufigste Grund für z. T. sehr schwerwiegende Verläufe wie Meningitis (Hirnhautentzündung), Pneumonie (Lungenentzündung) oder Sepsis („Blutvergiftung“).

Bei einem positiven Strepto B Abstrich wird ab Blasensprung oder ab Beginn der Wehentätigkeit und einer Muttermundseröffnung von ca. 3 cm ein Antibiotikum intravenös gegeben. Diese Gabe wird 4-stündlich bis zur Geburt wiederholt. Dann ist die Therapie abgeschlossen. Weder Mutter noch Kind müssen nach der Geburt weiter behandelt werden.

Die Bakterien werden durch das Penicillin schlagartig reduziert und die Gefahr der Ansteckung sinkt beträchtlich. Ideal sind 2 Gaben im Abstand von 4 Stunden.

Diese Prophylaxe wird heute in nahezu allen Spitälern gemacht. Es ist nicht nötig, schon in der Schwangerschaft antibiotisch zu behandeln, die Bakterien würden sich sehr rasch wieder vermehren.

Der Abstrich sollte bei der Geburt nicht älter als 5 Wochen sein, da sich der Status mit der Zeit auch ändern kann, d.h. nach einigen Wochen sind plötzlich doch Strepto B Bakterien nachweisbar. Idealerweise nehmen eure Ärzte ihn um 36+0 SSW ab.

WAS IST, WENN DIE WEHEN NACH EINEM BLASENSPRUNG NICHT VON ALLEIN EINSETZEN?


Je nach Spital wird meistens nach 12-24 Stunden eingeleitet. Das wird gemacht, um nicht in die Situation einer aufsteigenden Infektion zu kommen: wenn die Fruchtblase geöffnet ist, können Keime aus der Scheide aufsteigen, sich vermehren und irgendwann eine Infektion bei Mutter und Kind auslösen. Dem will man zuvorkommen, indem man die Wehen künstlich anregt.

Bei uns im Spital ist es so, dass die Paare nach einer unauffälligen Kontrolle nach einem vorzeitigen Blasensprung noch einmal nach Hause gehen können. Nach 12 Stunden wird eine erneute Kontrolle gemacht, und wieder kann das Paar zu Hause auf den natürlichen Wehenbeginn warten. Die Mehrheit der Paare kommt tatsächlich mit eigenen Wehen. Bleiben die Wehen aus, wird dann allenfalls nach 24 Stunden mit der Einleitung begonnen.

Die Einleitung funktioniert genauso wie eine normale Einleitung. Allerdings ist der Körper durch den Blasensprung viel wehenbereiter und es geht meistens schneller, bis die Geburt beginnt.

Weitere Infos siehe →Einleitung!