Ankunft im Spital

Was wird bei der Ankunft im Spital gemacht?

 

Hier möchte ich euch ein bisschen von den Routineabläufen im Spital erzählen. Natürlich läuft es im jeden Spital ein wenig anders, vieles ist aber auch ähnlich.

Man wird zunächst eine Kontrolle machen, die ähnlich ist wie eine Schwangerschaftskontrolle. Das heißt, man kontrolliert bei euch Frauen den Blutdruck, Puls und Temperatur, testet den Urin auf Protein und Glucose (Eiweiss und Zucker), tastet den Bauch ab, um die Lage und die Größe des Kindes zu bestimmen.

Dann wird für 30 Minuten ein CTG geschrieben, danach erfolgt eine vaginale Untersuchung.

Die Ärzte machen eventuell noch einen Ultraschall und hören bei euch Herz und Lunge ab.


WAS IST EIN 'CTG' UND WIE OFT WIRD ES GEMACHT?

CTG ist die Abkürzung für Cardio-Toko-Graphie. Das ist die Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der zeitgleich dargestellten mütterlichen Wehentätigkeit. Das wird jeweils für mindestens 30 Minuten geschrieben, und anhand verschiedener Kriterien kann man interpretieren, wie es dem Baby während der Wehen geht.

Wir gehen davon aus, dass es dem Baby gut geht, wenn die Grundlinie seiner Herzfrequenz zwischen 110 und 150 Schlägen pro Minute ist. Als gutes Zeichen werten wir, wenn die Herzfrequenz sogenannte Akzelerationen aufweist, d.h. dass das Herz kurzfristig mal schneller als 150 spm schlägt, wenn das Baby sich zum Beispiel stark bewegt hat.

Ein negatives Zeichen ist, wenn die Herzfrequenz sich nach einer Wehe verlangsamt. Das nennt man Dezeleration und kann, wenn es immer wieder auftritt, ein Zeichen von Geburtsstress sein.

Uns ist es am liebsten, wenn wir sehen, dass die Herzfrequenz des Babys unabhängig von der Wehentätigkeit der Mutter stabil ist.

Der Wehenschreiber ist ein Druckfühler, der auf den obersten Punkt der Gebärmutter gelegt und mit flexiblen Gurten befestigt wird. Wird der Bauch während der Wehe hart, zeigt das Gerät die Wehe in Form einer Welle an. Der aufgezeichnete Höhepunkt ist auch der Höhepunkt des Schmerzes für die Frau. Die Schmerzintensität anzeigen kann das Gerät aber nicht! Wir Außenstehenden können nicht auf dem CTG sehen, wie stark oder wie effektiv die Wehen sind.

Am besten beachtet Ihr Männer dieses CTG Gerät so wenig wie möglich!

Im weiteren Geburtsverlauf wiederholt man diese 30 minütigen Aufzeichnungen ca. alle 1-2 Stunden. Gegen Ende der Geburt bleibt die Herztonkontrolle dauerhaft angeschaltet, um zu sehen, wie es dem Baby geht.

Die Geräte funktionieren inzwischen auch kabellos, so dass ihr Frauen möglichst wenig dadurch gestört werdet. Man kann mit dem CTG auch in die Badewanne oder unter die Dusche gehen.




WARUM UND WIE OFT WIRD VAGINAL UNTERSUCHT?

Nach dem ersten CTG untersucht eine Hebamme euch vorsichtig vaginal, um zu ertasten, ob und wie weit der Muttermund bereits durch die Wehen eröffnet worden ist.

Ein häufiger Eintrittsbefund ist:

• Der Gebärmutterhals ist verstrichen
• Der Muttermund ist 1-2, 3 oder auch mehr cm eröffnet
• Das Köpfchen ist im Beckeneingang
• Die Fruchtblase ist prall vor dem Köpfchen zu tasten
• Es geht mit bisschen Blut vermischter Schleim ab

Diese 5 Kriterien ertasten wir Hebammen immer, wenn wir untersuchen, und erklären sie euch.

Neben der Eröffnung des Muttermunds ertasten wir auch immer noch, wie das Baby im Becken liegt. Und ob es sich richtig ins Becken dreht. Das machen wir, indem wir die Schädelnähte und die Fontanellen, die Knochenlücken, abtasten.

Im weiteren Geburtsverlauf wird diese Untersuchung ca. alle 2 Stunden gemacht. Meistens im Anschluss an das CTG. Ganz grob kann man beim ersten Kind sagen, dass sich der Muttermund pro Stunde einen cm bis auf 10 cm durch die Wehen eröffnet.

Die Geburt verläuft aber selten nach Lehrbuch. Und so gibt es manchmal einen – für die Frau sehr frustrierenden – Stillstand, und manchmal eine sprunghafte Eröffnung des Muttermundes. 10 Stunden für die „notwendigen“ 10 cm Muttermundseröffnung sind aber realistisch beim ersten Kind!




WANN BEKOMMEN WIR EIN GEBÄRZIMMER?

Aufgrund der oben beschriebenen Untersuchungen hat man als Hebamme dann einen Eindruck von Eurer Situation und bespricht mit euch, wie es weitergeht.

Manchmal sind Paare sehr früh ins Spital gekommen, und es ist noch nicht klar, ob die Geburt wirklich schon begonnen hat. Dann vereinbaren wir eine Neubeurteilung innerhalb von 2 Stunden. In der Zeit geht das Paar häufig spazieren, Treppen steigen zur Wehenanregung oder ruht sich aus. Manche Paare fahren lieber gleich wieder nach Hause.

Wenn klar ist, dass die Geburt wirklich begonnen hat, geht es in eines der Gebärzimmer.

Sofern aus Kapazitätsgründen möglich, dürfen Frauen sich das Zimmer auswählen. Einige Zimmer bei uns haben eine Badewanne, ein großes breites Ehebett oder sehr viel Platz zum Laufen.

So lange ihr mögt, könnt ihr das Zimmer verlassen und spazieren gehen. Mit kräftigen Wehen alle 3 Minuten bleiben die meisten Frauen aber in ihrem „Nest“.




WAS MACHEN DIE HEBAMMEN?

Beim Eintritt wollen die meisten Spitäler eine Blutentnahme, um einige Blutwerte bestimmen zu können, für den Fall eines Kaiserschnittes oder falls ihr im Verlauf eine PDA wünscht.

In einigen Spitälern wird ein venöser Zugang in die Vene gelegt, der nach der Geburt wieder entfernt wird.

Betreut werdet ihr in jedem Spital von einer Hebamme. Die meisten Spitäler sind im 3- Schichtdienst organisiert, d.h. Frühdienst bis 16:00 Uhr, Spätdienst bis 23:00 Uhr und Nachtdienst bis 8:00 Uhr. Ihr bekommt pro Schicht immer eine Hebamme zugeteilt, die sich um Euch kümmert. Eventuell betreut diese Hebamme noch ein anderes Paar während der Geburt oder macht Schwangerschaftskontrollen. Das heißt, ihr seid als Paar immer mal wieder für eine halbe Stunde alleine.

Die Hebamme wird euch Vorschläge machen bezüglich Positionenwechsel oder der Atmung. Sie zeigt euch Männern, wie ihr eure Frau durch eine Massage des Kreuzbeins unterstützen könnt.

Die Hebamme hilft euch im Umgang mit den Wehen. Wenn ihr Schmerzmittel wollt, ist es der Job der Hebamme, Euch die Mittel vorzuschlagen, zu verabreichen oder zu veranlassen, dass die Anästhesie (Narkoseärzte) kommen, um z.B. eine PDA zu legen.

Alle 1-2 Stunden wird die Hebamme das CTG schreiben, um die Herztöne zu kontrollieren.

Alle 2 Stunden wird die Hebamme eine vaginale Untersuchung vornehmen, um den Verlauf der Geburt beurteilen zu können.

Wenn alles komplikationslos verläuft, rapportiert man als Hebamme regelmäßig dem Arzt/Ärztin, ist aber bis kurz vor der Geburt des Babys mit euch alleine.

Erst kurz bevor das Köpfchen geboren wird, kommt eine Ärztin hinzu. Im Moment der Geburt sind dann Arzt und Hebamme anwesend, wobei die Hebamme die Leitung der normalen Geburt hat.




WAS MACHEN DIE ÄRZTE?

Wenn bei der Geburt Komplikationen auftreten, die eine Operation wie eine Saugglocke oder einen Kaiserschnitt nötig machen, dann ist dies das Aufgabengebiet der Ärzte. Wir Hebammen sind dann für eure Begleitung, Betreuung und Unterstützung da.

Sollte es bei einer normalen Spontangeburt zu einer Geburtsverletzung wie einem Dammriss kommen, ist es in den meisten Spitälern üblich, dass die Ärzte die Nahtversorgung übernehmen.




WAS IST EINE BELEGHEBAMME?

Eine Beleghebamme ist eine Hebamme, die nicht im Schichtdienst eines Spitals fest angestellt ist, sondern freiberuflich arbeitet. Sie hat mit einem oder mehreren Spitälern einen Vertrag, dass sie mit „ihren“ Frauen, die sie schon in der Schwangerschaft betreut hat, zur Geburt kommt. Häufig betreuen Beleghebammen dann auch die Familie im Wochenbett.

In der Zeit von 37+0 bis 42+0 SSW ist die Hebamme dann immer auf Abruf für ein Paar verfügbar. Dafür wird eine Rufbereitschaftspauschale von derzeit ..?.. CHF in Zürich verlangt. Die Geburt ist wie die Leistung der Wochenbettbetreuung über die Grundversicherung abgedeckt.

Der Vorteil der Betreuung durch eine Beleghebamme ist, dass Ihr ein enges Vertrauensverhältnis habt und wisst, wer bei Euch ist bei der Geburt. Eine Beleghebamme kennt Euch anders als eine angestellte Hebamme und kann auch anders auf spezielle Bedürfnisse eingehen. Anders als eine angestellte Hebamme betreut sie zu 100% nur Euch und muss keine anderen Tätigkeiten nebenbei machen.

Der Vorteil der Betreuung durch eine angestellte Hebamme ist, dass es gerade bei einer langen ersten Geburt ganz gut ist, wenn mal eine neue, wache, motivierte Hebamme ihren Dienst beginnt. Das tut der Stimmung manchmal sehr gut. Häufig bekommen wir nach der Geburt ein Kärtchen mit dem Feedback, dass es den Paaren gefallen hat, von einem Team aus 2 oder 3 Hebammen und Ärztinnen betreut worden zu sein.

Wenn Ihr Interesse an einer Beleghebamme habt, müsst Ihr Euch am besten frühzeitig darum bemühen. Auf der Seite www.hebammensuche.ch oder www.hebamme.ch findet ihr Hebammen. Wenn ihr in einem bestimmten Spital gebären wollt, müsst ihr dort erfragen, ob sie mit Beleghebammen zusammen arbeiten.




WAS IST EINE DOULA?

Eine Doula ist eine Geburtsbegleiterin. Sie kommt ähnlich wie eine Beleghebamme mit zu Eurer Geburt. Sie ist ebenfalls rund um die Uhr auf Rufbereitschaft. Der Begriff Doula kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Helferin der Frau“. Um Doula zu werden, benötigt man keine medizinische Ausbildung, und in der Geburtshilfe übernimmt eine Doula keine medizinischen Tätigkeiten. Sie hat aber selbst bereits Kinder geboren und verfügt über Basiswissen. Sie ist als Ersatz für den Partner oder zusätzlich zum Mann bei der Geburt dabei. Sie soll die Frau oder das Paar während der Geburt emotional und körperlich unterstützen und Vermittlerin sein. Die meisten Doulas bieten 2 Vorgespräche, die Geburtsbetreuung und 2 Nachgespräche an. Die Betreuungspauschale beträgt im Moment in Zürich 950 CHF.

Wenn ihr Interesse an einer Doula habt ist www.doula.ch eine gute Internetseite.

Ich war persönlich anfangs skeptisch, ob eine Doula nicht zwischen mir als Hebamme und der Frau steht. Inzwischen habe ich aber einige sehr schöne Erfahrungen gemacht und finde, es kann sicher sehr unterstützend und entlastend sein, wenn eine weitere vertraute Person mit bei der Geburt dabei ist. Es mag auch Männer entlasten, die ihre Frau dann gut betreut wissen, wenn sie sich selbst der Situation vielleicht nicht mehr ganz gewachsen fühlen.